Express-Zertifikate: Wenn's mal wieder länger dauert
VON MARTIN AHLERS - zuletzt aktualisiert: 25.11.2011Express-Zertifikate kombinieren hohe Renditechancen mit einem attraktiven Sicherheitspolster. Und zur Not lassen sich auch längere Schwächephasen aussitzen.
Wie es in den nächsten Monaten und vielleicht sogar den kommenden ein bis zwei Jahren an der Börse weitergehen wird, ist äußerst ungewiss. Viel hängt davon ab, wie gut es der Politik gelingt, die europäische Schuldenkrise in den Griff zu bekommen, bzw. wann sämtliche Scherben beseitigt sind. Spätestens in einigen Jahren dürften die Sorgen von heute aber (hoffentlich) Schnee von gestern sein und die Aktienmärkte nach möglicherweise heftigen Rückschlägen zumindest das derzeitige Kursniveau wieder erreicht haben.
Dieses Szenario als schlimmsten Fall vorausgesetzt, stellen Express-Zertifikate derzeit eine überaus interessante Anlagemöglichkeit dar. Damit sich mit diesem Derivatetyp eine attraktive Rendite von jährlich neun, zehn oder sogar noch mehr Prozent erzielen lässt, genügt es nämlich bereits, dass der Basiswert bei Endfälligkeit in einigen Jahren nicht unter dem Niveau bei Ausgabe der Papiere notiert. Ein zwischenzeitiges Abtauchen der Kurse ist dabei vollkommen unproblematisch. "Darüber hinaus besteht sogar die Chance auf eine frühere Rückzahlung und damit verbunden eine deutlich schnellere Gewinnrealisierung, wenn das Underlying bereits in kürzerer Zeit positives Terrain erreicht", wie Frank Haak, Leiter des Zertifikategeschäfts bei der WestLB, ergänzt.
Ein reales Beispiel: Das Express Plus-Zertifikat 17/11 der WestLB (WKN: WLZ4MN) auf den Euro Stoxx 50 ist momentan zum Kurs von 98,25 Prozent zu haben. Notiert der wichtigste europäische Aktienindex am ersten Bewertungstag, dem 3. September 2012, auf oder über dem Auszahlungslevel von 2107,27 Indexpunkten, wird das Papier zu 109 Prozent zurückgezahlt. Ist dies nicht der Fall, verlängert sich die Laufzeit automatisch um ein Jahr, bevor es zu einem erneuten Vergleich des genannten Wertes mit dem dann aktuellen Indexstand kommt. Fällt der Vergleich am 2. September 2013 positiv aus, erhalten die Besitzer den ursprünglichen Einsatz von 100 Prozent nebst der Prämie, die nun analog zur Laufzeit allerdings mit zwei multipliziert wird (18 Prozent), zurück. Andernfalls setzt sich das Spiel um eine weitere Periode fort.
Liegt der Basiswert auch am finalen Bewertungstag (2.9.2014) unter 2107,27 Punkten, sorgt zunächst ein Sicherheitspuffer von 50 Prozent dafür, dass zumindest der Nennbetrag von 100 Prozent zurückerstattet wird. Nur wenn der Index unterhalb von 1053,64 Punkten schließt, trägt der Investor die in der Zwischenzeit eingetretenen Verluste.
Zusätzlich, und dafür steht in diesem Fall das "Plus" im Namen, erhalten Besitzer der Papiere eine jährliche Verzinsung in Höhe von drei Prozent, sofern der Euro Stoxx 50 am jeweiligen Bewertungstag unter dem Auszahlungslevel bzw. am finalen Bewertungstag zwischen der Sicherheitsbarriere und dem Auszahlungslevel notiert. "An Express-Zertifikaten schätzen Anleger insbesondere die attraktiven, klar definierten Renditechancen", sagt Haak. "Hinzu kommt natürlich der komfortable Puffer am Laufzeitende, der für ein hohes Maß an Sicherheit sorgt."
Gleichzeitig räumt der Derivateexperte allerdings auch die Erklärungsbedürftigkeit der Produkte ein. Sie werden deshalb zu einem großen Teil über Sparkassen- und Bankfilialen vertrieben und weniger direkt über die Börse gehandelt, wobei natürlich auch dies jederzeit möglich ist. Da es inzwischen unzählige Varianten gibt, sind die Ausstattungsmerkmale bei einem Kauf ohne kompetente Beratung dann allerdings genau zu studieren.
Neben dem Euro Stoxx 50 als dominierenden Basiswert bieten verschiedene Emittenten auch Express-Zertifikate auf einzelne Aktien an. Bei der WGZ Bank (www.wgz-zertifikate.de), vom Volumen her die Nummer drei bei Express-Zertifikaten, sind dies beispielsweise die Allianz, Daimler, die Deutsche Bank, Siemens, ThyssenKrupp sowie die beiden großen Versorger RWE und E.ON.
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