Tennis: Braasch brennt noch
VON GEORG AMEND - zuletzt aktualisiert: 17.04.2008Er spielte gegen Tennislegenden wie Edberg, Lendl oder Kafelnikov – nun schlug er beim „EKP-Cup“ auf.
Seit elf Jahren wohnt der ehemalige Davis-Cup-Spieler Karsten Braasch in Ratingen und will noch Deutscher Meister werden.Karsten Braasch schlendert auf die Tennisanlage des Ratinger TC Grün-Weiß. Die rote Sporttasche hängt über seiner rechten Schulter, unter der dünnen Jacke trägt er einen grauen Pullover, dazu eine Jeans, die hellblauen Augen hinter der Sportbrille blicken aufmerksam, doch mit einem leichten Schmunzeln umher.
Es ist ein unauffälliger Auftritt – dabei könnte sich der ehemalige deutsche Davis-Cup-Spieler mit ebenso viel Brimborium inszenieren wie Boris Becker oder Michael Stich etwa, die ungefähr im gleichen Alter sind und kaum eine Gelegenheit auslassen, um ihr Konterfei in eine Fernsehkamera zu halten. Solche Auftritte liegen dem 40-Jährigen nicht.
Von Berlin nach Gürzenich
Beim RTC schlägt Braasch im Rahmen des „EKP-Cups“ auf und nutzt das Turnier als Vorbereitung. Zwar steht er noch als Spieler von Blau-Weiß Berlin in der Liste, doch vor dieser Saison wechselte er vom Zweitligisten zu den Herren 40 des TC Gürzenich-Wald, denn: „Ich will mit dieser Mannschaft Deutscher Meister werden.“ Auch mit 40 Jahren brennt er noch – vor einigen Wochen wurde er im Einzel Deutscher Meister der Herren 40.
Beim „EKP-Cup“ war dagegen in Runde eins mit 2:6 und 4:6 gegen Bastian Hainichen Schluss. Hoffnungen auf einen Turniersieg hatte sich der Linkshänder aber ohnehin nicht gemacht. Seine Karriere begann untypisch in einem Leichtathletik-Verein. Aufgrund von Wachstumsstörungen an der Hüfte durfte er erst ein Jahr keinen Sport machen, musste anschließend noch einmal ein halbes Jahr aussetzen. „Als ich dann wieder anfangen wollte, wollte der Verein erneut eine Aufnahmegebühr haben. Das hat meinen Vater geärgert und die Gebühr beim Tennis war genauso hoch, also bin ich mit ihm zum Tennis gegangen.“ Acht Jahre war er da alt, doch diesen Schritt hat er nie bereut: „Tennis hat tierisch Spaß gemacht, auch, weil ich schon früh relativ erfolgreich war. Und von da an ging es stetig weiter vorwärts.“
Kaum in der Kaserne
Mit 18 Jahren wurde er Deutscher Jugendmeister, machte sein Abitur und ging zur Bundeswehr. „Da hatte ich Glück, da ich in die Sportförderakademie gekommen bin. So konnte ich weiter spielen und war in dem einen Jahr Wehrdienst vielleicht fünf Tage in der Kaserne“, erinnert sich Braasch lächelnd.
Seit 22 Jahren ist der gebürtige Marler mit Freundin Nicola zusammen und da die gelernte Reiseverkehrskauffrau nach der Ausbildung unbedingt am Düsseldorfer Flughafen arbeiten wollte, zogen beide in die Landeshauptstadt. Als dann Tennis-Kumpel Christian Schäffkes seine Wohnung in Ratingen räumte, um in Köln zu studieren, zog Braasch mit seiner Freundin dort ein. Nun sind beide seit elf Jahren Ratinger. „Ich kann alles zu Fuß erreichen, habe meinen Stamm-Metzger oder meine Stamm-Kneipe hier. Man wird überall freundlich empfangen. Es ist schön und gemütlich in Ratingen.“
Und das passt zu dem gemütlich entspannten Karsten Braasch mit seiner sympathischen ruhigen Art bestens.
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