Ratingen: Werben um den Hausarzt
VON JULIA BRABECK - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012Ratingen (RP). St. Marien-Krankenhaus und Arztpraxen arbeiten bei der Ausbildung in einem Verbund zusammen. In Deutschland herrscht ein Mangel an Allgemeinmedizinern. Besonders ländliche Gebiete sind davon betroffen – viele Praxen schließen, da kein Nachfolger gefunden werden kann. Ratingen gehört noch nicht zu den unterversorgten Gebieten.
Damit das so bleibt und die medizinische Versorgung der Ratinger weiter gewährleistet werden kann, haben sich nun das St. Marien-Krankenhaus und einige niedergelassene Arztpraxen zu einem Weiterbildungsverbund zusammengeschlossen. Ziel dieser Kooperation ist es, jungen Ärzten optimale Rahmenbedingungen für die Ausbildung zum Facharzt (verbunden mit finanziellen Anreizen) zu bieten und dadurch den Nachwuchs an die Region zu binden.
Wechsel mit Problemen
Bisher war die fünfjährige Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner schwierig, weil sie die Ausbildung in verschiedenen Abteilungen einer Klinik (wie die internistische Abteilung oder die Pädiatrie) und in der Praxis eines Allgemeinmediziners vorschreibt. Oft funktioniert der Wechsel zwischen den verschiedenen Abteilungen aber nicht reibungslos, es müssen Wartezeiten zwischen den einzelnen Stationen überbrückt werden. "Der Verbund garantiert nun einen nahtlosen Anschluss und vermittelt den jungen Ärzten Arztpraxen, die auch fortbilden dürfen", sagt Bernd Zimmer, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein.
Ein Abwandern in andere Regionen, um dort schneller die Ausbildung fortsetzen zu können, ist damit nicht mehr nötig. "Für Ärzte ist es später außerdem einfacher, sich dort niederzulassen, wo ihnen bereits das Umfeld und die Kollegen vertraut sind. Deshalb ist solch ein Verbund sehr wichtig, denn er hilft auch, einen guten Kontakt zwischen niedergelassenen Ärzten und dem Krankenhaus herzustellen", sagt Zimmer.
Besonders für Ärztinnen sei ein solches Netzwerk wichtig, um Beruf und Familie koordinieren zu können. 70 Prozent der Medizinstudenten sind inzwischen weiblich. Insgesamt beteiligen sich bisher an dem neuen Verbund acht Gemeinschaftspraxen. "Darunter sind Praxen mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten wie Sportmedizin oder Homöopathie. Da müsste sich eigentlich jeder Auszubildende wiederfinden", sagt Professor Andreas Wagner, Chefarzt am St. Marien-Krankenhaus. Er und die niedergelassenen Ärzte erhoffen sich unter anderem von der Beteiligung an dem Verbund, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.
Bernd Zimmer ermuntert die Ärzte, mit ihrem Engagement an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie sollen in ihren Praxisräumen aushängen, dass sie ausbilden.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum