Region: Behörden beugen EHEC-Infektionen in der Region vor
zuletzt aktualisiert: 28.05.2011 - 16:10Region (RPO). Vier bestätigte EHEC-Infektionen und sechs Verdachtsfälle – so sieht derzeit die Bilanz in der Region aus. Neue Ansteckungen sind nicht bekannt, regionale Behörden und Institutionen beugen Infektionen vor, indem sie etwa Gurken von Speiseplänen verbannen. Beim Krefelder Fall vermuten die Behörden jedoch keine spanische Gurke hinter der Infektion, sondern ein bestimmtes anderes Lebensmittel, dass der Erkrankte in Krefeld erworben haben soll.
Einem 80-jährigen Mann aus Krefeld, der sich mit EHEC angesteckt hat, ging es auch am Freitag laut örtlichem Gesundheitsamt "den Umständen entsprechend gut". Die Behörde verdächtigt hinter der Infektion ein bestimmtes Lebensmittel, das der Betroffene in Krefeld gekauft haben soll.
Mitarbeiter der Veterinär- und Lebensmittelüberwachung der Stadtverwaltung überprüfen derzeit die Vermutung. Es soll sich bei der mit Bakterien besetzten Ware nach Informationen von Dr. Martin Binder vom Gesundheitsamt nicht um eine spanische Salatgurke handeln. Die Stadt will aus Datenschutzgründen weder Angaben zum Wohnort des 80-Jährigen noch zum gekauften Produkt und zum Verkäufer der Ware machen.
Ebenfalls in einem Krefelder Krankenhaus liegt ein EHEC-Patient aus Kempen. Der Fall des 63-Jährigen sei derzeit klinisch unkompliziert, teilte das Kreisgesundheitsamt Viersen mit. Darüber hinaus gebe es im Kreis Viersen vier EHEC-Verdachtsfälle.
Fälle im Kreis Kleve und im Rheinisch-Bergischen Kreis
Nachdem im Kreis Kleve eine 27 Jahre alte Kleverin an EHEC erkrankt ist, gibt es nun einen zweiten Verdachtsfall. Es handelt sich um einen 35-jährigen Cuxhafener, der sich derzeit in der Kreisstadt aufhält. Am Donnerstag wurde er mit beginnender Niereninsuffizienz (HUS-Symptomatik) ins Klever Krankenhaus eingeliefert. Endgültigen Aufschluss darüber, ob EHEC-Bakterien hierfür die Ursache sind, wird das Labor-Ergebnis zeigen, das noch aussteht. Beide Betroffenen befinden sich auf dem Weg der Besserung.
Am Freitagnachmittag wurde auch der erste EHEC-Fall im Rheinisch-Bergischen Kreis bekannt. Zwei Rösrather haben sich vermutlich in Norddeutschland mit den Durchfallbakterien infiziert und sind erkrankt, teilte das Kreisgesundheitsamt mit. Sie werden in einem Kölner Krankenhaus wegen behandelt, bei einem der beiden Patienten besteht lediglich EHEC-Verdacht. Noch hat er sich jedoch nicht bestätigt.
Behörden und Institutionen beugen vor
Die Kreisverwaltung Heinsberg gab bekannt, dass es im Kreis noch keine EHEC-Fälle gab – so geht es auch dem Rest der Region. Allerdings sind die regionalen Behörden, wie auch die Bürger, in Alarmbereitschaft. Die Stadt Leverkusen fordert etwa von Kantinen und Imbissgeschäften in Leverkusen, derzeit auf spanische Gurken und anderes Gemüse, das üblicherweise roh verzehrt wird, grundsätzlich zu verzichten. Damit gibt die Stadt eine Empfehlung des Umwelt- und Verbraucherministeriums NRW weiter. Zudem sollen spanische Gurken (und wahrscheinlich auch niederländische, d. Red.) nicht mehr verkauft werden.
Ähnliche Maßnahmen finden sich unter anderem in Meerbusch: Der Osterather Betreuungsvereins, der alle Meerbuscher Grundschulen sowie Real- und Förderschule mit Mittagessen versorgt, hat Salat und Obst vom Speisezettel für die Schulkinder gestrichen. "Erst wenn es offiziell wieder grünes Licht von den zuständigen Ministerien gibt, werden wir Rohkost wieder anbieten", sagt Vorsitzender Jürgen Eimer.
"Der Handel hat drastisch weniger Salat, Gurken und Tomaten verkauft", sagte Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW in Bonn unserer Redation in Kempen. "Von unserer eigenen Kantine habe ich gehört, dass es dort vorerst keine Rohkost geben wird." Ähnliche Maßnahmen gibt es auch in Einrichtungen in Xanten.
Bürger seien gelassen
Auch die regional stark vertretene Unternehmensgruppe Kaiser's Tengelmann hat laut eigenen Anagben vorsorglich alle Bio-Gurken aus Spanien aus dem Sortiment genommen. Signifikante Veränderungen im Kaufverhalten seien bisher aber nicht zu beobachten gewesen, teilte das Unternehmen mit. Ähnliches berichteten auch Lebensmitteleinzelhändler unserer Redaktion in Dinslaken.
Das dieses Wochenende stattfindende Gourmetfest in Wesel hat sich gegen die möglcihe Zurückhaltung der Gäste gewappnet – die Aussteller bieten etwa keine Gurken an. "Man spricht drüber, wir geben Auskunft, stellen aber keine große Beunruhigung wegen EHEC fest", schildert Wilhelm Busch (Haus Blumenkamp) etwa die aktuelle Situation im Umgang mit Gästen.
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