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Kopien können teuer werden: Gema-Gebühr für Martinslieder

VON STEFAN BARTELS UND DIETER DORMANN - zuletzt aktualisiert: 10.11.2010 - 09:25

Kopien können teuer werden (RPO). Wenn Kindergärten zu Laternenfesten im November, zur Adventsfeier oder zu Ostern Kopien von urheberrechtlich geschützten Liedtexten und Noten an Eltern und Kinder verteilen, müssen sie Lizenzgebühren bezahlen. Angesichts ihrer Finanznot haben viele Träger dafür kein Verständnis.

Beim Martinssingen können Gema-Gebühren für Kopien von Liedtexten anfallen.  Foto: RP, Stade
Beim Martinssingen können Gema-Gebühren für Kopien von Liedtexten anfallen. Foto: RP, Stade

Beim Laternenfest in der Monheimer Awo-Kindertagesstätte singen die 73 Kinder der zwei U-3-Gruppen und der zwei Gruppen, in denen die Kleinen zwischen drei und sechs Jahren betreut werden, gemeinsam mit ihren Eltern normalerweise stimmgewaltig und gut verständlich Martinslieder mit.

In diesem Jahr ging’s ein wenig leiser zu. Mancher Vater oder manche Mutter konnte nur den Refrain und summte oder nuschelte die Strophentexte nur vor sich hin. Sie konnten die Texte nicht üben, da die Kita in diesem Jahr vor dem Laternenfest keine Kopien der Liedtexte und Noten verteilen durften.

Nicht nur in Monheim, sondern in allen Kindergärten der Awo Niederrhein muss in diesem Jahr auf die Ausgabe von Kopien verzichtet werden. Der Grund: Anfang des Jahres hatte die Rechteverwertungsgesellschaft Gema im Auftrag der Verwertungsgesellschaft Musikedition die Kindergärten informiert, dass für Kopien urheberrechtlich geschützter Lieder Lizenzgebühren zu zahlen sind. Die Höhe der fälligen Zahlungen richtet sich nach der Zahl der jährlich gemachten Kopien. Bis zu 500 Kopien kosten 56, 20.000 schon 2224 Euro.

Die Awo versuchte auf Bundesebene, eine zentrale, für die einzelnen Kitas günstigere Vereinbarung mit den Rechteverwertern zu erreichen - bislang ohne Erfolg. „Angesichts knapper Ressourcen sehe ich nicht ein, dass wir zusätzliche Gebühren für die Vervielfältigung von Martinsliedern oder von Songs wie ’Weihnachtsbäckerei’ bezahlen“, meint Jürgen Otto von der Awo Niederrhein.

Die Awo empfahl deshalb den Kitas, keine Kopien mehr zu erstellen. „Allerdings haben wir den Eltern Tipps gegeben, wo sie die Texte und Noten im Internet finden und herunterladen können“, sagt Jürgen Otto. Katholische Träger haben sich ebenso um Pauschalverträge für alle Kitas bemüht - bislang ohne positives Ergebnis.

Die Gema hat nach eigener Angabe etwa 36.000 Kindergärten in Deutschland über die Gebührenzahlungspflicht für die Kopien informiert. Bislang haben nach Angaben des Geschäftsführers der Verwertungsgesellschaft Musikedition, Christian Krauß, etwa 3500 Kindertagesstätten einen Vertrag abgeschlossen. „Dafür, dass wir erst am Beginn des Jahres begonnen haben, finde ich das ganz ordentlich“, meint Christian Krauß. Zudem müsse nicht jede Kita einen Vertrag abschließen, sondern nur diejenigen, die Kopien von urheberrechtlich geschützten Liedtexten oder Noten machen wollen. Einen Anlass für Kontrollen gebe es nicht. Die Zahlung einer Vergütung für das Kopieren von Noten und Liedern sei eine kleine Kompensation für nicht verkaufte Druckausgaben und sichere somit auch in Zukunft die Publikation neuer Kinderlieder.

Da Pauschalverträge derzeit noch nicht zustande gekommen sind, suchen viele Träger derzeit nach eigenen Lösungen. Die 30 katholischen Kindertageseinrichtungen in Bocholt, Rhede und Isselburg kopieren weiterhin Texte und Noten - ohne Vertrag. „Wir werden einen abschließen, warten aber noch ab, ob über das Generalvikariat ein günstigerer Sammeltarif möglich ist“, erklärt Bernd Theling von der Zentralrendantur Bocholt.

Die von einer Elterninitiative getragene Kindertagesstätte „DreiKäseHoch“ in Düsseldorf (60 Kinder) zahlt die Gebühren bereits „zähneknirschend“. Man wolle lieber „diese Kröte schlucken“, als rechtliche Probleme zu bekommen, sagt die Leiterin Raffaela Austel. Die Kosten für die Gebühren müssten jedoch an anderer Stelle eingespart werden. Die Stadt Mönchengladbach will für alle ihre 36 Kindertagesstätten einen Pauschaltarif mit der Gema aushandeln. Sprecher Dirk Rütten: „Solange das nicht geregelt ist, haben unsere Erzieher die Anweisung, keine urheberrechtlich geschützten Texte zu kopieren.“

Hilde Joswig vom katholischen Kindergarten Pantaleon in Xanten hat das Gema-Problem auf ihre eigene Art gelöst. Wenn sich in dem Kindergarten heute Eltern und Kinder zum St-Martins-Singen treffen, gibt es Kopien der Liedtexte. „Nach der Feier sammele ich die Kopien einfach wieder ein“, sagte die Leiterin des Kindergartens. „Damit sind wir - hoffentlich - auf der sicheren Seite.“ Verständnis für das Kassieren von Gema-Gebühren in den Kitas hat die Pädagogin nicht. „Früher konnten Eltern die Texte mit nach Hause nehmen. Das war auch immer eine nette Erinnerung.“

Quelle: RP

 
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