Risiken abpuffern: Airbags retten Leben und Kapital
zuletzt aktualisiert: 25.11.2011Im Gegensatz zu Bonuspapieren federn Airbag-Zertifikate Verluste auch bei starken Rückgängen des Basiswertes ab. Eine Schwellenverletzung ist nicht endgültig.
Als standardmäßige Sicherheitsausstattung sind Airbags aus PKWs heute nicht mehr wegzudenken, rettet der moderne Aufprallschutz doch Jahr für Jahr unzähligen Autofahrern das Leben. Eher selten kommen sie dagegen in Finanzprodukten vor, wobei sie allerdings auch hier zu finden sind. Ähnlich wie beim Kraftfahrzeug sorgt diese Ausstattungskomponente dann für ein zusätzliches Maß an Sicherheit.
Aus diesem Grund ist der Kauf sogenannter Airbag-Zertifikate in aller Regel auch mit einem deutlich geringeren Risiko verbunden als ein Direktinvestment in den jeweiligen Basiswert. Und selbst gegenüber den sehr viel bekannteren Bonuszertifikaten weisen die Papiere, die von manchen Emittenten auch als Fallschirm-, Power-Pro- oder Smart-Zertifikate bezeichnet werden, erhebliche Sicherheitsreserven auf. So verfügen Airbag-Zertifikate grundsätzlich über eine Schutzbarriere, die bei Emission der Papiere deutlich unterhalb des aktuellen Kurses des Basiswertes liegt. Notiert der Basiswert bei Fälligkeit oberhalb dieser Schutzschwelle, erhalten Anleger am Laufzeitende mindestens den Ausgabepreis des Derivats (ohne Ausgabeaufschlag) zurückerstattet.
Ein zwischenzeitliches Unterschreiten dieser Marke führt dabei nicht zum Verlust des Kapitalschutzes. "Und genau hierin liegt ein ganz entscheidender Unterschied zu klassischen Bonus-Zertifikaten, bei denen die Schutzfunktion bereits mit der einmaligen Verletzung der Sicherheitsbarriere verloren geht", wie Dominik Auricht vom onemarkets-Team der HypoVereinsbank erläutert.
Aber auch dann, wenn der Basiswert am Laufzeitende unterhalb der definierten Barriere notiert, fallen die Verluste deutlich geringer als bei Bonuspapieren aus. "Die Grundlage für die Ermittlung der Rückzahlung bildet nämlich nicht zwangsläufig das Startniveau des Basispreises, sondern der niedrigere Wert der Sicherheitsschwelle, sofern der Preis des Underlyings bei Fälligkeit unter dieser Grenze liegt", führt der Derivateexperte weiter aus.
Was sich zunächst kompliziert anhört, lässt sich an einem realen Beispiel gut verdeutlichen: Beim Fallschirm-Zertifikat der HVB auf den Euro Stoxx 50 mit einem Basiskurs von 2388 Punkten und Fälligkeit am 21. Dezember 2012 (WKN: HV5AGW) liegt die Sicherheitsschwelle bei 50 Prozent (1194 Punkte). Notiert der Index in rund zwölf Monaten oberhalb dieser Marke, verliert bei einem aktuellen Indexstand von 2289 Punkten also weniger als 47 Prozent an Wert, wird das Papier zu diesem Zeitpunkt zu exakt 100 Euro zurückgezahlt.
Ein hundertprozentiger Kapitalschutz ist bei einem aktuellen Kurs von 100,33 Euro in diesem Fall somit gerade noch knapp gegeben, auch wenn die genannte Marke zwischenzeitlich unterschritten wurde. Sollte das wichtigste europäische Aktienmarktbarometer dagegen bis auf Null fallen, was natürlich eine rein theoretische Überlegung ist, entsteht auch beim Derivat ein Totalausfall.
Dazwischen nimmt der Rückzahlungswert des Fallschirm-Zertifikats einen linearen Verlauf an. Weist der Euro Stoxx 50 bei Fälligkeit des Papiers beispielsweise nur noch 955 Punkte auf, was exakt 40 Prozent des Basiskurses entspricht, beträgt der Rückzahlungswert des Derivats 80 Euro. Ausgehend von der Schutzschwelle notiert der Index dann nämlich 20 Prozent unter dieser, und der Rückzahlungswert des Zertifikats liegt damit ebenfalls 20 Prozent unter dem Ausgabepreis.
Bei steigenden Börsenkursen machen Airbag-Produkte die Entwicklung des Basiswertes in der Regel eins zu eins mit. Manche Papiere vollziehen einen Anstieg des Underlyings sogar überproportional nach.
Oft ist in die Zertifikate allerdings eine Gewinnbegrenzung (Cap) eingebaut. Beim genannten Beispielprodukt liegt diese bei 180 Euro. Daran, dass der Euro Stoxx 50 in den kommenden zwölf Monaten bis auf 4299 Punkte (180 Prozent des Basiskurses) ansteigen wird, glauben aber wohl selbst die größten Optimisten nicht, so dass diese Grenze hier zu vernachlässigen ist.
Bei durchaus attraktiven Renditechancen können Airbag-Zertifikate das Anlagerisiko somit erheblich mindern. Dass sie bei Derivatekäufern dennoch so wenig Beachtung finden, führt Auricht insbesondere auf die fehlende Chance auf eine Seitwärtsrendite zurück. "Dies ist letztendlich der Preis, der für die erhöhte Sicherheitsausstattung von Airbag-Zertifikaten im Vergleich zu Bonuspapieren zu zahlen ist."
MARTIN AHLERS
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