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Eindrücke: Ehrengrab für einen Präsidenten - ein Spaziergang

zuletzt aktualisiert: 31.03.2006 - 15:22

Alt-Bundespräsident Johannes Rau wurde auf Berlins bedeutendstem Friedhof begraben. Er ruht Seite an Seite mit großen Dichtern und Denkern. Ein Spaziergang.

Das Grab von Johannes Rau ist leicht zu finden zwischen knorrigen alten Bäumen und Büschen. Hierher ist Elke Schiefelbusch mit ihrem Mann Hans-Werner zu einem Wochenendausflug nach Berlin gekommen. Für das Ehepaar aus Dortmund ist es Ehrensache, sich ein Bild davon zu machen, wo „unser ehemaliger Ministerpräsident“ seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Jetzt blickt Elke Schiefelbusch sich auf dem Friedhof um, auf dem beeindruckende Grabsteine und Mausoleen stehen. Johannes Rau ruht in prominenter Gesellschaft. Die Namensliste des Dorotheenstädtischen Friedhof liest sich wie ein „Wer ist Wer“ der preußischen-deutschen Kulturgeschichte. Der Dichter Bertolt Brecht ist hier beerdigt, ebenso die Schriftsteller Anna Seghers, Heinrich Mann und Arnold Zweig.

Die Reiseführer erwähnen den Dorotheenstädtischen Friedhof einstimmig als den berühmtesten Berlins. Das knapp drei Fußball-Felder große Areal war und ist vielen Touristen einen Abstecher wert. Sie suchen die Ruhestätten der großen Persönlichkeiten: Der Architekt Friedrich Schinkel, der für Berlin und Potsdam Dutzende von Bauwerken entwarf, gehört dazu. Ebenso der Mann, der die Quadriga auf dem Brandenburger Tor geschaffen hat, Johann Gottfried Schadow. Zur Prominenz zählen zudem die Philosophen Hegel und Fichte sowie die Industriellen August Borsig und Ernst Litfaß, Erfinder der gleichnamigen Säule.

Es war der Wunsch von Rau und seiner Familie, dass er auf diesem Friedhof mitten in Berlin beerdigt wird. Das Areal liegt im ehemaligen Ostteil der Stadt und ist eng umbaut. Zwei große Verkehrsadern, die sich an den Friedhofsmauern vorbeischieben, lassen es zwischen den Gräbern rauschen. Ab und zu ertönt ein Martinshorn. Der Liedermacher Wolf Biermann hat die Grabstätte einst besungen. „Da liegt allerhand große Leute /Und liegen auch viel kleine Leute“, dichtete er zur Gitarre. Vor seiner Ausbürgerung wohnte Biermann an der Chausseestraße gleich neben dem Friedhof, heute ist sie eine viel befahrene Verbindung zwischen Ost- in den Westteil der Stadt.

Das Ehepaar Schiefelsbusch erinnert sich an Rau: „Rau konnte toll auf Menschen zugehen“, sagt Hans-Werner Schiefelsbusch. „Er war humorvoll und konnte schöne Anekdoten erzählen.“ Eine der Geschichten, die sie bei einer Begegnung mit Rau gehört haben, erzählen die Eheleute: In Wuppertal, wo der bibelfeste Protestant aufgewachsen ist, habe eine katholische Familie über den Raus gelebt. Die Katholiken hätten am Reformationstag immer demonstrativ geputzt, um die Protestanten zu ärgern. Einen Tag später, an Allerheiligen, habe sich dann Raus Mutter revanchiert. Auf dem Friedhof, auf dem Rau nun ruht, haben die Prostestanten die Oberhand. Gegründet wurde die Grabstätte von zwei protestantischen Gemeinden. Wer vom Haupteingang zum Grab des Alt-Bundespräsidenten läuft, begegnet dem Reformator Martin Luther - in Form eines Standbildes.


 
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