Fußball: Klotz auf Tokat sauer
VON THOMAS SCHULZE - zuletzt aktualisiert: 19.03.2007Fußball-Verbandsligist Ratingen 04/19 trotzt dem Tabellendritten Kapellen ein torloses Remis ab
und hält damit zumindest die Kellerkinder auf Distanz.Für die ewigen Nörgler ist der Fall klar: Die Ratinger haben zu Hause wieder kein Tor geschossen und ihr Heimspiel wieder nicht gewonnen; sie stehen nur vier Punkte vor einem Abstiegsplatz.
Die Optimisten sehen das so: Die Mannschaft ist in diesem Jahr zu Hause ungeschlagen und noch ohne Gegentor; sie steht im Mittelfeld auf Platz neun und hat drei Spiele weniger ausgetragen.
So viel zu den Fakten. Pro und Contra ließe sich detailliert fortführen, was das Abwehrverhalten und die Angriffsbemühungen, aber auch was die Leistung eines jeden einzelnen Spielers betrifft. Die Wahrheit dürfte, wie so oft, in der Mitte liegen.
Das betrifft auch die Aussagen der beiden Trainer. Peter Wynhoff, Ex-Profi von Borussia Mönchengladbach, jetzt Trainer des SC Kapellen, sah das Spiel so: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das war das schlechteste Spiel, seit ich Trainer in Kapellen bin. Über die Leistung werden wir Dienstag sprechen. Ratingen hatte in der ersten Halbzeit eine Chance, wir hatten in der zweiten Halbzeit anderthalb.“ Bernd Klotz, Ex-Profi in Stuttgart, Dortmund und Düsseldorf, jetzt Trainer in Ratingen meinte: „Ich freue mich, dass der Peter Wynhoff so richtig unzufrieden ist, denn jede Mannschaft spielt nur so gut, wie es der Gegner zulässt. Uns ist es gelungen, Kapellens Schaltstationen auszuschalten und wir hatten einige Halbchancen, die einer Spitzenmannschaft zum Sieg genügen. Insgesamt aber hat sich meine Mannschaft gesteigert.“
Tatsächlich präsentierten sich die Ratinger im Defensivverhalten deutlich verbessert und sehr kompakt. Auch bei einzelnen Spielern zeigt die Leistungskurve nach oben: Neuzugang Thomas Galewski hat etwas mehr Anbindung und belebte die rechte Seite; Hakan Yalcinkaya arbeitete viel und schaltete Kapellens torgefährlichen Mittelfeldspieler Nico Rittmann aus. Derweil agierte Timo Marner überaus unglücklich, wenngleich von ihm die meiste Gefahr ausgeht.
Nach dem Spiel ärgerte sich Bernd Klotz jedoch weitaus mehr als zuvor. Während die gesamte Mannschaft gemeinsam auslief, stand der in der Schlussphase eingewechselte Suat Tokat schon unter der Dusche. Er war sauer, dass der Coach ihn nicht früher gebracht hatte. Klotz wiederum zeigte für das Verhalten seines Schützlings nicht das geringste Verständnis: „Er hat wochenlang wegen einer Muskelverletzung pausiert und zwei Mal mit der Mannschaft trainiert. Das Risiko, ihn von Beginn an spielen zu lassen, war viel zu groß. Und wenn er meint, er sei der Star und hat es nicht nötig mit der Mannschaft auszulaufen, weil er im Sommer wechselt, so ist das gegenüber den Mitspielern nicht okay.“
Klingt ganz so, als bestünde morgen Gesprächsbedarf, ehe es bereits übermorgen am Flinger Broich wieder um Punkte geht.
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