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Auf Spielplätzen und Grünflächen: Hundekot – Gefahr für Kleinkinder

VON DIETER DORMANN - zuletzt aktualisiert: 28.02.2011 - 09:02

Auf Spielplätzen und Grünflächen (RPO). In fast allen Städten gibt es Klagen über Hundebesitzer, die Fäkalien ihrer Tiere von öffentlichen Flächen nicht entfernen. Vor allem an Kitas und Spielplätzen ist der Kot ein Gesundheitsrisiko. Einige Kommunen appellieren an das Verständnis der Tierhalter, andere verhängen Bußgelder.

Den Kindern der Tagesstätte Sonnenblume in Kleve stinkt's gewaltig: Spielplätze und Grünflächen sind übersät mit Hundekot. Sie steckten selbst gebastelte Fähnchen in den Haufen und machten so auf den Missstand aufmerksam.  Foto: RP, Evers
Den Kindern der Tagesstätte Sonnenblume in Kleve stinkt's gewaltig: Spielplätze und Grünflächen sind übersät mit Hundekot. Sie steckten selbst gebastelte Fähnchen in den Haufen und machten so auf den Missstand aufmerksam. Foto: RP, Evers

Kleve/Opladen/Mönchengladbach Jeder Tag beginnt für die Mitarbeiterinnen und die Kinder der Kindertagesstätten "Sonnenblume" und "Morgenstern" im Süden der niederrheinischen Kreisstadt Kleve mit dem gleichen Ärgernis: Immer wieder kommen einige der insgesamt 180 Zwei- bis Sechsjährigen mit Schuhen in die Kita, die mit Hundekot beschmutzt sind. Die Wege und Grünflächen in der Umgebung der Kitas sind seit Jahren ständig übersät mit den Fäkalien der Tiere, die von ihren Besitzern dort Gassi geführt werden. "Wir trauen uns fast nicht mehr, mit den Kindern auf die Spielplätze zu gehen oder einen Spaziergang zu unternehmen", berichtet Rita Michels, 50-jährige Erzieherin in der Kita "Sonnenblume".

Info

Strafen

Wer den Kot seines Hundes nicht entfernt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Der Bußgeldtatbestand ist Ländersache. Wer einen Hundehaufen nicht entfernt, gegen den kann ein Verwarngeld verhängt werden. Je nach Kommune liegt es üblicherweise zwischen 15 und 85 Euro. Es kann aber wesentlich höher sein - bis zu 1000 Euro.

Ein entsprechendes Urteil fällte das Oberlandesgericht Düsseldorf (Az 5 Ss300/90-128/90 l).

Das Säubern der Schuhe kostet nicht nur Zeit und ist eklig. Der Hundekot berge auch erhebliche gesundheitliche Gefahren für die Kinder zwischen zwei und sechs Jahren, meint die Leiterin des Kindergartens "Morgenstern", Renate Heeks (40). Der Düsseldorf Kinder- und Jugendarzt Hermann Josef Karl bestätigt dies: "Durch den Kontakt mit Hundekot kann im Prinzip jeder bakterielle Infekt übertragen werden." Häufig komme es zu eitrigen Hautausschlägen, aber auch heftiger Durchfall, Lungen- oder Blasenentzündungen seien möglich. Würmer können zu Erkrankungen des Magen- und Darmtraktes führen. "Wenn durch Salmonellen eine Infektion verursacht wird, kann das – wenn es nicht früh genug bemerkt wird – auch lebensgefährlich sein", meint der Mediziner.

Da die Kinder und ihre Betreuerinnen in den Klever Kitas nach jahrelangem Ärger mit dem Hundekot die Nase voll hatten, bastelten sie 400 gelbe Fähnchen und markierten damit Hundekot-Haufen im Umfeld der Kindergärten. Mehr als 100 fanden sie in kurzer Zeit. Die Stadt Kleve unterstützte die Aktion. "Das ist ein hochbrisantes Thema. Deshalb wollten wir nicht gleich große Geschosse auffahren, sondern mit einer witzigen Aktion auf das Problem aufmerksam machen", meint Claudia Küppers vom Klever Jugendamt.

Für eine ähnlich "sanfte" Strategie entschied sich bereits vor einem Jahr die Stadt Leverkusen, als Hundekot am Kindergarten St. Remigius in Opladen – aber auch an vielen anderen Stellen in der Stadt – zum Himmel stank. Schilder und Mülleimer für die Hinterlassenschaften der Hunde wurden dort aufgestellt. Sogar der Oberbürgermeister persönlich versprach, sich des Problems anzunehmen. Aber die Situation hat sich seither allenfalls geringfügig verbessert, berichtet der Leiter der Kita, Günther Obert. Er fühlt sich alleingelassen von der Stadt – und ohnmächtig angesichts uneinsichtiger Hundebesitzer. "Es sollte mehr kontrolliert werden und mehr Sanktionen und Verwarnungsgelder geben", fordert der Leiter der Kindertagesstätte.

Die Stadt Leverkusen will jedoch weiterhin vor allem auf "Öffentlichkeitsarbeit" setzen, erklärt eine Sprecherin. Viel mehr sei nicht möglich, da mehr Kontrollen einen sehr hohen Personalaufwand erforderten. Im vergangenen Jahr wurden nur in zwei, drei Fällen wegen Ordnungswidrigkeiten in Sachen Hundekot Verwarnungsgelder kassiert.

Dabei ist sich zumindest der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) der Verantwortung der Hundebesitzer bewusst. Es sei die Pflicht eines jeden Hundebesitzers, jeden Kothaufen zu entsorgen, den sein Vierbeiner in einer Ortschaft hinterlasse, meint VDH-Sprecher Udo Kopernik. Und wenn ein Tierhalter keine Einsicht zeige, müsse es Strafen geben. Der VDH-Sprecher wünscht sich aber auch Unterstützung von Seiten der Städte.

Wie diese Zusammenarbeit aussehen kann, zeigt das Beispiel Mönchengladbach. Auch dort stank der Hundekot vielerorts zum Himmel. Schon im Herbst 2005 stellte die Stadt mit dem Verein "Clean up" an Spielplätzen, vor Kitas und in Parks 50 sogenannte Bello-Boxen auf, aus denen Hundehalter Tütchen entnehmen können, um den Kot ihrer Tiere zu entsorgen. Doch ein Jahr später gab es immer noch viele Klagen über Hundekothaufen. Die Stadt verschärfte daraufhin die Kontrollen, kassierte 35  Euro von denen, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner liegenließen. Zudem wurden inzwischen 17 Hundewiesen eingerichtet.

Für eine Stadt ohne Hundekot setzt sich seit drei Jahren auch der Verein "Hundelobby" ein, in dem sich 1400 Mönchengladbacher Hundebesitzer zusammengeschlossen haben. "Wir leisten viel Aufklärungsarbeit und sorgen dafür, dass die Hundewiesen sauber bleiben", versichert Gerd Gröne-Gormanns von der "Hundelobby". Sowohl er als auch der Beigeordnete der Stadt, Peter Holzenleuchter, sind mit dem Erfolg der Anstrengungen bislang zufrieden. "Die Stadt ist sauberer geworden", meint Peter Holzenleuchter. Und Gerd Gröne-Gormanns sagt: "In Mönchengladbach läuft das ganz gut, in anderen Städten gibt es aber sicher noch viel zu tun."

Quelle: RP

 
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