Eishockey: Letzter Strohhalm Eller
VON THOMAS SCHULZE - zuletzt aktualisiert: 14.01.2012Eishockey (RP). Die Ice Aliens stehen am Scheideweg. Entweder hilft Hauptsponsor Eller Montan dem Verein, dem am Saisonende 100 000 Euro fehlen, oder der Verwaltungsrat wird einen Insolvenzantrag stellen. Da gerät der 5:4-Sieg gegen Königsborn zur Nebensache.
Natürlich gab es gestern Abend nur ein Thema in der Eishalle: die drohende Insolvenz. Die RP hatte exklusiv berichtet, wie es um den Verein wirtschaftlich steht. Gehälter sind nicht gezahlt, Steuern und Sozialabgaben nicht abgeführt worden. Bis zum Saisonende fehlen 100 000 Euro.
Jörg Nierhaus tritt dem Gerücht entgegen, dass bereits ein Insolvenzantrag gestellt worden ist. "Das ist nicht der Fall, weder von uns, noch von anderen", sagt der Vorsitzende des Verwaltungsrates, der seit dem Rücktritt des Vorsitzenden Mike Krüger die Geschäfte führt.
Und er lässt kein gutes Haar an Krüger. "Er hatte weder die Zahlen, noch ein Konzept. Er hat nur erzählt, was er machen will. Er hatte von nix Ahnung", attackiert Nierhaus den Ex-Vorsitzenden.
Jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch. "Die Situation ist erschütternd", sagt Nierhaus. "Das hätte ich nicht in den schlimmsten Träumen erwartet." Es bleibt nichts, als die Hoffnung auf Hilfe durch den Hauptsponsor Eller Montan. "In der kommenden Woche wird es ein Gespräch geben", sagt Nierhaus. "Das ist die einzige Chance, die wir haben. Das ist der kleine Strohhalm, an den wir uns klammern." Würden dort keine gemeinsamen Perspektiven entwickelt, bliebe nur der Gang zum Amtsgericht.
Den Spielern hat Nierhaus die Situation am Dienstag erläutert. "Es war das erste Mal, dass offen und ehrlich mit ihnen gesprochen wurde", kann er sich einen weiteren Seitenhieb gegen Krüger nicht verkneifen. "Und ich war gespannt, wie viele Donnerstag noch zum Training kommen, und war überrascht – alle waren da. Die Mannschaft hat Charakter. Sie haben die Situation akzeptiert und gesagt: Okay, dann bekommen wir eben das Geld vom Arbeitsamt." Eine Sicht, die nun wahrlich nicht jeder teilen muss.
Dass gegen die Königsborn Bulldogs die Ränge nur spärlich besetzte sein würden, war schon vor der Saison klar. Und da die Umstände nicht gerade förderlich waren, verloren sich gestern 313 Unentwegte. Die Fans sangen zwar laut, doch die Mannschaft wirkte im Anfangsdrittel lethargisch. Die besten Möglichkeiten durch Hendle und Tegkaev wurden jedoch nicht genutzt und kurz vor der Pause gerieten die Gastgeber in Rückstand.
Im Mittelabschnitt wurden die Aliens etwas lebendiger. Dabei zahlte es sich aus, dass Trainer Larry Suarez den Kanadier Lance Monych von der ersten in die dritte Reihe stellte. Der neu formierte Sturm erzielte alle drei Tore. Doch weil die Aliens nicht konzentriert und bissig waren, kassierten sie noch zweimal den Ausgleich. So bekamen die Zuschauer in dem schwachen Spiel wenigstens ein paar Tore zu sehen.
Die Vorentscheidung zu ihren Gunsten verpassten die Gäste, als sie mit drei gegen eins auf das Ratinger Tor zufuhren. In der 52. Minute klingelte es dann auf der anderen Seite. Philip Hendle nutzte ein Überzahlspiel zur erneuten Führung. Sören Hauptig erhöhte auf 5:3, doch prompt fiel der Anschlusstreffer. So mussten die Aliens am Ende in Unterzahl noch einmal zittern. Sie haben sich den Sieg selber schwer gemacht.
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