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Ratingen: "Unsere Kinder sind sicher"

VON CORDULA HUPFER - zuletzt aktualisiert: 03.02.2012

Ratingen (RP). Eine Elfjährige stirbt in Hamburg an einer Überdosis Methadon – in einer Pflegefamilie. Kann so etwas auch in Ratingen passieren? "Undenkbar", sagt das Jugendamt, das Pflegeeltern selbst auswählt und prüft.

Der Hamburger Fall, der bundesweit für Entsetzen sorgte, sei nicht typisch für den Alltag in Pflegefamilien, sagt Holger Waltersdorf, Leiter der Abteilung Jugend- und Familienhilfe im Ratinger Jugendamt. Pflegeeltern leisteten in der Regel Beachtliches und gingen liebevoll mit ihren Schützlingen um. Die elfjährige Chantal aus Hamburg aber war Mitte Januar in einer verdreckten Wohnung mit einer Überdosis der Ersatzdroge Methadon aufgefunden worden, die ihre ehemals drogenabhängigen Pflegeeltern zu Hause aufbewahrten, neben anderen Medikamenten, die überall herumlagen. Holger Waltersdorf ist sicher: "Da gibt es Lücken im Controlling und in der Standardisierung".

Weil in Hamburg ein Sozialpädagoge für maximal 35 Kinder zuständig sein soll, können Jugendämter die Betreuungsaufgabe an private Träger abgeben, wie im Fall Chantal geschehen. In Ratingen kann davon keine Rede sein, hier ist und bleibt das Amt in der Verantwortung, wenn Kinder in private Obhut gegeben werden, betont Waltersdorf. Zurzeit leben hier 45 Kinder vom Säuglingsalter bis zum Teil über das 18. Lebensjahr hinaus in 39 Pflegefamilien. Die werden nach wie vor gesucht, da die Bereitschaft, ein Kind aufzunehmen, seit Jahren rückläufig ist. Das bedeutet aber nicht, dass das Jugendamt bei der Prüfung von Bewerberfamilien weniger genau hinschaut.

Belastbar und geduldig

Rückläufig sei die Bereitschaft vor allem, weil sich die Lebensplanung von Frauen geändert habe. Statt Kinder und Küche zieht es viele heute hinaus ins Arbeitsleben. Zudem sind die Ansprüche an Pflegeeltern groß – "aber es ist zu schaffen", ermuntert Waltersdorf. Wer sich für ein Pflegeverhältnis – nicht zu verwechseln mit einer Adoption – interessiert, sollte belastbar und geduldig sein und idealerweise Erziehungserfahrung haben, denn: "Es gibt keine einfachen Pflegekinder, die haben alle Brüche hinter sich", weiß Waltersdorf. Bewerber müssen beim Jugendamt ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen und auch ein Gesundheitszeugnis, in dem unter anderem Suchterkrankungen ausdrücklich ausgeschlossen werden. Auch die Finanzen müssen offengelegt werden, denn die Familie dürfe nicht auf das Pflegegeld – je nach Alter des Kindes 670 bis 820 Euro monatlich – angewiesen sein, um ein Auskommen zu haben. Hausbesuche sind Standard. Ein Kleinkind müsse kein eigenes Zimmer haben, aber ein eigenes Bett. Eine Rolle spielen auch das Alter und die Bildungswege der leiblichen Kinder und natürlich der persönliche Eindruck in den Gesprächen. Für die Prüfung und Vorbereitung der Eltern auf ihre Pflegerolle, auch in Form von Seminaren, nimmt sich das Amt etwa ein halbes Jahr Zeit. Auch um herauszufinden, welches Kind zu welcher Familie passt.

Nach der Übernahme der Pflege würden Eltern und Kinder nicht allein gelassen, sagt Waltersdorf, der vor allem der Überforderung von Eltern vorbeugen will. Zweimal im Jahr gebe es Hilfeplangespräche und darüber hinaus weitere Kontakte mit dem Kind, auch ohne Beisein der Pflegeeltern. "Unsere Pflegekinder sind sicher. Beim geringsten Verdacht, sei es aus der Nachbarschaft oder aufgrund eigener Recherche, dass da etwas nicht stimmt, gehen wir der Sache nach. Der Kinderschutz steht bei uns an erster Stelle", so Waltersdorf. Pflegeeltern dürften nach spektakulären Fällen wie in Hamburg aber nicht unter Generalverdacht gestellt werden: "Die meisten leisten hervorragende Arbeit."

Quelle: RP


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