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Kapitalschutzgarantie: Die Scheu des Anlegers vor der Aktie

zuletzt aktualisiert: 25.11.2011

Sie sind in unsicheren Zeiten gefragter denn je – Zertifikate mit Kapitalschutzgarantie. Allerdings sind es vorwiegend Zinsprodukte, die in der Anlegergunst vorne liegen, berichtet die WestLB.

Rundumschutz: In unsicheren Zeiten wollen Anleger keine Risiken eingehen – wie der Torwart im Eishockey. Dabei sollten immer auch Zertifikate mit Aktienbezug beigemischt werden, um eine ordentliche Rendite zu erziehen, empfehlen Experten.  Foto:  Christoph Reichwein
Rundumschutz: In unsicheren Zeiten wollen Anleger keine Risiken eingehen – wie der Torwart im Eishockey. Dabei sollten immer auch Zertifikate mit Aktienbezug beigemischt werden, um eine ordentliche Rendite zu erziehen, empfehlen Experten. Foto: Christoph Reichwein

Es klang wie ein Abgesang. Zum Höhepunkt der Lehman-Krise 2008 prophezeiten einige selbst ernannte Experten den Zertifikaten das Ende. Heute hat der Markt für Zertifikate in Deutschland zwar noch nicht seine alten Höhen erreicht, doch die Anbieter sind dennoch weitestgehend zufrieden. Mehr noch, Frank Haak, Zertifikate-Experte der WestLB, registriert "eine gewisse Treue der Anleger zu Zertifikaten". Denn kaum ein anderes Finanzprodukt lässt sich so schnell auf aktuelle Situationen ausrichten wie Zertifikate. So wundert es nicht, dass gerade die volatilen, unsicheren Märkte der vergangenen Monate der Branche hohe Umsätze bescherten. Gerade die Selbstentscheider unter den Privatanlegern greifen immer häufiger zu strukturierten Wertpapieren, insbesondere dann, wenn die Papiere mit Kapitalschutz-Strategien ausgestattet sind. 43 Prozent dieser Selbstentscheider sind sogar bereit, für eine hohe Rendite ein hohes Risiko einzugehen, ergab jüngst eine Umfrage des Deutschen Derivate-Verbandes.

Die WestLB, Marktführer für Strukturierte Anleihen in Deutschland, berichtet insgesamt von einem stabilen Zertifikate-Geschäft. Hier gibt es traditionell eine enge Zusammenarbeit mit der Sparkassen-Finanzgruppe und damit in erster Linie auf beratungsgestützte Produktangebote. "Der Kapitalschutz steht hier im Vordergrund, insbesondere bei den Zinsprodukten", bestätigt Frank Haak. Der Leiter Zertifikate beobachtet, dass Anleger in erster Linie Zinsprodukte mit Kapitalgarantie wählen – und dabei Aktien und Indizes links liegen lassen. "Das ist schade, denn viele Anleger richten dadurch ihre Strategie zu einseitig aus. Denn wer nur auf Zinsprodukte setzt, verliert de facto – nach Steuern und nach Inflation – Geld", bedauert er.

Haak empfiehlt daher, auch Zertifikate mit Aktienbezug beizumischen, um dafür eine ordentliche Rendite zu erzielen. "Index-Zertifikate mit Teilschutz etwa sind in der aktuellen Marktphase renditeträchtig." Auch Discount-Zertifikate könnten ihre Stärken bei den hohen Volatilitäten ausspielen. "Allerdings sollten sicherheitsorientierte Anleger hier tiefe Barrieren wählen, um gegen unvorhergesehene Abstürze an der Börse gewappnet zu sein." Frank Haak sieht auch bei Fremdwährungen gute Chancen, das sei aber ein Markt, der sich für die Masse der Anleger nicht eigne und viel Wissen verlange.

Gefragt sind bei der WestLB zudem überschaubare Laufzeiten bis zu vier Jahren. Produkte mit einem längeren Anlagehorizont spielen aktuell kaum eine Rolle. Trotz dieser deutlichen Unterschiede bei den Anlegerpräferenzen will das Institut Vollanbieter bleiben. "Wir können die gesamte Breite darstellen und halten es vor dem Hintergrund der Verwurzelung unseres Hauses mit der Sparkassen-Finanzgruppe für wichtig, dass wir dem Berater und seinen Kunden jedes Produkt anbieten können, das gewünscht ist", betont Haak.

Der Zertifikate-Experte erwartet in den nächsten Monaten allerdings auch keine große Veränderung der Marktsituation. "Die Unsicherheit bleibt, solange die Euro-Schuldenkrise nicht beigelegt ist." Demzufolge bleiben auch weiterhin Zertifikate mit einfachen Produktstrukturen erste Wahl. "Komplexe Produkte, wie es sie vor der Lehman-Pleite gegeben hat, sind out."

JOSÉ MACIAS

Quelle: NGZ


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