Die RP-Sommertour: Wo die Erft den Rhein begrüßt
VON LUDGER BATEN - zuletzt aktualisiert: 27.07.2009 - 11:04Verschlungene Uferwege und schattige Alleen führen im Rhein-Kreis Neuss zu kulturhistorischen Denkmälern von Rang: Quirinusmünster und Kloster Knechtsteden / Kunst auf Weltniveau bietet die Museumsinsel Hombroich
Gut, dass der Neusser Bahnhof so hässlich ist. Wer mit dem Zug anreist, um die sehenswerten Seiten des waldärmsten Kreises Deutschlands mit dem Rad zu erkunden, der hat gleich zum Start am Neusser Bahnhof schon den ästhetischen Tiefschlag des Tages hinter sich gebracht und wird fortan mit verborgenen Schätzen belohnt.
Zu zwei Drittel führt der durchweg leichte Parcours am Wasser entlang: Nordkanal, Erft und Rhein sind die wegweisenden Begleiter. Zu den wahren Stars dieser Route aber steigen unterwegs die langen, wunderschönen Alleen auf. Wer das Arboretum (Museum für Sträucher und Bäume) im Reuschenberger Busch passiert oder über den Holzweg radelt, der Delhoven mit Dormagen verbindet, sammelt Bilder von mystischer Schönheit - ebenso wie zum Finale auf dem Scheibendamm in Neuss.
Wie Perlen auf einer Schnur, so reihen sich Kulturdenkmäler am Wegesrand aneinander. Nur einen Kilometer vom Start am Neusser Bahnhof entfernt, zieht die mächtige Münsterkirche alle Blicke auf sich. Einer der bedeutenden spätromanischen Bauten im ganzen Rheinland; dessen Grundsteinlegung vor 800 Jahren derzeit gefeiert wird. Einen weiteren romanischen Bau von Rang steuert die Strecke vor den Toren der Stadt Dormagen an: Das im 12. Jahrhundert errichtete Kloster Knechtsteden unterhält heute der Spiritanerorden und beherbergt das angesehene Nobert-Gymnasium.
Einen Stopp lohnen auch das Obertor in Neuss, die Gnadentaler Mühle (Wassersportkanuten!), Gut Selikum, die Motte Kyburg bei Weckhoven oder die Eppinghovener Mühle. Pflicht ist ein Besuch auf der Museumsinsel Hombroich. Dort, in den Erftauen, hat der Düsseldorfer Kunstsammler Karl-Heinrich Müller eine unvergleichliche Symbiose aus Natur, Architektur, Kunst und Ateliers (Anatol) geschaffen. Bevor es auf das letzte Drittel dieser erlebnisreichen Rhein-Kreis-Tour geht, zieht ein Gesamtkunstwerk den Besucher in seinen Bann: die mittelalterliche Zollfeste Zons, das „Rheinische Rothenburg“. Ein Gang durch dieses Kleinod aus dem 13. Jahrhundert bezaubert; ebenso die Märchenspiele auf der Freilichtbühne.
Wer auf seinem Weg in gastliche Häuser einkehrt, der verarbeitet die vielen Impressionen gut. Deftiges im rustikalen Biergarten an der Erft bietet „Am Fusseberg“ im Dorf Helpenstein, im „Klosterhof“ genießen die Gäste das „Knechtstedener Schwarze“ und im Fährhaus „Pitt-Jupp“ im Grind, zwischen Zons und Stürzelberg gelegen, kommt beim Stampfen der Schiffsmotoren Rhein-Romantik auf - Genuss pur!
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum