Tennis: Blumberg bestechend
VON GEORG AMEND - zuletzt aktualisiert: 16.07.2007Der Ratinger TC Grün-Weiß ist souverän in die Zweite Damen-Bundesliga aufgestiegen. In der sengenden Hitze wurde mit Prosecco gefeiert. Die Ratingerinnen mussten kein einziges Doppel spielen.
Um 15.56 Uhr hatte Elise Tamaela gestern ihren ersten Matchball. Dieser sollte nicht nur über ihr Spiel, sondern auch über den Aufstieg des Ratinger TC Grün-Weiß in die Zweite Bundesliga entscheiden. Und als ob die 23-jährige Holländerin überhaupt keinen Druck kennen würde, verwandelte sie den Matchball mit einem Ass. Trainer Oliver Selbach ballte die Faust, Jubel brandete am Götschenbeck auf, von der Pizzeria Lumare gab es ein Tablett Prosecco, die Damen, die den Aufstieg in die Zweite Liga geschafft hatten, ließen trotz der brütenden Hitze die Korken knallen. Viele bekannte Gesichter feierten den 5:1-Finalsieg über Bayer Leverkusen mit, darunter auch Manfred Büth, Präsident des Lintorfer TC, der ebenfalls in der Zweiten liga spielt, sowie sein Vorgänger Jürgen Rost, der meinte: „Durch den Ratinger Aufstieg sparen wir uns einmal Übernachtungskosten.“
Maßgeblichen Anteil daran hatte neben Spitzenspielerin Tamaela, die an beiden Tagen der Aufstiegsrunde keinen Satz abgeben musste, vor allem Linda Blumberg. Die 23-Jährige verlor zwar den ersten Satz gegen ihre Leverkusener Konkurrentin Claudia Kimmelmann denkbar knapp mit 6:7, kämpfte sich dann aber zurück ins Spiel und ihre Gegnerin förmlich nieder. Blumberg präsentierte sich körperlich in bestechender Form, machte mit ihrer großen Laufbereitschaft die körperliche Unterlegenheit wett und zwang Kimmelmann in den dritten Satz. Der war für die Bayer-Akteurin zuviel, mit Krämpfen im rechten Bein war sie nur noch ein Spielball für Blumberg.
Nach ihrem Sieg gab es zur Belohnung einen Kuss ihres Lebensgefährten Manuel Heise, der auf der Bank taktische Hilfe bot und „sehr zufrieden“ mit dem Spiel seiner Freundin war. Blumberg bedankte sich: „Das war mentale Unterstützung von außen.“ Sie war aber ehrlich genug zuzugeben, dass sie davon profitiert hatte, dass Leverkusen am Samstag fast acht Stunden gegen Hamm um den Finaleinzug gespielt hatte, während der RTC das in gut zwei Stunden gegen Friederika Bochum besiegelte. So hatten sich die Ratingerinnen schon am Samstag die Doppel sparen können, ebenso verlief es gestern, da Leverkusen den Kräfteverlust nicht kompensieren konnte. „So ist das im Sport“, analysierte Trainer Oliver Selbach.
Das wichtigste Spiel ihrer Karriere sei das Match gegen Leverkusen nicht gewesen, aber „für das Team schon ein wichtiges“, befand Blumberg, die mit Heise nicht nur privat, sondern auch sportlich beim Training ein Paar und als solches Symbolfiguren für den Aufschwung beim RTC: Denn bereits vor den Damen waren die Herren in die Niederrheinliga aufgestiegen, woran wiederum Manuel Heise großen Anteil hatte. Dieses Paar ist für die Grün-Weißen also Gold wert.
Mit dieser Saison war natürlich auch Trainer Oliver Selbach mehr als zufrieden: „Ich habe ab heute Urlaub und darum wird jetzt erstmal einfach nur gefeiert. Danach setzen wir uns zusammen und überlegen, wie wir in der Zweiten Liga spielen.“ In jedem Fall möchte er Elise Tamaela als Spitzenspielerin halten, die filigrane und doch so explosive Holländerin scheint stark genug für die Position eins in der Zweiten Liga zu sein. „Aber noch eine von diesem Kaliber wäre schon nicht schlecht“, gibt Selbach zu. Und dahinter steht noch ein komplettes Team, das sich in diesem Jahr – wie gestern etwa Linda Blumberg – in bestechender Form präsentiert hat. So kann es in Liga zwei weiter gehen.
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