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Streit um Fußballtraining: "Das gehört nicht vor Gericht"

VON REINHOLD MICHELS, MARC PESCH UND WILJO PIEL - zuletzt aktualisiert: 25.11.2009 - 07:55

Streit um Fußballtraining (RPO). Ein Vater ist mit dem Versuch gescheitert, im Fußballklub ein spezielles Training für seinen siebenjährigen Sohn durchsetzen. Das Amtsgericht in Grevenbroich wies die Klage allerdings ab. Der Streitfall hat nun eine Debatte um die Überlastung der Justiz ausgelöst.

Ein Siebenjähriger ist vom Training des SC Kapellen ausgeschlossen worden.  Foto: NGZ
Ein Siebenjähriger ist vom Training des SC Kapellen ausgeschlossen worden. Foto: NGZ

Das Amtsgericht Grevenbroich hat gestern entschieden, dass Eltern nicht bestimmen können, wer ihre Kinder in einem Sportverein trainiert. Der rechtspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Harald Giebels, meinte in einer ersten Reaktion auf den bundesweit einmaligen Klagevorgang, dieser sei eigentlich nicht tragbar, wenn man bedenke, wie sehr die Gerichte belastet seien: "So etwas gehört nicht vor Gericht." Für solche vereinsinternen Angelegenheiten müsste es einen internen Moderator geben, der sich intensiv um einen Konsens bemüht.

Allerdings, so schränkte Giebels ein, sei es wegen der Rechtswege-Garantie des Grundgesetzes schwierig, derartige Streitigkeiten von den Gerichten fernzuhalten: "Wenn die Streitparteien sich absolut nicht einigen können oder wollen, landet die Sache leider beim Richter." Klar sei aber auch, dass die klagenden Eltern im Grevenbroicher Fall ihrem Sprössling einen Tort angetan hätten. Selbst wenn die Kläger beim Amtsgericht gesiegt hätten, wäre für den Jungen im Sportverein nichts gewonnen gewesen. Auch Ulrich Thole, Sprecher am Oberlandesgericht Düsseldorf, sagte, die Justiz könne derartige Fälle nicht ablehnen.

Ausgangspunkt für den kuriosen Rechtsstreit war eine Auseinandersetzung zwischen den Eltern des Jungen und dem Trainer seiner Mannschaft. "Dieser Trainer ist zu ehrgeizig, er arbeitet bereits bei den Bambinis leistungsbezogen", beschwerte sich der Vater des Kindes Leon. Durch diese Methoden habe sein Sohn den Spaß am Training beim SC Kapellen verloren. Deshalb wolle Leon auch nicht mehr am Mannschaftstraining teilnehmen. Er wolle ausschließlich noch das Torwarttraining bei einem anderen Trainer absolvieren. Darüber hinaus witterte die Familie eine "Verschwörung" des Vereins. Man habe Leon nach dem Krach mit dem Trainer im Sommer ausschließen wollen, erst nach gerichtlichen Schritten habe der Klub den Ausschluss zurückgenommen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Richterbundes NRW, Christian Friehoff, betonte, in NRW fehlten 500 Richter und 200 Staatsanwälte; rund zwölf Prozent der Stellen seien nicht besetzt. Auch angesichts dieser Tatsache stelle sich für den Verband der Richter und Staatsanwälte die Frage, ob jedes noch so kleine zwischenmenschliche Problem vor die Schranken der Justiz gehöre.

Andererseits warnte Friehoff davor, dem landläufigen Begriff "Bagatelldelikt" juristische Bedeutung beizumessen. Nur weil eine Sache geringen Streitwert oder für das Gericht und die meisten Bürger wenig Gewicht habe, könne sie im Einzelfall für einen Rechtsuchenden dennoch von großer Bedeutung sein. Friehoff: "Auch manche Trivialbeleidigung, mit der sich die überlastete Justiz befassen muss, tut einem, der deshalb vor Gericht geht, richtig weh." Die Justiz habe die auch in der Verfassung niedergelegte Aufgabe, im Konfliktfall Rechtsfrieden wiederherzustellen. Falls Konfliktparteien eines Rechtsstreites sich nicht einigen könnten bzw. wollten, habe das Gericht oft keine Möglichkeit, zu sagen, für diesen Fall werde kein Termin anberaumt.

Der Sportklub-Vorsitzende, Josef Breuer, sagte: "Wir können uns nicht vorschreiben lassen, wer bei uns ein Torwarttraining zu bekommen hat." Ihm tue es leid, dass der Junge hier der Leidtragende sei: "Aber das haben seine Eltern ihm eingebrockt, nicht wir." Andere Klubmitglieder verstehen nicht, dass Leons Eltern "wegen einer solchen Geschichte vor Gericht" gehen. Die Kosten des Verfahrens - geschätzt 800 Euro – tragen die beim Amtsgericht unterlegenen Eltern.

Die Eltern haben ihre Sicht der Dinge auf einer eigenen Internet-Seite mit dem Titel dastrainingistabgesagt.de zusammengefasst.

Quelle: RP

 
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