Fußball: Rossows Ausraster
VON THOMAS SCHULZE - zuletzt aktualisiert: 20.11.2006Fußball-Verbandsligist Ratingen 04/19 war auf dem besten Wege, seine imponierende Auswärtsserie fortzusetzen, als Dennis Rossow seinen Gegenspieler übel beleidigte. In Unterzahl verloren die Gäste in Rhede mit 1:3.
Dennis Rossow wusste, was er seiner Mannschaft eingebrockt hatte. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff entschuldigte er sich bei seinen Mitspielern in der Kabine. Der 24 Jahre alte Verteidiger hatte sich nämlich in der 35. Minute eine ungeheuerliche Disziplinlosigkeit erlaubt, die vom guten Schiedsrichter Volkan mit Platzverweis geahndet wurde. Die üble Beleidigung seines Gegenspielers erklärte Rossow mit Fouls und ständigem Zerren am Trikot. „Das darf einem so erfahrenen Spieler wie Rossow nicht passieren“, meinte Trainer Dietmar Grabotin. „Rossow hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“
Bis dahin sah es nämlich so aus, als könnten die arg dezimierten Ratinger ihren nächsten Coup auf fremdem Platz feiern. 1:0 führten die Gäste – ohne Datki, Marner (beide verletzt), Hangert (krank), Köpke (beruflich verhindert), Benzinger und Labiadh (beide gesperrt), aber mit den angeschlagenen Marotta, Kusel und Schäfer – durch einen Kopfball von Hakan Yalcinkaya nach einem Freistoß von Tokat. „Hätten wir den Vorsprung mit in die Pause genommen, glaube ich nicht, dass wir verloren hätten“, meinte Trainer Grabotin. Verständlich, denn drei individuelle Fehler führten zu den Gegentoren. Sekunden vor der Pause leistete sich Najim Ihadian einen Ballverlust in der gegnerischen Hälfte – sein Gegenspieler Lars Katemann erzielte zu diesem psychologisch ungünstigen Moment den Ausgleich. Nach der Pause spielten die Ratinger in unterzahl sogar noch besser als vor dem Wechsel. Zweimal mussten die Gastgeber bei Chancen von Suat Tokat auf der Linie klären. Die Gäste waren bei ihren Kontern gefährlicher als der VfL, der von seinen Fans lautstark nach vorne gepeitscht wurde. Erst als Patrick Fiedorra bei einer Flanke über den Ball schlug, nutzte Torjäger Tim Elsinghorst die Chance, um seine Mannschaft in Führung zu bringen. Drei Minuten vor Schluss bedankte sich der eingewechselte Schild nach einem schwachen Abschlag von Marko Wronischewskiy mit dem 3:1.
Die Ratinger boten kämpferisch erneut eine gute Leistung, leisteten viel Laufarbeit auf dem tiefen Rasen. Tobias Lindner war ein zuverlässiger, sicherer Schlussmann und zeichnete sich bei einem Kopfball von Elsinghorst aus. Gino Marotta, der operiert werden muss, und Tim Kamp blieben in der Spitze blass und blieben zur Halbzeit in der Kabine. Auch die Wechselt taten der Mannschaft gut.
„Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen“, meinte Trainer Dietmar Grabotin. „Wir sind mit dem letzten Aufgebot angetreten und haben uns so teuer wie möglich verkauft. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Am Ende sah man, dass in den entscheidenden Szenen Kraft und Konzentration fehlten. Das ist aber kein Wunder, wenn mit Kusel, Schäfer und Marotta Spieler auflaufen müssen, die die ganze Woche nicht trainieren konnten.“ Sauer war der Coach nur auf Rossow.
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