Verfassungsschutz alarmiert: Kurden rekrutieren Terroristen in NRW
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 21.07.2008 - 09:24Verfassungsschutz alarmiert (RPO). Haji Ahmadi lebt im Süden von Köln. Er ist der Chef einer kurdischen Organisation, die sich „Partei für ein freies Leben in Kurdistan“ (PJAK) nennt. Die Guerilla-Truppe operiert im Nord-Irak, verübt Anschläge mit Sprengsätzen und Minen.
„Viele kurdische Jugendliche, auch Mädchen, kommen von Europa in den Kampf rein“, sagt Ahmadi. Auch in NRW rekrutiert die PJAK, die der verboteten PKK nahesteht, Terroristen.
Vor einem Jahr hatte der Fall eines jungen Manns aus Langenfeld bei den deutschen Sicherheitsbehördenfür Unruhe gesorgt. Sertan K., der die Höhere Handelsschule in Leverkusen-Opladen besucht hat, wurde von seiner Familie vermisst.
Der 21-Jährige war über Belgien in den Nord-Irak geschleust worden, wo er in einem Lager als Scharfschütze ausgebildet wurde. „Die Anwerbung geschieht unter den Augen von Verfassungsschutz und BND“, kritisiert Karsten Rudolph, innenpolitischer Sprecher der SPD im Düsseldorfer Landtag. Das Propaganda-Material sei auch auf deutsch erhältlich. In einer kleinen Anfrage an die Landesregierung will Rudolph jetzt wissen, ob neben PKK und PJAK weitere kurdische Organisationen in NRW operieren. Eine weitere Frage: Kehrten kurdische Jugendliche nach ihrer Terror-Ausbildung nach Deutschland zurück?
In NRW ist die Stimmung bei den Kurden nach dem Verbot des in Wuppertal ansässigen kurdischen Propaganda-Senders „Roj TV“ durch das Innenministerium angespannt. „Die breite Basis der kurdischen Gemeinschaft fühlt sich von der Bundesrepublik Deutschland angegriffen und sieht das Verbot als einen Angriff auf die ,kurdische Ehre’“, sagte Hartwig Möller, der Chef des Verfassungsschutzes in NRW, unserer Zeitung. Seine Behörde beobachtete die Entwicklung sehr aufmerksam und genau. „Aktionen emotionalisierter Einzelner oder kleiner Gruppen sind nicht völlig auszuschließen“, erklärte Möller. Momentan gebe es keine Hinweise auf geplante Gewalt-Aktionen.
In Deutschland leben rund eine Million Kurden. Rund 12.000 sollen der PKK nahestehen. Viele Anhänger sind in kurdischen Kulturzentren organisiert. Seit Jahren steht die „Föderation kurdischer Vereine in Deutschland“ (YEK-KOM) im Visier der Ermittler.
Kubilay Demirkaya, der kurdischstämmige Vize-Vorsitzende der CDU Köln-Ehrenfeld, kritisiert die Rekrutierungen: „Es kann nicht angehen, dass die PKK hingeht und jugendliche Deutschkurden ihren Familien entreißt, um diese mit einer Kalaschnikow auf dem Rücken in den Tod zu schicken“, so Demirkaya. „Die kurdische PKK fanatisieren Jugendliche in Deutschland. Dieser Entwicklung müssen wir einen Riegel vorschieben.“ Auf einem Sportfest in Köln hatten kurdische Jugendliche Verständnis für die Entführung der jetzt freigelassenen deutschen Bergsteiger gezeigt.
Musa Ataman ist der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn. Der 47-Jährige ärgert sich darüber, dass solche Aktionen ein falsches Licht auf die Kurden in Deutschland werfen. Die PKK dürfe nicht „als legitimer Arm des kurdischen Volkes“ angesehen werden. „Die überwältigende Mehrheit der in Deutschland lebenden Kurden will mit Gewalt nichts zu tun haben.“
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