Heiligenhaus: Vernunft gegen sinnlose Gewalt
VON DANIELA V. DELLINGSHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 19.11.2007Düsseldorf (RPO). Volkstrauertag: Bürgermeister Dr. Jan Heinisch erinnerte an die Schlacht im Hürtgenwald, in der rund 32 000 junge Soldaten ums Leben kamen. Ruth Ortlinghaus (Stadtmarketing Kultur und Gesellschaft) betonte: Frieden sei die höchste Kunst der Politik.
Obwohl die Mensa der Gesamtschule an der Hülsbecker Straße voller Menschen war, herrschte am vergangenen Sonntag, entgegen sonstiger Hektik, andächtige Ruhe. Die beiden Heiligenhauser Ortsgruppen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und des Heimkehrerverbandes hatten zu einer Feierstunde anlässlich des Volkstrauertages eingeladen. Zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens und einige Schüler gedachten der vielen Toten und Kriegsopfer. Auch Bürgermeister Dr. Jan Heinisch (CDU) erinnerte in seiner Eingangsrede: „Der November ist ein Monat der Stille und Besinnung. Nur noch wenige haben den letzten großen Krieg in Deutschland selbst miterlebt.“
Die Schlacht im Hürtgenwald
Laut Heinisch verblassen im Laufe der Zeit die Erinnerungen an die Kriegsgeschehnisse, die Veranstaltung solle dagegen wirken. Er erinnerte an die Schlacht im Hürtgenwald, ein rund 100 Quadratkilometer großes Waldplateau nord-östlich der deutsch-belgischen Grenze: „Es ist ungefähr dreimal so groß wie das Stadtgebiet von Heiligenhaus, dort sind rund 32 000 junge Soldaten ums Leben gekommen.“ Noch heute finde man jährlich ungefähr zehn Skelette. Ruth Ortlinghaus, Sprecherin des Stadtmarketings „Kultur und Gesellschaft“, griff in ihrer Rede nicht nur mahnende Worte großer Dichter und Denker auf, die das nahende Unheil auf die Menschen zukommen sahen und dabei allzu oft überhört wurden. Ortlinghaus, damals selbst noch ein Kind, war ebenfalls Betroffene der Kriegswirren und musste zahlreiche Verluste verkraften. Sie beeindruckte in ihrer Rede mit sehr persönlichen Erlebnissen, welche die Schrecken und Traumata dieser dunklen Phase der deutschen Geschichte widerspiegelten.
Über das Schicksal ihres damals viel älteren Bruders berichtete sie: „Aus seinen vielen Briefen spricht zwischen den Zeilen nackte Angst und Grauen.“ Er kam Heiligabend 1944 in russischer Gefangenschaft ums Leben, ihr Großvater wurde Opfer der Euthanasie. „Die Herstellung, Bewahrung und Verkündigung des Friedens ist die höchste Kunst der Politik“, so ihre Botschaft an das Publikum, Frieden sei ein Meisterstück der Vernunft. Schülerin Sarah Engel und Schüler Moussa Mahnin ehrten anschließend die Opfer der vergangenen und der aktuellen Kriege und des Terrors und „sinnloser Gewalt“.
Zeit für die Musik
Der Posaunenchor unter der Leitung von Michael Smetten führte zur feierlichen Untermalung die Stücke „Rondeau“ von Georg Philipp Telemann und „Allemande“ von Michael Prätorius auf. Der Herrenchor „Heimatklänge 1911“ unter der Leitung von Sebastian Theilke sang das Stück „Sanctus“ von Franz Schubert und das „Vater Unser“. Nach einer gemeinsam angestimmten dritten Strophe des Deutschlandliedes ging es anschließend zur Kranzniederlegung am Mahnmal.
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