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In Gerderath zu Hause: Als Lewis Holtby noch ein Borusse war

VON MARIO EMONDS - zuletzt aktualisiert: 21.12.2008 - 12:11

Drei Jahre lang trug Holtby das Trikot mit der Raute. Doch weil er zu dünn und zu langsam war, bekam er in der C-Jugend keinen Stammplatz. Auch wenn er inzwischen für Schalke kickt, ist Holtby regelmäßig am Niederrhein – bei den Heimspielen seines alten Vereins Sparta Gerderath.

Hier ist er zu Hause: Lewis Holtby am Ortseingang von Gerderath, einem Stadtteil von
Erkelenz. Foto: JÜRGEN LAASER
Hier ist er zu Hause: Lewis Holtby am Ortseingang von Gerderath, einem Stadtteil von Erkelenz. Foto: JÜRGEN LAASER

Na klar: Jedes Spiel ist wichtig, und das nächste Spiel ist immer das schwerste – diese ehernen Grundregeln gelten auch für Schalkes Jungstar Lewis Holtby. Dennoch dürfte die Pokalpartie heute im Borussia-Park für den 21-Jährigen kein Spiel wie jedes andere sein. Schließlich war er als D-Jugendlicher 2001 von seinem Heimatverein Sparta Gerderath (bei Erkelenz) zu Borussia Mönchengladbach gewechselt, ehe er drei Jahre später gewogen und buchstäblich für zu leicht befunden wurde.

„Lewis war zwar fußballerisch sehr stark, aber sehr schmächtig und noch nicht schnell und durchsetzungsfähig genug. Daher konnte ich ihm keinen Stammplatz versprechen“, erinnert sich Borussias Jugenddirektor Roland Virkus, damals Holtbys C-Jugendtrainer. Als dann Alemannia Aachen bei Holtby anklopfte und dem 14-Jährigen einen Stammplatz in Aussicht stellte, ließ Borussia ihn ziehen.

Da stürmte er noch für Borussia: Lewis Holtby als (zu kleiner?) C-Jugendlicher bei einem Hallenturnier in Erkelenz. Foto: JÜRGEN LAASER

„Am Ende hatte ich bei Borussia gar nicht mehr gespielt, das war schon hart für mich. Ich war daher froh, dass ich zur Alemannia gehen konnte“, sagt Lewis dazu selbst – und schiebt freilich hinterher: „Ich war damals in der Tat nicht schnell genug, habe erst nach dem Wechsel nach Aachen körperlich richtig zugelegt.“ Daher hege er auch überhaupt keinen Groll: „Ich schätze Roland Virkus doppelt: als Mensch und als Trainer.“

In Aachen legte der Blondschopf, dessen Bruder Joshua übrigens weiterhin bei Borussia spielt (in der U 16), einen rasanten Aufstieg hin: Mit 17 Jahren feierte er sein Debüt bei den Profis, seit 2008 lief er zudem für diverse Nachwuchs- Auswahlteams der Deutschen Nationalmannschaft auf – insgesamt 35 Einsätze mit 15 Toren. Eine besondere Auszeichnung wurde ihm am 9. September 2009 zuteil: Da wurde er als bester Akteur in der Altersklasse U 19 mit der Fritz-Walter- Medaille in Gold geehrt. Ein gutes Jahr später, am 10. November 2010, feierte er beim 0:0 in Schweden schließlich sein Debüt in der A-Nationalmannschaft.

Durchgesetzt: Lewis Holtby gegen den Dortmunder Sebastian Kehl Foto: REUTERS

Das tat er als Akteur des FSV Mainz – seine zweite Station als Ausleihspieler. Denn nachdem Holtby im Sommer 2009 von Aachen nach Schalke zum damaligen Coach Felix Magath gewechselt war, liehen ihn die Königsblauen im Januar 2010 zum Reviernachbarn VfL Bochum aus. Dort musste Holtby die bittere Erfahrung des Abstiegs machen. Danach spielte er eine Saison für den FSV, eher er im Juli dieses Jahres nach Schalke zurückkehrte. 70 Bundesligaspiele mit neun Toren hat Holtby, in dieser Saison bei Coach Huub Stevens wie auch bei seinem Vorgänger Ralf Rangnick als Sechser gesetzt, bislang bestritten.

Trotz der rasanten Karriere: Holtby ist bemerkenswert „normal“ geblieben. Vor allem zeichnet ihn eine ausgeprägte und anhaltende Verbundenheit mit seinem Heimatort Gerderath im Allgemeinen und seinem Heimatverein Sparta im Besonderen aus. Wenn es seine Zeit zulässt, verfolgt er jedes Spiel von Spartas Erster Mannschaft vor Ort, fiebert mit seinen Kumpels dann richtig mit.

Vergangenen Juni schafften diese in einem wahren Herzschlagfinale überraschend den Aufstieg in die Bezirksliga. Dreimal darf geraten werden, wer auf dem Sportplatz in Erkelenz-Katzem da die dicke „Aufstiegstrommel“ schlug – richtig, Lewis Holtby. Sogar die folgende Mannschaftstour nach Mallorca machte der „Gerderather Jung“ mit. Zumindest die ersten Tage. Dann wurde ihm dort der Rummel um seine Person zu viel, flog er vorzeitig zurück – ein deutscher Nationalspieler bleibt im deutschen Urlaubsparadies Nummer eins nun einmal nicht unerkannt …


 
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