Snooker: Münstermanns Mitte
VON GEORG AMEND - zuletzt aktualisiert: 29.11.2007Der Snooker-Spieler kehrte vorgestern von der Amateur-Weltmeisterschaft in Thailand zurück und gewährt einen Einblick in sein Heim mitten in der Ratinger Innenstadt, das er mit Freundin Janine teilt. Die Karriere des 28-Jährigen hatte aber einen tragischen Höhepunkt.
Lasse Münstermann entspannt sich. Leise Musik erklingt im Hintergrund, die hellgrün gestrichene Wand übt eine beruhigende Wirkung aus, während der 28-Jährige in einem Buch blättert. Nicht in einem spannenden Roman diesmal, sondern in einem Fachbuch über Balkongestaltung und -beflanzung. „Meine Freundin Janine hat eigentlich den Grünen Daumen, aber ich bin da mit reingewachsen. Früher wusste ich nicht, wie man Orchideen behandelt ohne dass die vertrocknen. Jetzt haben wir schon acht Stück in der Wohnung stehen“, sagt Münstermann, der hinzufügt: „Mittlerweile brauche ich auch einfach einen grünen Balkon und Pflanzen, um mich wohlzufühlen.“
Stärker durch Tragödie
Entspannung hat Lasse Münstermann derzeit auch nötig: Erst vorgestern kehrte er aus Thailand zurück, wo er in Korat an den Amateur-Weltmeisterschaften im Snooker teilnahm. Am 6. November ging der Flieger, zehn Stunden nach Bangkok, von dort noch drei Stunden mit dem Bus nach Korat, der Zeitunterschied beträgt sechs Stunden nach vorn. Akribisch hatte sich Münstermann auf das Turnier vorbereitet und vor allem seinen Willen gestärkt: „Du musst da mit dem Gedanken hinfahren, dass du gewinnst, sonst zittert dir in entscheidenden Spielen plötzlich die Hand und du verlierst.“
Einen schweren Verlust erlitt Münstermann mit 16 Jahren, als sein Vater starb, der ihn erst zum Snooker gebracht hatte: „Als ich elf war, habe ich im Urlaub in Dänemark mit meinem Vater Kegelbillard gespielt. Danach habe ich fast ununterbrochen Snooker gespielt. Ich war als Kind ein wenig hyperaktiv, aber Snooker hat mich mit der Faszination so gefesselt, dass ich mich besser konzentrieren konnte.“ Sein Vater trainierte ihn, dann kam das einschneidende Erlebnis, aber Münstermann meint: „Das hat mich noch stärker gemacht. Es war immer so, dass ich eine Tragödie brauchte, um Erfolg zu haben.“
Am Aus im Achtelfinale der WM gegen den 17-jährigen Chinesen Li Hang hat er noch zu knabbern: „Ich habe lange Bälle liegen gelassen, von denen man bei 100 Stück vielleicht fünf trifft. Er hat vier von vier getroffen. Das fand’ ich schon recht fies, aber er hat so verdient gewonnen.“ So hatte Münstermann, der bis zum Finale vergangenen Sonntag gebucht hatte, ein paar Tage frei, um Thailand zu erkunden. Aber: „Ich brauche dann so eine Woche, um mich zu erholen.“ Wer dabei bestimmt helfen kann, ist Freundin Janine, die er heute vom Flughafen abholt, nachdem sie ein dreimonatiges Auslandssemester in Finnland absolviert hat.
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