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Drahtseilakt: Die richtige Balance finden

zuletzt aktualisiert: 25.11.2011

Heftige Schwankungen an den Börsen und eine breite Skepsis gegenüber Staatsanleihen im Euroraum – die Finanzmärkte kommen nicht zur Ruhe. Dabei können Anleger gerade in der Krise mit der richtigen Balance die Weichen für gute Renditen stellen.

Wer den Drahtseilakt, sein Geld sicher anzulegen, meistern möchte, sollte in diesen Zeiten auf eine gute Mischung und damit Balance setzen. Diversifikation sei längerfristig das einzige Mittel zum Schutz des Kapitals, betonen Fondsmanager.  Foto:  istockphoto.com
Wer den Drahtseilakt, sein Geld sicher anzulegen, meistern möchte, sollte in diesen Zeiten auf eine gute Mischung und damit Balance setzen. Diversifikation sei längerfristig das einzige Mittel zum Schutz des Kapitals, betonen Fondsmanager. Foto: istockphoto.com

Wer in der Vergangenheit ruhig schlafen wollte, legte sein Geld in Bundesanleihen an - nach Abzug der Inflation blieb in der Regel immer eine Rendite übrig. Die aktuelle Situation ist für die Bundesbürger indessen völlig neu. Für zehnjährige Bundesanleihen, die im Euroraum derzeit als einer der wenigen sicheren Häfen gelten, gibt es gerade mal 1,8 Prozent Zinsen pro Jahr. Ein schlechtes Geschäft, denn angesichts einer Inflationsrate von rund 2,5 Prozent machen Anleger damit nur Miese. Selbst die beliebteste Anlageform, das Tagesgeld, ändert nichts an der Renditefalle: Auf Tages- und Festgeld gibt es bei Banken mit deutscher Einlagensicherung derzeit kaum mehr als zwei Prozent Zinsen.

Info

Anlageformen

Tagesgeld bleibt die beliebteste Anlageform der Bundesbürger, gefolgt von Investmentfonds und dem Sparbuch. Aber auch Aktien, Anleihen und Zertifikate legen in der Gunst der Anleger wieder zu, so J.P. Morgan Asset Management im aktuellen Investmentbarometer.

Die Berg- und Talfahrt an den Finanzmärkten und die historisch ungewöhnliche Zinslage drückt zudem die Stimmung. Nur noch jeder vierte Bürger rechnet mit einer positiven Börsenentwicklung im nächsten halben Jahr, verzeichnet das Investmentbarometer von J.P. Morgan Asset Management - so angespannt waren die Anleger zuletzt in der Finanzkrise 2008. Ablesen lässt sich das unter anderem am Absatz der Investmentfonds. Reine Aktien- oder Anleihefonds sind derzeit nicht unbedingt erste Wahl. Immer mehr Anleger vertrauen ihr Geld Mischfonds an, insbesondere solchen, bei denen Manager schnell und aktiv eingreifen können. Die Investmentanalysten von Morning-star verzeichneten in den letzten zwölf Monaten europaweit ein Plus von 15 Milliarden Euro bei Mischfonds. Vor allem Fonds, dessen Manager in der Krise Verluste abfedern oder sogar verhindern konnten, sind derzeit Anlegers Lieblinge.

Thorsten Rühl, Manager Deka-Euroland Balanced Foto: istockphoto.com

Einer dieser erfolgreichen Manager ist Thorsten Rühl, der mit seinem Fonds Deka-Euroland Balance (ISIN DE0005896872) seit Jahren eine bemerkenswerte Robustheit erzielt. Der 2003 gestartete, konservative Mischfonds investiert in Wertpapiere aus der Eurozone und schaffte ein jährliches Plus von 4,5 Prozent – nach Kosten!

Anlegern verschafften Rühl und sein Deka-Team zudem ruhige Nächte, denn in dieser Phase verzeichnete sein Fonds allenfalls minimale Einbrüche. "Die Volatilität des Fonds ist langfristig geringer als die einer Rentenanlage", betont der Fondsmanager. "Und das Ergebnis ist in diesem Zeitraum besser als das einer reinen Anlage in Aktien."

Aktien, Anleihen, Geldmarkt – diese drei Anlageklassen darf Thorsten Rühl in seinen Fonds nehmen. Entscheidend sind die Balance dieser Klassen und schnelle Reaktionen auf sich verändernde Märkte. Dafür sorgt unter anderem ein Computersystem, das nach einem bereits 2001 entwickelten, eigenen Trendfolgemodell funktioniert. "Computer sind emotionslos und erkennen oft schneller als Menschen nutzbare Trends", betont Rühl.

Der Erfolg gibt ihm Recht: Im Juli schlugen seine Computer bei Aktien Alarm – Rühl setzte die Aktien auf Null und investierte in Staatsleihen aus dem Euro-Kernland. Während der Gesamtmarkt zweistellig nach unten rauschte, schaffte der Deka-Euroland Balance in den letzten sechs Monaten sogar ein Renditeplus von rund 3,7 Prozent.

"Bei diesem Fondskonzept muss der Autofahrer nicht gleich anhalten, wenn er auf Nebel mit geringer Sichtweite stößt – wir fahren weiter, passen aber die Geschwindigkeit entsprechend an", erklärt der Fondsmanager anschaulich das Fondsprinzip. Das Konzept kam an: Hatte der Euroland Balance Ende 2008 noch ein Volumen von 86 Millionen Euro, so ist er heute fast 1,2 Milliarden Euro schwer.

"Die Zeiten sind gut für defensive Mischfonds", betont Thorsten Rühl. Um Renditen zu erwirtschaften, benötigt der Manager in einer seiner drei Anlageklassen einen eindeutigen Trend. Aktuell steuert er den Fonds mit einem Anteil von 15 Prozent Aktien und 85 Prozent Renten, der Geldmarktanteil ist auf Null gesetzt. Die erfolgreiche Investmentstrategie wird die Deka noch in diesem Jahr mit einem neuen Mischfonds weiter ausbauen, der sich auf deutsche Aktien und Renten konzentriert.

"Diversifikation ist längerfristig das einzige Mittel zum Schutz des Kapitals", betont auch Michael Stegmüller, Vorstand des Unabhängigen Vermögensverwalters Performance IMC. Die Mannheimer haben vor wenigen Wochen ihren eigenen Vermögensverwaltenden Fonds Saphir (WKN HAFX5P) auf den Markt gebracht, der die weltweit unterschiedlichen Anlagestile in allen Asset-Klassen und Regionen kombiniert. Solche Dachfonds-Konzepte eignen sich nach Ansicht von Stegmüller insbesondere für Privatanleger. "Schließlich wird rund 90 Prozent der erwarteten Rendite durch die Portfolio-Strategie bestimmt und nur zehn Prozent durch das Markt-Timing." Aktuell rät er Anlegern dazu, nicht der Herde zu folgen, "nie das zu tun, was alle anderen tun" – heißt hier seine Devise.

Der Vermögensverwalter ist davon überzeugt, dass vernünftige Renditen nur dann möglich sind, wenn ein gewisses Risiko eingegangen wird. Folglich empfiehlt er Aktien von Qualitätsunternehmen mit vernünftigen Dividendenrenditen aus den USA, Schwellenländern und Deutschland und auf der Währungsseite wäre auch der US - Dollar eine aktuelle Empfehlung von Michael Stegmüller. In seinem eigenen Saphir-Fonds hat er diese Strategie umgesetzt und die Quote von Aktien und aktienähnlichen Produkten auf 28 Prozent erhöht. JOSÉ MACIAS

Quelle: RPS