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Fünf Millionen Schulstunden fallen aus: "In NRW fehlen 4000 Lehrer"

VON GERHARD VOOGT UND ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 21.05.2009 - 16:20

Fünf Millionen Schulstunden fallen aus (RPO). Die SPD im Düsseldorfer Landtag hat errechnet, dass in NRW fünf Millionen Schulstunden ausfallen. Schulministerin Barbara Sommer weist diese Behauptung zurück und spricht von einer "Lügenkampagne".

Bei den Lehrern in NRW handelt es sich zum allergrößten Teil um Beamte.  Foto: ddp
Bei den Lehrern in NRW handelt es sich zum allergrößten Teil um Beamte. Foto: ddp

In der Landespolitik ist ein Streit über den Lehrermangel in NRW entbrannt. Nach Angaben der SPD im Düsseldorfer Landtag sind mehr als 4000 Lehrerstellen nicht besetzt. Das geht aus Berechnungen hervor, die auf Daten der Landesregierung beruhen. SPD-Fraktionsvize Ute Schäfer warf Ministerpräsident Jürgen Rüttgers vor, sein Wahlversprechen, den Unterrichtsausfall zu beheben, nicht eingelöst zu haben. Auch von in Aussicht gestellten kleineren Klassen könne keine Rede sein.

Am stärksten betroffen sind nach der Erhebung Grundschulen mit 1100 fehlenden Lehrkräften und die Berufskollegs mit 900 fehlenden Pädagogen. Die größte Lehrerlücke gebe es in Köln mit 300 fehlenden Lehrkräften. Als Ursache für den Lehrermangel werden zusätzliche Anforderungen wie die Einführung des Englisch-Unterrichts an Grundschulen sowie der Ausbau des Ganztagsunterrichts genannt. Zudem seien die Arbeitsbedingungen in anderen Bundesländern attraktiver. So werden Pädagogen in Hessen noch bis zum 50. Lebensjahr verbeamtet, in NRW ist die Grenze das 35. Lebensjahr. Die Umfrage liefert Daten über 70 Prozent der 6117 öffentlichen Schulen in NRW.

"Einseitig interpretiert"

Schulministerin Barbara Sommer (CDU) wies die Vorwürfe als "Lügenkampagne" scharf zurück. Die Zahlen seien "einseitig interpretiert", wichtige Fakten "bewusst weggelassen" worden. Als Vergleichsgröße habe die SPD nicht den Stellenbedarf, sondern die Stellenausstattung der Schulen verwendet. "Von den 150 000 Lehrerstellen in NRW sind lediglich 0,3 Prozent nicht besetzt", so Sommer. Für die Landesregierung habe die Vermeidung von Unterrichtsausfall oberste Priorität. Klaus Kaiser, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, erklärte, die SPD habe in ihrer Regierungszeit 2004 rund 16 000 Lehrerstellen streichen wollen. Damit fehle ihr "jede Glaubwürdigkeit".

Die SPD bleibt bei ihrer Darstellung. Wenn die Landesregierung die Zahlen leugne, habe "sie entweder den Landtag belogen" oder wolle "bewusst die Öffentlichkeit täuschen", so Schäfer. Sigrid Beer, Schul-Expertin der Grünen, erklärte, es seien nicht genügend Lehrkräfte auf dem "Markt".

Andreas Meyer-Lauber, NRW-Chef der Gewerkschaft Wissenschaft und Erziehung, kritisiert, durch den Lehrermangel komme die konzeptionelle Arbeit zum Erliegen. Wichtige Reformen, wie die Zusammenlegung der ersten und zweiten Klassen, würden dadurch blockiert.

Quelle: RP

 
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