Ratingen: Wo Konzerne einkaufen gehen
VON STEFAN GÖRZ - zuletzt aktualisiert: 10.06.2009Düsseldorf (RPO). Seit 2003 beliefert die Ratinger Firma Mannesmannröhren Logistik GmbH (MLG) deutsche Unternehmen mit Qualitätsware. Die MLG auf dem Balcke-Dürr-Gelände ist so eine Art "Amazon" für gewerbliche Kunden. Bestellt wird über ein Online-Portal.
Ost Wenn ein deutsches Unternehmen C-Teile, hierunter versteht man Waren, die nicht unmittelbar für die Herstellung der eigenen Produkte erforderlich sind, benötigt, beauftragt es mit der Lieferung eine Firma, die in 2003 von dem auch sozial stark engagierten Ratinger Unternehmer Rolf Theißen gegründet wurde: die Mannesmann Logistik GmbH (MLG).
Theißen, der mit seiner Firma Induser Industrieservice GmbH & Co.KG neben den Hüttenwerken Krupp Mannesmann GmbH sowie Vallourec & Mannesmann Deutschland GmbH mit 75 Prozent Hauptgesellschafter ist, hatte bei Gründung der Firma die Idee, mit einem industriellen Warenhaus eine Lücke für die ungeliebte Lagerhaltung bei vielen Firmen zu schließen. Und die Idee ging auf. Dr. Adrian Seeger, Geschäftsführer der MLG: "Aktuell beliefert unsere Firma deutsche Unternehmen in einem Radius von rund 500 Kilometern. Dabei spielt die Größe der Abnehmer keine Rolle. So liefern wir auf der einen Seite natürlich an große deutsche Konzerne wie Siemens, Salzgitter oder Thyssen Krupp. Aber auch zahlreiche Kleinkunden vom Kiosk bis zum Hähnchengrill werden von uns kurzfristig bedient." Der Reiz für die Abnehmer liegt darin, dass die MLG als Dienstleister sowohl für die Beschaffung und Lagerhaltung als auch den Versand der Waren zuständig ist. Seien es typische industrielle Artikel wie Werkzeuge, Schrauben oder Dichtungen oder auch nur Fliegenklatschen, Besenstiele oder Toilettenpapier: Durch den Lieferservice rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche erhält der Auftraggeber seine bestellten Waren sehr kurzfristig. "Ähnlich dem Versandhändler Amazon können unsere Kunden auf ein Onlineportal zurückgreifen, in dem alle unsere Warenprodukte gelistet sind", so Seeger weiter, "hierin ist es dann auch möglich abzufragen, ob das benötigte Material bei uns auf Lager ist oder aber, bis wann es geliefert werden kann. In den Fachabteilungen der Auftraggeberfirmen werden Mitarbeiter berechtigt, bei uns einzukaufen. Hierdurch entfallen bei den Auftraggebern Kosten für den Einkauf und die Verwaltung dieser Warengruppen."
Rund eine Million Artikel befinden sich zwischenzeitlich im Katalog von MRL, pro Jahr gehen etwa 400 000 Aufträge bei dem Ratinger Unternehmen ein. Etwa 50 000 Artikel werden im eigenen Lager vorgehalten.
Karl Simossek, Leiter des Lagers: "Bei uns gehen täglich zwischen 1700 bis 2000 Aufträge ein. Die durchschnittliche Laufzeit eines Auftrages beträgt vom Eingang bei uns bis zur Auslieferung ungefähr einen Dreivierteltag.
Die Abarbeitung dieser hohen Stückzahlen ist nur durch modernste Technik möglich. Alle unsere Waren sind in ein Bestandssystem eingescannt. Und durch unseren eigenen Lieferservice, zehn Lkw sind im Einsatz, kommt die Ware auch sehr schnell zum Empfänger."
Kurzarbeit, aber kein Stellenabbau
Mit Stolz verweist Adrian Seeger darauf, dass eine große Mediengruppe der Ratinger Firma die Logistik, die Lagerhaltung sowie den Versand ihrer Werbeartikel übertragen hat. Und auch die Umsatzzahlen sprechen eine eindeutige Sprache zur Entwicklung.
"Seit Gründung in 2004 konnten wir unseren Umsatz von 17,5 Millionen Euro auf heute rund 25 Millionen Euro steigern. Und auch wenn die Wirtschaftskrise bei uns nicht spürbar vorübergeht, wir wollen in den nächsten Jahren eine Umsatzgröße von 30 Millionen erreichen", so der Geschäftsführer weiter.
40 Mitarbeiter beschäftigt die Firma zwischenzeitlich. Auch wenn zuletzt Kurzarbeit eingeführt werden musste, ein Personalabbau sei nicht geplant.
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