Ratingen: Wallenhorst zog alle Register
VON EVA STANNIGEL - zuletzt aktualisiert: 15.04.2008Düsseldorf (RPO). Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „organistival“ gab Ansgar Wallenhorst das Eröffnungskonzert in St. Peter und Paul und begeisterte das Publikum.
Fulminant ging es in eine neue Saison der Kirchenmusik. Mit seinem Konzert am Sonntag eröffnete Organist Ansgar Wallenhorst in St. Peter und Paul das diesjährige „organistival“ – das Fest der Organisten. Trotz des neuen Namens der Veranstaltungsreihe „Orgelzyklus“ bleibt der Inhalt aber gleich: zahlreiche Gastorganisten aus den verschiedensten Nationen werden auch in der kommenden Saison wieder an der Seifert-Orgel spielen und durch ihr Können beeindrucken. Für Ansgar Wallenhorst hatte das Eröffnungskonzert in diesem Jahr eine besondere Bedeutung: am 13. April 1983, also vor 25 Jahren, gab er sein Debüt-Konzert als junger Organist in der Evangelischen Stadtkirche in Dinslaken.
Termine
Weiter geht die Veranstaltungsreihe am 18. Mai mit Martin Baker von der Westminster Cathedral (London), während der Bachtage im Juni ist Livia Mazzanti (Rom) zu Gast und einen Sommernachtsabend mit Iveta Apkalna folgt am 5. Juli. In der zweiten Jahreshälfte spielen Prof. Winfried Bönig (Köln), Olivier Houette (Paris) und David Briggs (New York).
Vor großem Publikum
Vor einem großen Publikum startete Wallenhorst mit Jean Langlais’ „Incantation“ über das „Lumen Christi“, welches auch vor 25 Jahren schon auf dem Programm stand. Das appellative Motiv des Stückes prägte sich besonders ein und die Zuhörer zeigten sich begeistert von den kraftvollen Klängen, mit denen es schließlich endete. Genau das Gegenteil war Charles-Marie Widors Choral aus der Symphonie No. 10 „Romane“. Sehr ruhig und liedhaft verzauberte das Stück durch seine leise-lieblichen Melodiepassagen und seinen filigranen Stil. Laute Basstöne erklangen nur, um die Melodiestimme eindrucksvoll daraus aufsteigen zu lassen.
Auch zu dem folgenden „Alleluia“ von Jean Langlais hat Ansgar Wallenhorst einen persönlichen Bezug: es ist seinem Lehrer Jean Guillou gewidmet. Durch Videoübertragung auf eine Leinwand vor dem Altar wurden die Zuhörer bei diesem Stück zu Zuschauern und konnten so die Füße des Organisten verfolgen, die in der Etüde für Pedal Solo in beeindruckendem Tempo über die Pedale flogen. Nach dem „Recit“ von Thierry Escaich folgte dann schließlich das Hauptwerk des Konzertes, bei dem Wallenhorst sprichwörtlich alle Register zog. In Franz Liszts „Fantasie und Fuge“ über den Choral „Ad nos salutarem undam“ wurden die Möglichkeiten der Seifert-Orgel genutzt und die Größe des Werkes kam voll zur Geltung. Mal feierlich und mit Fanfaren-Charakter, im Variations-Andante dann eher nachdenklich. In der bizarren Scherzando-Fuge verdichteten sich die einzelnen Stimmen schließlich, bis es mit viel Pomp ins fulminante Finale ging. Zum Abschluss des Konzertes improvisierte der Organist mit viel Phantasie und neuen technischen Möglichkeiten an der Seifert-Orgel und rundete den Abend mit einer beeindruckenden Improvisation ab, deren Tiefe und Raffinesse sich wahrscheinlich nur den Orgelkennern ganz erschloss. Trotzdem zeigte sich das ganze Publikum begeistert und applaudierte lange für einen gelungenen Auftakt des organistivals.
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