Reaktionen auf den Bahnstreik: "Habe Verständnis dafür"
VON JÖRG ZELLEN - zuletzt aktualisiert: 29.01.2009 - 11:41Die meisten Fahrgäste am Düsseldorfer Hauptbahnhof reagierten entspannt auf die Arbeitsniederlegungen der Bahnmitarbeiter. Die Gewerkschaften GDBA und Transnet hatten dazu aufgerufen. Wir haben uns auf dem Bahnhof umgeschaut.
Die Gänge sind verhältnismäßig leer. Der gewohnte Lautstärkepegel wird heute nicht erreicht. Und die freundliche Damenstimme, die aus dem Off zu den Fahrgästen spricht, erklingt etwas häufiger. Kein Wunder, hat sie doch die undankbare Aufgabe, die jeweiligen Verspätungen durchzugeben.
Die Reaktionen auf diese Durchsagen verwundern. Wutausbrüche? Gemeckere? Streit? Nichts von allem. Ganz im Gegenteil: Es herrscht eine eher entspannte Atmosphäre. „Viel zu tun gibt es heute nicht“, sagt der Mitarbeiter eines „Coffee to go“-Shops. „Viele unserer Stammgäste sind wohl auf das Auto umgestiegen.“ Der angekündigte Bahnstreik ist schuld daran. Der Shopbetreiber ist ein Leidtragender der Arbeitsniederlegungen der Bahnmitarbeiter.
Doch wie urteilen die Fahrgäste? Normalerweise sind es täglich 250.000 Pendler, die am Düsseldorfer Hauptbahnhof ein- und aussteigen. Diese Zahl dürfte heute bei weitem nicht erreicht werden. Diejenigen, die trotz des Streiks per Schiene reisten, zeigten ungewohnt großes Verständnis. „Das ist doch das gute Recht der Leute. Gerade in der jetzigen Zeit kommt es auf jeden Cent an“, sagt Axel Kohler-Schnura aus Düsseldorf.
So sieht es auch Martina Teichelmann aus Köln. Ihr Zug fuhr zwar erst mit 40-minütiger Verspätung los, doch dies störte sie nicht. „Ich bin auf den ICE umgestiegen und der fuhr sogar pünktlich.“ Auf die Frage, ob sie die Bahnmitarbeiter verstehen könne, sagte sie: „Wenn ich ehrlich bin, weiß ich überhaupt nicht, worum es diesmal geht. Die Bahn hat mittlerweile so viele Gewerkschaften, da blickt man doch gar nicht mehr durch, wer für was kämpft.“
Jens Bethke und seine Frau Elisabeth aus Norderney erfuhren erst am Mittwochabend von dem Streik. „Als wir in Düsseldorf gelandet sind, bekamen wir von Freunden eine SMS. Jetzt hoffen wir, dass wir nicht so lange warten müssen.“ Trotz der Reisestrapazen sympathisierten auch die beiden Ostfriesen mit den Bahnmitarbeitern.
Ganz anders sieht dies Lokführer Dirk Tapper, der Mitglied in der Gewerkschaft GDL ist. „Warum haben sich die Kollegen nicht im vergangenen Jahr angeschlossen, als wir gestreikt haben?“, fragt er sich. „Damals haben sie uns Knüppel zwischen die Beine geworfen. Darunter müssen jetzt unsere Fahrgäste leiden.“
Übrigens: Seit dem Vormittag ist der Streik wieder beendet. Nach Aussagen der Bahn läuft der Verkehr wieder normal.
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