Eishockey: "Wir sind keine Abzocker"
VON THOMAS SCHULZE - zuletzt aktualisiert: 03.02.2012Eishockey (RP). Die Spieler werfen der Vereinsführung Versagen vor und wehren sich gegen den Vorwurf der Söldnermentalität. Heute kommen die Frankfurter Löwen. Sie müssen gewinnen, sonst platzt ihr Traum vom vierten Platz.
Die Aliens sind in dieser Saison wahrlich nicht vom Glück verfolgt. Der kanadische Torjäger Lance Monych fiel mit einen Sehnenriss mehrere Wochen aus, der zweite Ausländer Konstantin Firsanov bestritt nur eine handvoll Spiele, erlitt einen komplizierten Fingerbruch – für ihn ist die Saison zu Ende. Zuletzt fehlten mehr als ein halbes Dutzend Spieler verletzungsbedingt. Dass ausbleibende Zahlungen für den Heilungsprozess nicht förderlich sind, ist eine Spekulation. Dass die Spieler wenig begeisternde Leistungen bringen, jedoch kaum von der Hand zu weisen. 0:7 lagen sie nach einer Halben Stunde gegen Bad Nauheim zurück (Endstand 3:10), in Unna nach 76 Sekunden mit 0:2, nach einer Viertelstunde mit 0:4 (4:7).
Aber die Spieler sind jetzt in die Offensive gegangen und wehren sich gegen das Bild von geldgeilen Abzockern. Andre Oesterreich hat als erster seinem Unmut Luft gemacht. Er bezeichnet es als "Riesen-Frechheit" zu unterstellen, "wir wären nur verletzt, weil wir kein Geld bekommen". Der 27 Jahre alte Student verweist darauf, dass alle "Verletzten schon vor den ausgesprochenen Kündigungen verletzt" waren. Und den Verein habe er auf Wunsch des damaligen Vorstands verlassen. "Ich lasse mich hier nicht gerne als Söldner darstellen und erst recht nicht als Simulant oder als Abzocker!"
Dass in dieser Saison vieles schief gelaufen ist, davon wissen plötzlich die Spieler ein Lied zu singen. Willi Gross soll zu Saisonbeginn bei einer älteren Dame im Wohnzimmer auf einer Matratze geschlafen haben, Andrej Kiselev bei seinem Mitspieler Shahab Aminikia Unterschlupf gefunden haben, am Sonntag in Unna nach dem Spiel nichts zu essen gegeben haben.
Der Vorsitzende Kay Adam ist verärgert über diese Darstellung. "Ich könnte zu jedem einzelnen Punkt etwas sagen und noch einiges mehr. Ich halte aber nichts davon, über Halbwahrheiten in der Öffentlichkeit zu streiten", sagt er. "Nur soviel: Geld für Essen war und ist immer da. Davon abgesehen wollen wir die Saison jetzt halbwegs mit Anstand und in Ruhe zu Ende bringen."
Inzwischen hat auch Kapitän Christian Kohmann sich zu Wort gemeldet. Er griff zum Telefon, um den Medien seine Sicht der Dinge zu erklären: "Wir werden auch die restlichen Spiele austragen, auch wenn das fast unter Amateurbedingungen ist." Allerdings ist der Blondschopf nicht mehr dabei, denn er hat sich bis zum 29. Februar krank gemeldet.
Zudem sind seine Worte ein Indiz dafür, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht übereinstimmen, denn selbstverständlich wird in Ratingen unter Amateurbedingungen gespielt. Die Profis spielen in der DEL, Amateure in der Oberliga und Hobbyspieler in den Klassen darunter. Profis sind demnach Spieler, die vom Eishockey leben; Amateure solche, die eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten; Hobbyspieler, die ausschließlich aus Spaß Sport treiben.
Heute kommt mit den Frankfurter Löwen ein Team, das eigentlich wieder schnellstmöglich in den Profibereich zurückkehren will. Erster Schritt dort hin wäre der vierte Platz nach Abschluss der Endrunde. An der Tabelle ist unschwer abzulesen, dass sich die Hessen somit in Ratingen keinen Ausrutscher leisten können. Eine Niederlage bei den Aliens würde den Traum vom Aufstieg frühzeitig platzen lassen.
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