Junggebliebene Kurvenstars
VON GEORG AMEND - zuletzt aktualisiert: 24.12.2008Walter Schmidt und Heinz Strunk flitzen über das Eis – dabei sind beide gerade 90 Jahre alt geworden. In Riga begann Schmidt mit dem Eislaufen. Strunk brachte seinen ganzen „Clan“ bis hin zu den Urenkeln aufs Eis.
Walter Schmidt fährt vom Eis: „Normalerweise komme ich sonntags, wenn hier nicht so viele junge Leute sind. Das ist echt ein Problem, wenn die jungen Damen glauben, man hätte nichts mehr drauf und man denen dann noch was vormachen kann“, lacht der topfitte Rentner, der am 31. August 90 Jahre alt wurde. Etwas jünger ist Heinz Strunk, der am 6. Dezember sein 90. Wiegenfest feierte. Beide verbindet das Eislaufen.
Auf die Frage, ob er eine Pirouette drehen könne, reagiert Walter Schmidt empört: „Ich bin alter Eishockey-Spieler. Ich mache mich doch nicht zum Affen.“ Das Eislaufen bekam der frühere Lehrer in Mettmann und Schulleiter in Gruiten fast schon in die Wiege gelegt: „Ich wurde in Riga geboren (heute Hauptstadt von Lettland, d. Red.). Bei uns war Eislaufen Tradition: Mein Vater ist gelaufen, mein Großvater auch und so weiter.“
So ging auch Schmidt aufs Eis und spielte „Bandy“, eine heute nahezu unbekannte Sportart: „Das wurde auf Schlittschuhen mit einem Lederball, so groß wie eine kleine Apfelsine, auf Handball-Tore gespielt. Dann kamen die Russen mit Eishockey, das war das größte für uns.“ Schmidt selbst spielte in Schul- und Auswahlmannschaften in Riga Eishockey, ehe er 1937 nach Deutschland auswanderte, Slawistik und osteuropäische Geschichte studierte und bis Kriegsbeginn in Magdeburg dozierte.
Nach Ende des Krieges entging er der Gefangenschaft („weil ich fließend russisch sprach“) und wurde Lehrer in Mettmann, wo er noch heute mit Ehefrau Rosemarie lebt, mit der er seit 64 Jahren verheiratet ist. „Ich habe eine Weile mit dem Eislaufen ausgesetzt, es dann aber wieder angefangen. Es ist halt mein Jugendsport“, sagt Schmidt, der nebenbei zweimal wöchentlich in einem Fitness-Studio trainiert.
Auch Heinz Strunk ist abseits des Eises noch aktiv: „Ich bin wohl der älteste Kraftfahrzeug-Meister, der noch in Düsseldorf tätig ist“, lacht der 90-Jährige. „Aber nicht direkt in der Werkstatt. Ich bin Opa für alles. Dann heißt es: Fahr’ mal bitte da hin, hol’ mal das ab und so.“ Früher war er selbständig, baute das KfZ-Geschäft in Düsseldorf auf, das nun Söhne und Enkel übernahmen.
„Ich bin vor 25 Jahren, als die Halle eröffnet wurde, mit meinen Söhnen hierhin gekommen. Und danach mit meinen Enkeln und Urenkeln. Der ganze Strunk-Clan halt. Es hat immer Spaß gemacht und solange ich laufen kann, hoffe ich, diesen Sport hier ausüben zu können“, so Strunk, der im Sommer mit seiner Irmgard die „Eiserne Hochzeit“ für die 65-jährige Ehe feiert. Und dann geht es im nächsten Winter wieder aufs Eis, denn die Kufen halten Strunk und Schmidt fit.
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