RP-Finanzforum: Mit einem Hauch von Exklusivität
VON JÜRGEN GROSCHE - zuletzt aktualisiert: 11.11.2011Die unabhängigen Finanzspezialisten verfolgen ausgefeilte und individuelle Anlagestrategien. Diese bilden sie immer häufiger in eigenen Fonds ab. Über Chancen und Potenziale diskutierten die Experten beim RP-Finanzforum in München.
Sie gelten als etwas Besonderes, denn die Vermögensverwalter-Fonds weisen die Qualitätsmerkmale von Manufakturen auf: besondere handwerkliche Fähigkeiten, hohe Qualität sowie ein Hauch Exklusivität. Ob es um Aktien, Renten oder Mischformen geht, bei den von Vermögensverwaltern initiierten Fonds ist keine Rücksichtnahme auf etwaige Konzerninteressen erforderlich. Sie können auf veränderte Marktsituationen schnell reagieren, weil sie keine langwierigen Abstimmungen im Hause benötigen.
Die Kunden spüren, dass ihr Vermögensverwalter mit ihnen in einem Boot sitzt, denn er kennt viele seiner Investoren persönlich, er hat meist eigenes Geld in seinen Fonds investiert und wird oft erfolgsabhängig bezahlt. Begibt ein Unabhängiger Vermögensverwalter einen Fonds, dann "schafft er ein Qualitätslabel", sagt Bernhard Glönkler, Novethos Financial Partners. Aufgabe sei es nun, diese "Top-Qualität" im Markt bekannter zu machen.
"Vermögensverwalter sind damit auf dem richtigen Weg", betonte Andreas Brückner (Hauk & Aufhäuser), "viele haben den Weg gewagt, einen Fonds aufgelegt, und damit große Erfolge erzielt." "Ein Vermögensverwalter-Fonds schafft Öffentlichkeit und Transparenz", erklärte Volker Schilling, Greiff Capital Management. Für den Fonds-Initiator sei das "besser als irgendwelche Testate". Der Vermögensverwalter könne seine Leistung nachvollziehbar unter Beweis stellen. "Jeder Vermögensverwalter verfolgt seine eigene Strategie. Der Fonds zeigt, ob und wie sie sich umsetzen lässt."
Das sei schwierig, aber auch erfolgversprechend, meinte Gottfried Urban und verwies auf eines der bekanntesten Beispiele: Die Carmignac-Fonds sind mittlerweile vielen Anlegern ein Begriff. "Es wird hier auch Enttäuschungen geben; manche Produkte werden auch wieder verschwinden, aber der Marktanteil der Vermögensverwalter-Fonds wird zunehmen", prognostizierte Urban.
Den Erfolg machen sich auch andere zunutze. Auch Großbanken legen mittlerweile Fonds auf und kennzeichnen sie als "vermögensverwaltend". "Diese Produkte sind meist nur Benchmark- oder Index-nahe Produkte", meinte Urban. Die Banken könnten Chancen in Nischen nicht nutzen, sondern müssten sich am Markt orientieren. Allerdings würden Banken auch dazu übergehen, Zertifikate auf Vermögensverwalter-Fonds aufzulegen und auf diese Weise von deren Erfolg profitieren.
"Wir stehen in Konkurrenz zur Marketing-Macht der Banken", gab Glönkler zu bedenken. Problem: Unabhängige Vermögensverwalter seien einfach noch zu unbekannt in Deutschland. Viele Anleger setzten sich nicht mit Marktthemen oder Produkten auseinander. Sie würden daher die Alternative nicht wahrnehmen. "Anleger müssen sich aber auch selbst informieren", forderte Schilling. "Banken kopieren die Idee, bringen auch aktive Konzepte – es fehlt eine Standard-Definition."
"Viele wollen sich jetzt an die Erfolgsgeschichte dranhängen", räumte auch Jürgen Rebischke, GSR, ein. Der Vorschlag, Vermögensverwalter-Fonds jetzt in der Öffentlichkeit nach vorne zu bringen, überzeugte ihn jedoch nicht: "Wir sollten nicht noch mehr Wirrwarr in die Diskussion bringen." Eine eigene Definition wäre "nur ein Marketing-Label", zeigte sich Rebischke skeptisch.
Nicht allerdings darüber, dass sich Vermögensverwalter-Fonds von anderen Produkten sichtbar abheben. "Auch Mischfonds können aktiv in Aktien, Renten oder andere Klassen investieren und bis zu 100 Prozent umschichten. Auch Multi-Asset-Fonds gehen in drei, vier und mehr Anlageklassen. Aber hinter den Vermögensverwalter-Fonds stehen Personen, die anders handeln können als klassische Fondsmanager."
"Während die Fondsindustrie vorwiegend mathematische Modelle anwendet und den gesunden Menschenverstand vernachlässigt, setzen Unabhängige Vermögensverwalter genau darauf", ergänzte Schilling, "man kauft bei Vermögensverwalter-Fonds auch die Meinung der Vermögensexperten, die dann in deren Strategie umgesetzt wird."
Auf diese "persönliche Konstanz" legte auch Dr. Ralf Zimmermann, Döttinger/Straubinger Wert. Anleger sollten sich die Performance der Fonds anschauen und fragen: "Wer ist dafür verantwortlich?" Weiteres Kriterium: Hat der Fonds nur einmal die Benchmark geschlagen – oder gelingt ihm dies oft?
Dass sich die Vermögensverwalter-Fonds am Markt noch nicht in dem Maße durchsetzen, wie es ihre Ergebnisse eigentlich erwarten ließen, ist auch für Zimmermann durch die mangelnde Bekanntheit erklärbar, aber auch durch die Macht der Großbanken. Die gehe über den Markt hinaus. "Unsere Branche ist in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Politik nicht präsent. Experten die Politiker beraten oder in Medien auftreten, kommen meist aus Großbanken." Dort würden sie natürlich auch ihre Eigeninteressen vertreten.
Das könnte auch einen Teil der Zurückhaltung bei den Anlegern erklären, die Eberhard Heck, Hauck & Aufhäuser, beobachtete. "Aber auch die deutschen Anleger werden beweglicher. Unser Ansatz ist es daher, zu zeigen, dass es andere als nur die Standard-Lösungen gibt." Dafür reiche das Label "Vermögensverwalter-Fonds" allein nicht aus. "Wir müssen da noch mehr erklären."
Auf eines der wichtigsten Unterscheidungskriterien zu anderen Produkten machte Uwe Bergold, GR Asset Management, aufmerksam: "Anleger sollten prüfen, ob ein Vermögensverwalter eigenes Kapital in seinen Fonds investiert." Damit unterstreiche er, dass er von seiner Strategie überzeugt ist. Weiterer Punkt, auf den Investoren achten sollten: Wie entwickelt sich ein Fonds in Bärenphasen, also wenn es am Markt bergab geht? "In Aufwärtsphasen erzielen viele positive Ergebnisse. Aber in einem strategischen Bärenmarkt, wie wir ihn seit 2000 beobachten, zeigen sich die Vorteile eines aktiven Ansatzes."
Dabei kommt es auch auf das Vertrauen an, das der Anleger zum Vermögensverwalter haben muss. "Die meisten Kunden können und wollen nicht die Strategien im Detail untersuchen", meinte Dieter Robl, Capital-Forum. Die Kunst sei, dass sie dennoch die Vorteile einer Unabhängigen Vermögensverwaltung erkennen und schätzen lernen. Keine einfache Aufgabe – aber eines waren sich die Diskussionsteilnehmer bewusst: Vermögensverwalter-Fonds dienen sehr gut als Instrument, die Qualität der eigenen Arbeit unter Beweis zu stellen.
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