Verwirrendes Angebot: Auswahl wie beim Auto-Markt
zuletzt aktualisiert: 25.11.2011Rund 850 000 Zertifikate, Optionsscheine und weitere Produkte bietet der Derivatemarkt den Anlegern. Verwirrt das nicht – gerade in diesen unsicheren Zeiten? Anlegern beschert die Vielfalt Chancen, so wie beim Autokauf, entgegnen Marktexperten.
Internet-Nutzer dürften sich an der Zahl nicht weiter stören. Sie sind es gewohnt, aus einer Masse von Angeboten das genau für sie passende Produkt herauszufiltern. "Niemand beschwert sich zum Beispiel, dass es vielleicht Millionen Autos im Gebrauchtwagenmarkt gibt", vergleicht Dominik Auricht, Experte für Wertpapier-Anlagelösungen bei HypoVereinsbank onemarkets die Verhältnisse. Autokäufer präzisieren einfach in den Suchmaschinen ihre Anfrage nach Marke, PS, Höchst- und Mindestpreis und vielen anderen Kriterien.
Nichts anderes gilt für die Zertifikatesuche. Anleger filtern in Portalen wie Onvista oder auch bei Banken nach Typ (Discount, Bonus usw.), Laufzeit, Rendite, Sicherheitspuffer – und schon bleibt meist ein überschaubares Spektrum übrig. Die wichtigste Frage ist also eine andere: "Sie muss lauten: Was sind meine Anlageziele?" erklärt Auricht. Wenn der Anleger nicht weiß, was er kaufen will, steht er so hilflos der Zertifikateflut gegenüber wie ein Autokäufer, der keine Vorstellung von seinen Wünschen hat.
Wenn der Anleger also geklärt hat, welches Risiko er tragen will und auf welche Werte er eine dezidierte Marktmeinung hat – dies sind die Grundvoraussetzungen für eine Anlageentscheidung –, dann bietet gerade der Zertifikatemarkt für die aktuell unsicheren Zeiten viele spannende Lösungen bei unterschiedlichsten Märkten und Themen. Hier hat sich HypoVereinsbank onemarkets mit einer umfangreichen Produktpalette hervorgetan. Bei Indexzertifikaten gilt die Bank als Marktführer. Das Zertifikateportal Scoach der Deutschen Börse hat mehr als 3000 dieser Papiere gelistet, die HypoVereinsbank allein hat 607 Produkte herausgebracht. "Wir bieten mit Abstand die größte Palette", betont Auricht. Als einziger Anbieter halte die Bank zudem ein Angebot vor, das "ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Preis- und Performance-Index" ermögliche. So könnten zum Beispiel Anleger, die jetzt nur kurzfristig auf den Dax setzen, ein Papier auf den Preisindex kaufen. Damit hoffen sie primär auf einen Kursanstieg. Längerfristig orientierte Investoren schätzen oft hingegen den Performance-Index, in den auch die Dividenden einfließen. Indexzertifikate bieten zudem die Chance, am Erfolg der Entwicklung von Branchen oder Ländern zu partizipieren. Wer zum Beispiel davon ausgeht, dass die europäischen Telekom-Unternehmen die Investoren mit guten Erträgen und Kurschancen bedenken, kauft ein Performance-Papier auf den entsprechenden Index.
Aktuell sind viele Marktteilnehmer indes eher pessimistisch eingestellt. Auch für sie gibt es Ertragschancen – sie kaufen einfach so genannte Short-Indizes. So entwickelt sich zum Beispiel der Short-Dax genau spiegelbildlich zum Dax, steigt also, wenn der deutsche Leitindex fällt. "Man kann ein entsprechendes Zertifikat auch zur Absicherung des Depots nutzen", beschreibt Auricht eine Einsatzmöglichkeit. Wer etwa langfristig seine Aktien nicht verkaufen, aber kurzfristige Schwankungen ausgleichen will, kann mit Short-Strategien Ruhe ins Depot bringen. Selbst wer mit Aktien nichts zu tun haben will, findet auf dem Zertifikatemarkt Möglichkeiten, mehr als nur Magerzinsen zu erwirtschaften. In Frage kämen hier zum Beispiel zinsähnliche Produkte, die bei geringerer Volatilität als bei einem Aktienmarktengagement mit attraktiven Kupons punkten. Der Markt bietet auch so genannte credit linked notes, bei denen die Rückzahlung an den Emittenten und außerdem an einen Referenzschuldner gekoppelt ist.
Die HypoVereinsbank hat solche Produkte unter dem Namen Crelino im Angebot, zum Beispiel eine Crelino-Anleihe, die an die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank gekoppelt ist, 4,25 Prozent im Jahr an Zinsen bietet und bis 2013 läuft (ISIN: DE000HV5AR91). Ein anderes Papier offeriert als "Sprint Cap Floater" variable Zinsen. Das an die Kreditwürdigkeit der Landesbank Baden Württemberg gebundene Papier wirft bis 2015 dreimal den Dreimonats-Euribor ab, maximal 7,5 Prozent (ISIN: DE000HV5LSR7). "Dieses Papier ist für Anleger gedacht, die von steigenden Zinssätzen ausgehen", erklärt Auricht.
JÜRGEN GROSCHE
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