Ratingen: Wie Frauen ihr Geld anlegen
VON STEFAN GÖRZ - zuletzt aktualisiert: 25.11.2009Düsseldorf (RPO). Seit Anfang 2009 bietet die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert (HRV) auch das Private Banking an. Andrea Machost leitet den Bereich. Sie sagt: "Männer achten vorwiegend auf Rendite. Frauen achten auf Werte wie Nachhaltigkeit und Ethik."
Sie ist ein Eigengewächs der Sparkasse. Nach ihrer Schulzeit beschließt Andrea Machost, eine Ausbildung bei diesem Institut zu beginnen, und zwar in Krefeld, ihrem Geburtsort. "Nach bestandener Prüfung wurde ich dann in verschiedenen Abteilungen eingesetzt, ehe ich im Ausbildungsbereich die berufliche Entwicklung junger Menschen mit zu verantworten hatte. Nachdem ich mich dann in Düsseldorf zur Sparkassenbetriebswirtin weiterentwickelt hatte, wurde ich an meinem Geburtsort als Anlageberaterin tätig."
Und dort stellte Machost nach eigenen Angaben erstmals fest, dass Geldanlage häufig Männersache war. "Wenn ich Plakate und Ankündigungen zu Aktionärsmessen sah, fiel mir auf, dass dort immer nur Männer abgebildet wurden. Und auch bei meinen Anlagengesprächen hatte ich es überwiegend mit Männern zu tun." So entwickelte sich im Verlaufe eine große Leidenschaft: Frauen und Finanzen.
Und dass die heute 46-jährige Leiterin des Private Banking der Sparkasse HRV hierüber auch ein Buch geschrieben hat, entspricht ihrem Naturell. "Männer achten vorwiegend auf Rendite. Bei Frauen ist das häufig anders. Sie stellen andere Werte in den Vordergrund wie Nachhaltigkeit und Ethik. Oder aber der Anlegerin ist es auch wichtig, dass die Unternehmen, in welche investiert werden soll, keine Kinderarbeit erlauben. Ich versuche in Vorträgen und Gesprächen den Frauen Lust darauf zu machen, sich mit der Materie zu beschäftigen, und ich will vor allem aufzeigen, dass Börse kein Buch mit ‚sieben Siegeln' ist", so Machost.
Erfahrung hat die Sparkassenbetriebswirtin, deren Karriere nie durch männliche Vorbehalte gestört wurde, auch durch ihre Luxemburger Tätigkeit für die Deka-Bank gewonnen. "Meine Aufgabe war es, die Sparkassen in Nordrhein Westfalen in allen Fragen zur Vermögensanlage und -verwaltung zu betreuen. Das brachte eine umfangreiche Reisetätigkeit mit sich, da ich sehr viele Schulungen und Vorträge zum Thema durchgeführt habe." In ihrer neuen Aufgabe steht Andrea Machost ihren ganzen Mann. Und Beruf und Familie vereinbaren sich nur deshalb, weil auch ihr Lebenspartner sehr häufig beruflich unterwegs ist.
Zum heutigen Team der Abteilungsdirektorin gehören neben 14 Mitarbeitern im Private Banking (davon zwölf Männer) weitere rund 30 Berater mit den jeweiligen Leitern in den Vermögensanlagecentern Hilden, Ratingen und Velbert. "Die erfolgreiche Entwicklung der neuen Sparkassensparte führt sicher dazu, dass wir bei einer personellen Aufstockung gerne eine Frau für das Team gewinnen möchten", so Machost weiter.
"Keine Gewinnmaximierung"
Warum hat die Sparkasse HRV überhaupt das Private Banking eingeführt? Denn eigentlich ist die Betreuung vermögender Kunden doch traditionell bei den Privatbanken beheimatet? "Als Sparkasse sind wir selbstverständlich für alle Kunden da und es gilt unverändert, dass wir keine Gewinnmaximierung betreiben wollen. Aber unsere Top-Kunden verlangen angesichts der Komplexität der Märkte eine entsprechende individuelle und zeitintensive Betreuung, die wir sonst nicht bieten könnten. Und so haben wir diesen Bereich gerne und bewusst geschaffen, um auch die speziell umworbene Klientel durch Kompetenz an uns zu binden", ergänzt Machost.
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