Schüler in NRW: Endspurt zum ersten Zentralabi
VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 12.02.2007 - 16:00Schüler in NRW (RPO). Am 26. März ist es so weit: Die erste Schülergeneration in NRW geht ins Zentralabitur. Die Auswertung der Probeklausuren hat Schwächen in den Aufgabenstellungen offenbart. Das Schulministerium verspricht: Die Schwächen wurden ausgemerzt - die Aufgaben sind nun fair und zu schaffen.
„Kein Horror, aber ein banges Gefühl“ - so beschreibt Gabriela Custodis die Gefühlslage der 60000 Schüler, die sich zurzeit auf das erste Zentralabitur in NRW vorbereiten. Frau Custodis, Vorsitzende der Landeselternschaft Gymnasien, stützt ihre Einschätzung auf eine Umfrage unter den Gymnasien nach der Probeklausur für das Zentralabitur im vergangenen Jahr. Demnach sind die Schüler im Schnitt um einen Notenpunkt (also ein Drittel Note) abgesackt. Jetzt legte auch das Schulministerium seine Bilanz der Probeklausuren vor. Und verspricht: Es wurde nachjustiert - die Aufgaben sind fair, schlüssig und zu schaffen.
Keine Schwierigkeiten mit dem Stoff
Die Landeselternschaft wird es beruhigt zur Kenntnis nehmen. Die Umfrage der Eltern war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Schüler weniger mit dem Stoff als mit den Aufgabenstellungen Probleme hatten. 42 Prozent fühlten sich unzureichend auf die Aufgaben-Typen vorbereitet; 39 Prozent kamen mit den Arbeitsanweisungen nicht zurecht. Die Hälfte der Schüler in den Leistungskursen Mathematik, Biologie und Geschichte empfanden den Zeitrahmen als nicht ausreichend.
50 Prozent fanden zudem die Spielräume für den Bewertungsschlüssel nicht oder nur teilweise ausreichend. Dabei geht es um die Sorge, dass Beiträge, die nicht ins enge Beurteilungsraster passen, gar nicht gewertet werden. Rein stofflich fühlen sich die Schüler im Ganzen gut vorbereitet: 82 Prozent der Befragten bezeichneten „das Anforderungsniveau in den Klausuren als von einem durchschnittlichen Gymnasiasten zu bewältigen“.
Im Schulministerium ist man optimistisch, dass die Abituraufgaben zu schaffen sind - auch dank der Erkenntnisse und Präzisierungen nach den Probeklausuren. Übrigens: Das liegt auch aus politischem Kalkül im Interesse des Ministeriums. Gibt es massenhaft Abstürze, steht sofort der Vorwurf im Raum, die Landesregierung habe das Zentralabitur überstürzt eingeführt - auf Kosten der Schüler. Das wäre ein Fest für die Opposition im Landtag.
Problem: Struktur der Fragen
Auffällige Abstürze gab es vor allem im Fach Biologie, erläutert die zuständige Ministerialrätin Marietrud Schreven. Als Ursache haben ihre Fachleute im Ministerium die Struktur der Aufgaben ausgemacht: Erst kam der schwerere, dann der leichtere Teil, der auch noch auf dem ersten aufbaute. „Beides ist falsch“, so Schreven. Die Abitur-Aufgaben wurden daraufhin von den Aufgaben-Kommisionen im Ministerium (besetzt vor allem mit Lehrern) überprüft und gegebenenfalls überarbeitet - nach dem Prinzip: erst das Leichte, dann das Schwere.
Nachgebessert wurde auch bei den Analyse-Aufgaben: Die Angaben, welche Analyse-Punkte abzuarbeiten sind, wurden verfeinert. Zum Thema Bewertung versichert die Ministerialrätin, dass den Lehrern trotz detaillierter Kriterien-Kataloge genug Spielraum für Besonderheiten bleibt. Wenn ein Schüler bei einer Gedicht-Interpretation plausible Thesen entwickelt, die das Bewertungsraster nicht abdeckt, dann kann der Lehrer Punkte nach einem „freien Kriterium“ vergeben - immerhin zehn Prozent der Gesamtheit an Punkten. Die Lehrer, berichtet Schreven, haben diese Möglichkeiten bei den Probeklasuren bei weitem nicht ausgeschöpft. Nur in 45 Prozent der Fälle wurde jenes freie Kriterium genutzt.
Generell war die Lehrerschaft nach Einschätzung des Ministeriums bei den Probeklausuren zurückhaltend in der Punktvergabe. Im Leistungs-Mittelfeld habe sich nicht viel geändert; wohl aber seien die schwächeren und die sehr guten Schüler etwas abgefallen - was auch auf „eine alte Lehrerkrankheit“ zurückzuführen sei, so Marietrud Schreven schmunzelnd. Ehe jemand eine Eins gibt, driftet er zur Zwei plus.
Nun ja, das Abitur - die erste Klausur ist am 26. März - bietet die Gelegenheit, diese Krankheit zu heilen. Die Schüler würden einen solchen Heilungsprozess sicher begrüßen.
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