Zwischen Himmel und Hölle
VON THOMAS SCHULZE - zuletzt aktualisiert: 07.04.2008Bei keinem anderen Spieler liegen Freud und Leid so nah beieinander wie bei einem Torhüter.
In Hönnepel wurde Ihsan Yilmaz als Held gefeiert, gegen Solingen war er der Depp – an seinem 29. Geburtstag.Ihsan Yilmaz duschte, zog sich an und fuhr nach Hause. Was nach der 1:2-Niederlage wie eine Flucht wirkte, war so geplant. Der Torhüter von Ratingen 04/19 wollte noch gemeinsam mit seiner Familie den Tag ausklingen lassen – schließlich hatte er Geburtstag.
Stimmung wollte aber nicht mehr aufkommen. Das zweite Gegentor ging ihm an die Nieren. Ein harmloser Roller des Solingers Udo Wimmershoff war unter seinem Körper durch die Beine hindurch gerutscht. Und alle haben es gesehen, auch seine Famile, die auf der Tribüne saß. „Das war so unangenehm, das wünsche ich keinem“, beschreibt Ihsan Yilmaz sein Gefühl. „Es war einfach beschämend. Und das vor einer doch recht guten Kulisse.“ Vorwürfe wurden ihm nicht gemacht – weder von der Mannschaft noch von den Verwandten. „Aber es gibt auch nichts schön zu reden.“
Bleibt die Frage: Wie kann so etwas passieren? Ihsan Yilmaz ist auf der Suche nach einer Antwort fündig geworden: „Der Ball war zu einfach. Wenn ich eine Rückgabe bekommen hätte, wäre sie fester gekommen. Und deshalb war ich mit den Gedanken schon beim Gegenzug und wollte den Ball schnell nach vorne bringen. Dafür bin ich bitter bestraft worden. Vor allem tut es mir für die Mannschaft sehr leid.“
Torschütze Udo Wimmershoff, der im Mai 2000 mit Ratingen in die Oberliga aufgestiegen war und nach einer Verletzungspause erstmals wieder mitwirken konnte, freute sich über die Schützenhilfe. „Das war ein schönes Comeback“, sagte der Joker. „Dass der Ball da durchgerutscht ist, damit habe ich selber nicht gerechnet.“
Für Ratingens Trainer Bernd Klotz wurde die Partie „durch die Torhüter entschieden. Prostka hat zwei Bälle sensationell gehalten. Es war ein tolles Spiel, aber das Ergebnis ist scheiße.“ Der Coach war angefressen, weil seine Mannschaft für eine starke Stunde nicht belohnt, aber für eine schwache Viertelstunde böse bestraft worden war. Allerdings nicht nur durch den Fehler von Ihsan Yilmaz. In der Abwehr leistete sich Dennis Rossow ein Nickerchen vor dem Ausgleich. Patrick Fiedorra wirkte nicht so stabil und souverän. Hakan Yalcinkaya und Gengo Seta sind außer Form. Daniel Rehag vergab zwei gute Chancen. Und dann drängen sich natürlich die Fragen auf, warum ein solch gefährlicher Stürmer wie Darko Savanovic erst zum zweiten Mal der Startformation angehörte und warum es wieder 70 Minuten dauerte, bis ein zweiter Stürmer auf den Platz kam?
Ein Punkt aus vier Heimspielen des Jahres 2008 – das ist zu wenig, zumal dieser gegen den Absteiger GSV Moers (2:2) geholt wurde. Und dass die Mannschaft in allen sechs Begegnungen des Jahres nie ohne Gegentor blieb, ist sicherlich auch verbesserungswürdig und liegt nicht an den beiden Torhütern.
Bereits am Mittwoch im nachholspiel beim 1. FC Viersen bietet sich die Möglichkeit, die Bilanz aufzupolieren. Da Thomas Scholz noch verletzt ist, wird Ihsan Yilmaz wieder zwischen den Pfosten stehen, der in Hönnepel (1:1) einen Punkt gerettet hatte. Mal der Held, mal der Depp – das scheint das Los der Torhüter. Wiese, Neuer, Miller – davon wissen sie selbst in der Bundesliga ein Lied zu singen.
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