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Branchenwachstum ungebrochen: Franchise gewinnt weiter an Boden

zuletzt aktualisiert: 23.09.2011

Die deutsche Franchise-Wirtschaft präsentiert sich auf der Essener START-Messe in Bestlaune. Das Wachstum der Branche ist weiterhin ungebrochen, doch es mangelt an geeigneten Franchisenehmern.

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Als die ersten Franchise-Systeme aus den USA nach Europa schwappten, wurden sie hierzulande zunächst mit Argwohn betrachtet.

Das Vertriebssystem, mit einem festgelegten Konzept zu wachsen, und dabei das Know-how (und das Geld) der Franchisenehmer zu nutzen, war einigen nicht geheuer. Und in der Tat: Nicht alle Franchise-Systeme, die in den Anfangsjahren in Deutschland auf den Markt kamen, waren erfolgreich.

Schlimmer noch: Es gab Systeme, bei denen sich Beobachter des Eindrucks nicht erwehren konnten, dass das Geschäftsmodell darin lag, bezahlende Franchisenehmer zu finden und nicht Waren oder Dienstleistungen abzusetzen. Doch das ist Schnee von gestern, denn die Franchise-Systeme sind erwachsen geworden, haben sich in den europäischen Städten neben Familienunternehmen und Filialisten etabliert. Auf der heute in Essen beginnenden Gründermesse "START" lässt die Branche daher ihre Muskeln spielen – schließlich handelt es sich dabei um die größte Franchise-Veranstaltung in Deutschland.

Info

franchise

Über 463 000 Arbeitnehmer beschäftigen die rund 980 Franchise-Unternehmen in Deutschland.

Die Umsätze der Branche sind im letzten Jahrzehnt kräftig gewachsen von 22 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 55 Milliarden Euro in 2010.

65 500 Franchisenehmer sind aktuell aktiv.

(Angaben: Deutscher Franchise-Verband)

Unter den 980 Franchise-Systemen, die aktuell auf dem deutschen Markt angeboten werden, gibt es auch große Namen, die sich längst etabliert haben. Vorzeige-Franchise-Geber ist McDonald's: Die amerikanische Fast-Food-Kette verstand es wie kein anderer, in den letzten Jahren mit einem ausgeklügelten Franchise-System nachhaltig zu wachsen.

Auch Namen wie Kamps, Backwerk, Schmidt Küchen, Marc O'Polo, Bo Concept oder Mister Minit haben mit ihren Systemen ihre Präsenz deutlich ausbauen können.

Inzwischen haben es die Franchise-Systeme zu ansehnlichen Marktanteilen gebracht. Allein in Nordrhein-Westfalen sind in diesem Jahr über 28 000 Franchise-Partner mit rund 36 000 Betrieben und 182 000 Beschäftigten auf dem Markt, prognostiziert der Branchendienst Forum Franchise und Systeme.

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Die Branche ist auf klarem Wachstumskurs und erwartet an Rhein und Ruhr ein Umsatzwachstum von über zehn Prozent auf 21,3 Milliarden Euro.

"Die Zahlen spiegeln die bundesweite Entwicklung von Franchise wider. 2011 wird das Wachstum weiter anziehen", kündigt der Bonner Unternehmensberater und Chef von Forum Franchise und Systeme, Felix Peckert, an.

Vielen Kunden ist der Unterschied zwischen Filialisten und Franchisenehmer gar nicht präsent. In den Städten treten die Franchisebetriebe ja mit ihrer jeweiligen Marke einheitlich auf.

Doch hinter den Kulissen gibt es erhebliche Unterschiede, die gerade Gründer kennen sollten. Denn Franchise ist nicht für jeden geeignet, der sich selbstständig machen möchte. Im Gegensatz zu Filialbetrieben spielen nämlich Persönlichkeit und Kapital des Franchisenehmers eine große Rolle.

Beispiele für gelungene Franchise-Konzepte auf dem deutschen Markt: Fressnapf, MacDonald's und Marc O'Polo. Foto:

Der Franchisenehmer geht dabei ein unternehmerisches Risiko ein, wenn es sich einem Franchisesystem anschließt. Denn er muss die Vorgaben des Konzepts umsetzen und obendrein das für den Start erforderliche Kapital plus Lizenzgebühren aufbringen. Dafür ist er im Gegensatz zu Filialleitern nicht weisungsgebunden, sucht sich sein Personal und den Standort selbst aus. Für die Franchisegeber liegt der Vorteil des Systems auf der Hand: Sie können schneller als manche Filialisten wachsen, ohne jeden Standort selbst finanzieren zu müssen.

Dies hat dazu geführt, dass die Zahl der Franchisesysteme schnell wächst. Manche sichern sich auch dadurch nachhaltig Marktanteile, indem sie die Vorteile von Filial- und Franchisesystem mischen. "In Zukunft werden vor allem Mischsysteme erfolgreich sein können", prophezeit Peckert. "Nahezu alle Franchise-Systeme weiten daher ihre Expansion auf den Aufbau eigener Filialsysteme aus."

Was international schon seit zwei Jahrzehnten so funktioniert, fasst in Deutschland erst in den letzten fünf bis zehn Jahren unter dem Begriff "Markenfranchise" Fuß. Die Markenfranchise-Systeme bauen darauf, nicht nur einzelne Standorte zu besetzen, sondern insbesondere regionalisiert zu wachsen.

"Wer auch in Zukunft als Franchisegeber eine nachhaltige Rolle am Markt spielen möchte, muss mit seinem Franchisesystem regionale verankerte Filialsysteme mit fünf, zehn oder mehr Standorten vervielfältigen und so ein exponentielles Wachstum ermöglichen können", erläutert Felix Peckert. Zum Nadelöhr wird bei diesen Strategien allerdings die Suche nach den richtigen Partnern. Denn nicht jeder, der sich mit einem Franchisesystem selbstständig machen möchte, eignet sich dafür. Viele Systeme wissen um manche Defizite ihrer Partner und versuchen diese mit Ausbildungs- und Weiterbildungsangeboten auf die Erfolgsspur zu bringen – nicht jedem System gelingt dies.

"In dem erfolgreichen Teil der deutschen Franchise-Wirtschaft werden längst die Unternehmerpersönlichkeiten gesucht, die über eine solide Bonität verfügen", so Peckert. "Sie müssen den Willen und die Fähigkeit haben, Angestellte zu führen und Märkte mit dem Konzept des Franchisegebers zu erobern."

JOSÉ MACIAS

Quelle: NGZ


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