Nachtschicht streikt: Bei Daimler stehen die Bänder still
zuletzt aktualisiert: 03.11.2008 - 11:34Mit einem Ausstand von 1100 Beschäftigten der Nachtschicht im Düsseldorfer Daimler-Werk hat die IG Metall am Montag eine Warnstreik-Welle gestartet. Im Laufe des Tages würden in dem Werk zwei weitere Schichten bestreikt. Das teilte der Betriebsratsvorsitzende Thomas Weilbier am Morgen während einer Kundgebung vor dem Werkstor mit.
"Die Stimmung ist gut und von den Schwarzmalereien der Arbeitgeber keineswegs eingeschüchtert", sagte Weilbier. "Die Leute hier haben richtig stramm gearbeitet und wollen jetzt mehr Geld sehen." Dies sei das beste Konjunkturprogramm, fügte der Betriebsratsvorsitzende des Werks hinzu, in dem insgesamt 7500 Arbeiter Mercedes-Transporter der Modellreihe Sprinter herstellen.
Bundesweit erwartet die IG Metall am Montag mehrere zehntausend Warnstreik-Teilnehmer. Arbeitsniederlegungen waren auch bei den Automobilproduzenten VW, Ford und MAN geplant. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung um acht Prozent. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat bislang 2,1 Prozent plus einmalig 0,8 Prozent vorgeschlagen.
"Genug Geld, auch für mehrwöchige Streiks"
Sollte es in der nächsten Zeit keine Einigung geben, könnte es nach Angaben der IG Metall noch im November zu richtigen Streiks kommen. Dafür ist die Gewerkschaft auch finanziell gerüstet, wie die Bezirksleiterin des Bezirks Küste, Jutta Blankau, dem "Hamburger Abendblatt" sagte. "Die IG Metall hat genug Geld, auch für mehrwöchige Streiks. Da gibt es null Probleme", wird sie zitiert. Aber Urabstimmungen und Streiks seien eigentlich nicht das Ziel der Gewerkschaft, betonte sie, sondern zügige Verhandlungen und ein baldiges Ergebnis.
Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge verfügt die IG Metall über Rückstellungen von rund zwei Milliarden Euro. Nach Berechnungen des Tarifexperten Hagen Lesch vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) seien allein seit 1980 knapp 1,4 Milliarden Euro in die Streikkassen geflossen, schrieb die Zeitung.
IG-Metall-Chef Berthold Huber verteidigte in einem Beitrag für die "Tageszeitung" die Forderung der Gewerkschaft nach acht Prozent mehr Entgelt. "Wir müssen die Konjunktur stärken", schrieb er. Dagegen bekräftigte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser das Angebot der Arbeitgeber von 2,1 Prozent plus Einmalzahlungen. "Unvernünftig hohe Lohnsteigerungen zehren die Reserven der Firmen auf, den durch die Bankenkrise verstärkten Abschwung durchzustehen", schrieb er ebenfalls in einem Beitrag für die "Tageszeitung".
Eine erste Warnstreik-Welle hatte es bereits in der Nacht zum Samstag unmittelbar nach dem Ende der Friedenspflicht gegeben: Mehr als 8.000 Beschäftigte in mehreren Bundesländern legten vorübergehend ihre Arbeit nieder.
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