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Nordrhein-Westfalen: Kaum Plätze für die Kleinsten

VON ELLEN SCHLÜTTER UND ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 - 07:33

Nordrhein-Westfalen (RPO). Mit einer Betreuungsquote von 11,6 Prozent für Kinder unter drei Jahren hat NRW im Bundesvergleich die schlechteste Versorgungsquote. Experten bezweifeln, dass das Land, wie von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen gefordert, die Quote bis 2013 auf 35 Prozent steigern kann.

Jana (links) und Zoe haben im Kindergarten „Pusteblume“ bei Kita-Leiterin Heike Coentges einen U-3-Platz bekommen – der Bedarf an Betreuungsplätzen für die Kleinsten ist groß, das Angebot dagegen begrenzt.  Foto: Isabella Raupold
Jana (links) und Zoe haben im Kindergarten „Pusteblume“ bei Kita-Leiterin Heike Coentges einen U-3-Platz bekommen – der Bedarf an Betreuungsplätzen für die Kleinsten ist groß, das Angebot dagegen begrenzt. Foto: Isabella Raupold

Zoe und Jana sitzen auf dem Teppich, spielen fröhlich mit Kastanien und Bauklötzen. Während die beiden fast Zweijährigen mit Erzieherin Heike Coentges ins Spiel vertieft sind, haben ihre Mütter die Gewissheit, dass die Kleinen gut versorgt sind. Zoe und Jana gehören zu insgesamt zehn glücklichen Unter-Dreijährigen, die in der Mönchengladbacher Kita "Pusteblume" einen Platz gefunden haben. Zehn Kinder – doch die Zahl der Eltern die für ihren Nachwuchs händeringend einen Krippenplatz sucht, ist auch in Mönchengladbach um ein Vielfaches höher.

Mit einer Betreuungsquote von 11,6 Prozent bei den Kleinsten bildet NRW gemeinsam mit Niedersachsen das Schlusslicht unter den Bundesländern. NRW-Familienminister Laschet versucht, dem Mangel positive Seiten abzugewinnen: "Von allen Bundesländern hat Nordrhein-Westfalen seit 2007 die meisten Plätze neu geschaffen, insgesamt 20 511." In NRW gibt es laut Familienministerium aktuell rund 74 700 Plätze für Unter-Dreijährige, davon 58 424 in Kitas, den übrigen Teil versorgen Tagesmütter. Das ist meilenweit von den Vorgaben der Bundes-Familienministerin Ursula von der Leyen entfernt: Die will bis 2013 die Betreuungsquote bei Unter-Dreijährigen auf 35 Prozent steigern.

In der Kita "Pusteblume" entfallen fünf Plätze auf Unter-Drejährige, fünf weitere auf Unter-Zweijährige. Zum Sommer werden die Plätze für die Unter-Zweijährigen auf zehn aufgestockt. Trotzdem gibt es jetzt schon eine Warteliste fürs nächste Jahr. Heike Coentges, Leiterin der "Pro-Multis"-Einrichtungen im Gemeindeverband Neuwerk empfiehlt daher besonders Müttern, die einen schnellen Wiedereinstieg in den Beruf planen, die Kinder mindestens ein Jahr im Voraus anzumelden.

Die Meerbuscher Managerin Britta Scholz, die vor acht Monaten zum dritten Mal Mutter geworden ist, hat das so gemacht: "Ich bin schon mit der Feststellung der Schwangerschaft zur Kita-Anmeldung gegangen", sagt die 42-Jährige. Von ihrer Arbeit im Verband berufstätiger Mütter weiß sie, wie hart der Wettlauf um die wenigen freien Plätze ist. Viele Eltern meldeten ihr Kind deshalb doppelt an, um einen Platz zu ergattern. "Man versucht natürlich sicherzugehen, dass das Kind, wenn schon nicht im Wahl-Kindergarten, dann wenigstens woanders einen Platz bekommt."

Unter den 28 Einrichtungen des katholischen Trägers "Pro Multis" bieten neun U-3-Betreuung an. Das reicht hinten und vorne nicht. "Es ist unrealistisch, derzeit jeden Bedarf direkt decken zu können", sagt die Erzieherin Coentges. Dabei steht Mönchengladbach mit einer Versorgungsquote von 16,2 Prozent im Landesvergleich gar nicht so schlecht da. Dennoch weiß die Stadt, dass noch viel getan werden muss. Bis 2013 sollen 58 zusätzliche U-3-Plätze geschaffen werden, sagt Stadt-Sprecher Dirk Rütten. Für den Rest setzt die Stadt auf das Prinzip Hoffnung: Frühere Einschulungen, so das Kalkül, würden in Zukunft dazu führen, dass weniger "Ü-3"-Plätze gebraucht werden, auch der Geburtenrückgang werde das Erfüllen der Quote begünstigen.

Gerd Landsberg, der Chef des Städte- und Gemeindebundes, glaubt jedoch nicht, dass es Städten wie Mönchengladbach gelingen wird, den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ab 2013 zu erfüllen. Neben der Finanzierung gebe es ein weiteres Problem: "Selbst wenn wir genug Geld für den Ausbau hätten, haben wir nicht genug Erzieherinnen."

Unter den Städten in NRW ist das reiche Düsseldorf eine der positiven Ausnahmen. Hier gibt es bereits für 30 Prozent der Unter-Dreijährigen einen Betreuungsplatz. "Die Versorgungsrate soll bis 2013 auf 40 Prozent anwachsen", sagt Sprecher Michael Frisch.

Im finanziell notorisch klammen Duisburg liegt die Quote dagegen nur bei 13 Prozent – 600 Plätze müssten pro Jahr geschaffen werden, um bis 2013 das Soll zu erfüllen. Ist das überhaupt zu machen? "Wir geben alles" versichert der Duisburger Jugendamtsleiter Thomas Krützberg. 30 bis 40 Millionen Euro wird der Ausbau der Kitas die Stadt kosten, pro Jahr werden rund 10 Millionen mehr Betriebskosten anfallen. Zudem setzt die Stadt auf Tagesmütter: Die leisten bereits 15 Prozent der Betreuung. Die Stadt will die Quote verdoppeln, dort läuft deshalb ein Programm zur Ausbildung von Tagesmüttern. Ohne die würden jetzt schon viele Eltern verzweifeln. Auch Britta Scholz hat für ihre Jüngste eine Kinderfrau eingestellt. Die soll ihre Tochter ab März betreuen – bis zum Start des Kindergartenjahres im Herbst 2010.

Quelle: RP

 
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