Ratingen: Unternehmer: Firmen entlasten
zuletzt aktualisiert: 29.08.2008Düsseldorf (RPO). Anlässlich seines UVR-Forums hat der Unternehmensverband Ratingen (UVR) seinen Appell an die Ratinger Politik erneuert, die Unternehmen am Standort bereits im laufenden Jahr 2008 finanziell zu entlasten. UVR-Vorsitzender Claus Brinkmann forderte vor Unternehmern aus dem gesamten Kreis Mettmann und Vertretern aus Politik und Verwaltung, den Gewerbesteuerhebesatz rückwirkend zum 1. Januar 2008 um zehn Prozentpunkte und ab Januar 2009 um weitere zehn Prozentpunkte zu senken.
„Angesichts von geschätzten Gewerbesteuereinnahmen von mehr als 130 Millionen Euro bei einem Haushaltsansatz von lediglich 110 Millionen Euro will uns nicht einleuchten, dass eine moderate Senkung des Hebesatzes nicht möglich sein soll“, sagte Brinkmann im voll besetzten Veranstaltungssaal der Cemex Deutschland AG. Er wies darauf hin, dass der Hebesatz in Düsseldorf seit 1999 von damals 500 Prozent erheblich gesunken sei – und nach dem Willen des CDU-Spitzenkandidaten für das Amt des Bürgermeisters weiter auf 440 Prozent fallen solle.
Der Abstand zum prestigeträchtigen großen Nachbarn habe sich erheblich verringert; daher sei es Zeit für Ratingen, seine Attraktivität als Wirtschaftsstandort auch bei den Steuern zu verbessern, um nicht ins Hintertreffen zu gelangen. „Wir halten es für sinnvoll und erforderlich, ein Programm zur schrittweisen Senkung des Hebesatzes zu verabschieden. Und zwar nicht erst im Kommunalwahljahr 2009, sondern jetzt. Damit kann die Politik zeigen, dass sie nicht nur in Wahlperioden und damit verbundenen politischen Aktionen denkt und handelt, sondern langfristig orientiert am Wohl der Bürger und der Unternehmen“, betonte UVR-Geschäftsführer Dr. Axel Mauersberger.
Brinkmann wiederum hob hervor, wie wichtig hochwertige und schnell verfügbare Gewerbeflächen für die Entwicklung der Stadt sind. Es komme nicht darauf an, wie viele Flächen theoretisch für Neuansiedlungen oder Erweiterungen vorhanden seien, sondern darauf, dass man auch tatsächlich auf sie zugreifen könne. Wenn Ratingen für Unternehmen noch attraktiver werden solle – was die Grundlage für den Wohlstand der Stadt und seiner Bürger sei – dann müssten neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden. Brinkmann appellierte daher an alle Ratsfraktionen, den geplanten Änderungen des Flächennutzungsplans in Tiefenbroich, Lintorf und Homberg zuzustimmen.
Wirtschaftliches und politisches Handeln war auch Gegenstand der anschließenden Rede von Dr. Udo Siepmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Im Rahmen seines Vortrags „Vom Überangebot zur Knappheit: Die Versorgung der regionalen Wirtschaft mit Arbeitskräften“ wies er auf die zukünftige demografische Entwicklung in der Region und deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Unternehmen hin.
Bis zum Jahr 2020 werde die Zahl der 20- bis 65-Jährigen in Ratingen um vier Prozent zurückgehen. Im gesamten IHK-Bezirk werde es dann eine Lücke von 30 000 zusätzlich benötigten Arbeitskräften geben. Am aussichtsreichsten sei es, diese Lücke durch Erhöhung der Quote der Erwerbsbeteiligten zu schließen. Dazu gehöre die bessere Re-Integration von Arbeitslosen ins Berufsleben, verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Weiterbildung insbesondere der älteren Beschäftigten. Vor allem jedoch gelte es, mehr junge Leute in die duale Ausbildung zu bringen und die Zahl der Schulabbrecher, die nicht den Hauptschulabschluss schaffen, zu senken.
Zudem seien auch die Unternehmen gefordert, bereits in der Ausbildung Zusatzqualifikationen wie Sprachen oder kaufmännisches Wissen für gewerbliche Mitarbeiter anzubieten. Auf der anderen Seite müsse aber auch für schulisch schwache Jugendliche eine Einstiegsqualifikation ermöglicht werden. Der Kampf um die besten Köpfe sei das Thema der nächsten Jahre für die Unternehmen.
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