Ratingen: Zeitreise in die Zwanziger
VON MELANIE MEYER - zuletzt aktualisiert: 16.03.2007Düsseldorf (RPO). Mit Esprit, Dynamik und Feuer präsentierten Roswitha Dasch und Ulrich Raue im Medienzentrum die Revuette „Es liegt was in der Luft“. Sie widmeten das kabarettistische Programm dem jüdischen Komponisten Mischa Spolianski.
So geht’s weiter
„Weiber, Wahnsinn und Dämonen“ heißt es am Dienstag, 27. März, um 20 Uhr im Medienzentrum.
Die jüdischen Kulturtage in Ratingen laden dann zu einer musikalisch-literarischen Revue zum 100. Geburtstag des jüdischen Schriftstellers Isaak B. Singer ein. Der Eintritt beträgt acht Euro.
Berlin der 20er Jahre. Bunt, modern und übersättigt, das sind die Attribute der deutschen Metropole, in der man alles erleben und erwerben kann. Witzig und charmant präsentierten Roswitha Dasch und Ulrich Raue am Mittwochabend im Medienzentrum Chansons und Texte aus der zeitkritischen Revue „Es liegt was in der Luft“. Sie widmeten sich einen Abend lang dem jüdischen Pianisten und Komponisten Mischa Spoliansky und dem künstlerischen Treiben im Berlin der 20er und 30er Jahre.
Die Veranstaltung war der Auftakt für die Reihe „LebensArt“, bei der Künstler der Region mit unterschiedlichen Programmen auftreten werden, so Dr. Inge Röhnelt, Leiterin des Kulturamtes. Zudem war der Abend der künstlerische Beginn der „Jüdischen Kulturtage“ in Ratingen. Dasch und Raue waren nicht zum ersten Mal auf der Ratinger Bühne zu sehen, schon vor einem Jahr begeisterten sie mit einem kabarettistischen Programm über Erika Mann.
In revueartigen Szenen spielten die Kleinkünstler Nummern aus dem „Spiel im Warenhaus“ mit dem Titel „Es liegt was in der Luft“. Unter anderem integrierten sie Texte von Bertolt Brecht oder Walter Mehring, die den Weg des Pianisten kreuzten. Dasch und Raue begaben sich auf eine künstlerische Zeitreise in die „Goldenen 20er Jahre“ und stellten den jüdischen Komponisten Spolianski vor, der es verstand, berühmten Stoffen eine unverwechselbare Note zu geben. Die Revuette des Duos aus dem Berlin der „Neuen Sachlichkeit“ bewies Esprit und gleichzeitig verwiesen die beiden Künstlerinnen auf die politischen Ereignisse, die Spoliansky bewogen, 1933 ins Exil zu gehen.
Wenn die beste Freundin...
Auf abwechslungsreiche Weise stellten die beiden Künstler im Medienzentrum gesprochene Texte und Chansons vor, die satirisch, charmant, zeitkritisch sowie politisch daher kamen. Dasch bestach durch das Spiel mit Mimik und Stimme. Bitterböse, melancholisch und dann wieder beschwingt war das ganze Programm. Dasch hielt eine Barbie-Puppe hoch und begann, das bekannte Duett von Marlene Dietrich und Margo Lion „Wenn die beste Freundin mit der besten Freundin“ zu singen. Auf der Einkaufstour der Freundinnen bemerken sie, dass sie denselben Mann lieben, aber anstatt sich die Augen auszukratzen, kaufen sie lieber einen neuen Fummel. Amüsiert waren die Zuschauer auch über die Episode eines kleptomanisch veranlagten Gaunerpärchens, das dem Kaufhausdetektiv am Ende mit der Ware entwischt. Das ist der „new way of live“ der „Goldenen 20er Jahre“. Dynamisch und feurig waren nicht nur die Texte, sondern auch die Melodien auf Violine und Klavier. „Ist das Ihr Mann?“, hauchte sie beiläufig durch das Mikrofon. Der Blick Daschs fiel auf einen Herrn in der ersten Reihe. Immer wieder bezog sie das Publikum mit ein. Dies lohnte mit viel Applaus.
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