Sightseeing an besonderen Orten: Ausflüge in unterirdische Welten
VON TANJA WALTER - zuletzt aktualisiert: 02.03.2011 - 15:55Es gibt viele Orte, die haben noch nie einen Lichtstrahl gesehen. Sie liegen unter der Erde. In ehemaligen Bunkern, Grotten oder Schächten herrscht eine ungewohnte Stille, fern ab von Menschenmassen, Hektik und Lärm. Wir haben neun von ihnen aufgespürt.
Der atombombensichere Regierungsbunker war einmal das geheimste Bauwerk Deutschlands. Gut versteckt entstand der Bunker in Ahrweiler unter Nachkriegsbundeskanzler Konrad Adenauer. Vergessen sind heute die Zeiten des Kalten Krieges und der Deckname des Ausweichsitzes der Bundesregierung „Rosengarten“ hat nichts weiter als seine ursprüngliche Bedeutung zurück.
Von Legenden umrankte Wirklichkeit
Viele Gerüchte rankten sich lange Jahre um den geheimen Zweitsitz der politischen Führung des Landes: Gemunkelt wurde unter anderem von einer unterirdischen Stadt mit einer Einkaufsstraße. Nicht vorstellbarer Luxus sei dort anzutreffen, Raketenabschussrampen und Landbahnen in unmittelbarer Nähe, hieß es. Zudem war man sich sicher, es führe eine unterirdische Verbindungsstraße direkt zum damaligen Hauptsitz des Parlaments in Bonn. Die ernüchternde Wirklichkeit zeigte sich im Dezember 1997, als das Bundeskabinett beschloss, den „Zweitwohnsitz“ aufzugeben.
Mergelgrotten gibt es außer in Valkenburg auch in Maastricht zu besichtigen. Das dort vorhandene Gängesystem ist noch weitläufiger. Infos dazu findet man unter: www.maastrichtunderground.nl
Hier finden Sie alle Infos zu den Ausflugsvorschlägen in die Unterwelt im Überblick.
Bis dahin wurde der Bunker nur hin und wieder für die Nato-Übung „WINTEX“ genutzt. Das, was 37 Jahre bis zum Auflösungsbeschluss geheim unter der Erde lag, ist heute zum Teil für jedermann zu bestaunen. Rund 200 Meter der Betonfestung in ehemaligen Tunnelanlagen einer vor dem ersten Weltkrieg gebauten Eisenbahnverbindung sind erhalten geblieben, und unter der Obhut des Heimatvereins Alt-Ahrweiler in ein Museum umgewandelt worden.
Platz für 3000 Menschen
Im März 2008 öffnete der Bunker seine atombombensicheren Tore erstmals für die Öffentlichkeit. Über 17 Kilometer erstreckte sich der Bau ursprünglich und beherbergte unglaubliche 936 Schlafräume und 890 Büroräume auf engstem Raum. 3000 Menschen sollten hier im Ernstfall Platz finden. „Im Sanitätstrakt, einem der ehemaligen Krankenhäuser des ehemaligen Regierungsbunkers, hat man die Einrichtung nie modernisiert“, erklärt Heike Hollunder, Leiterin der Dokumentationsstätte Regierungsbunker.
Das lockt dem Besucher heute sicher ein Schmunzeln auf die Lippen: Es offenbart sich dort medizinisches Equipment, das uns einen Schauder über den Rücken jagt. Ein Zahnarztstuhl, der dort steht, inklusive des Behandlungsgeräts aus den 60er Jahren, erinnert eher an Folterwerkzeug als medizinisches Gerät. Mit gekühlten Hochleistungsbohrern der heutige Zeit hat das nicht mehr viel gemeinsam.
Gängelabyrinthe und Skulpturen in Stein gehauen
Ebenfalls ein Relikt aus vergangenen Tagen ist die Fluweelgrot im niederländischen Valkenburg, das nur wenige Autominuten von Aachen entfernt liegt. Auch sie ist von Menschenhand geschaffen: Entstanden durch den Abbau von kalksandhaltigen Mergelsteinen im 11. und 12. Jahrhundert, die als Baumaterial verwendet wurden. Ihren Einsatz fanden die dort abgebauten Steine in der einzigen niederländischen Höhenburg, die gleich über den Grotten liegt.
Wer das Gängelabyrinth unterhalb der Festungsanlage Valkenburg besichtigen möchte, der sollte allerdings seine Jacke nicht vergessen: Im Winter ist es mit konstanten zwölf Grad Celsius zwar wärmer als draußen, doch im Sommer fühlt man sich hier wie im Kühlschrank.
Zufluchtsort für viele Menschen
Es scheint unvorstellbar, was noch unmittelbar nach dem Krieg selbstverständlich war: In den verzweigten Grotten, die mit der Ruine verbunden sind, fand sich die Bevölkerung des Ortes gut zurecht. Dort hatten sie und auch amerikanische Soldaten während des Krieges Zuflucht gefunden und waren verschont geblieben von Bombardements. Heute sind die Eingänge gut verschlossen und wer eine Führung mitgemacht hat, der ist froh, dass er sich nicht alleine einen Weg durch das verzweigte System suchen muss.
Kultur im unterirdischen Raum
Lernen kann man hier nicht nur etwas über die Art und Weise des Mergelabbaus. An den kühlen Wänden sind in den unterschiedlichsten Jahrhunderten Großwandgemälde entstanden. Skulpturen recken sich aus dem Stein. An Fossilien und Muschelschichten aus der unterirdischen Welt sind die natürlichen Gegebenheiten aus dem Zeitraum vor unserer Zeitrechnung zu sehen.
Jedes Jahr zieht dieses Zusammenspiel von Natur und Kultur rund 100.000 Besucher an. Hier finden Sie neun Vorschläge für Ausflüge in unterirdische Welten.
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