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NRW: Land droht der tägliche Stau

VON DIETER DORMANN - zuletzt aktualisiert: 26.10.2009 - 10:53

NRW (RPO). In den nächsten Wochen wird es nach Experten-Meinung auf Autobahnen häufig nur im Schritttempo vorwärtsgehen. 30 Großbaustellen behindern den Verkehrsfluss. Außerdem verunsichert die Witterung die Autofahrer, und im November sind besonders viele Berufspendler unterwegs.

Alle Baustellen in NRW auf einen Blick. Zum Vergrößern bitte anklicken.  Foto: KLXM.de
Alle Baustellen in NRW auf einen Blick. Zum Vergrößern bitte anklicken. Foto: KLXM.de

Heimkehrer aus den Herbstferien haben die quälenden Staus, die am Wochenende auf einigen Autobahnen in NRW die Autofahrer zum Schritttempo zwangen, gerade erst überstanden. Aufatmen können sie nicht. In den nächsten Wochen müssen vor allem Berufspendler auf den Fernstraßen starke Nerven und viel Geduld haben. Zähfließender Verkehr und Staus sind nach Meinung von Experten vielerorts garantiert.

An 30 Großbaustellen wird der Verkehrsfluss aufgrund verengter oder reduzierter Fahrstreifen immer wieder ins Stocken kommen. Besonders betroffen sind nach Aussage von Bernd Löchter, Sprecher des für die Baustellen zuständigen Landesbetriebes Straßen.NRW, die sehr stark befahrenen Autobahnen A 1, A 2, A 3, A 40, A 46 und A 57.

Möglich werden die zahlreichen Baumaßnahmen durch die Zuteilung zusätzlicher Gelder aus den Konjunktur-Paketen 1 und 2 der Bundesregierung. "Insgesamt fließen in diesem Jahr über 1,7 Milliarden Euro in den Straßenbau. Das ist ein Rekord", sagt Bernd Löchter. Normalerweise stünden aus Mitteln des Bundes nur 640 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung.

Allein 150 Millionen Euro werden an der A 1 bei Köln-Lövenich für Lärmschutzmaßnahmen verbaut. Zwei bis drei Jahre müssen die Autofahrer dort nach Schätzungen von Bernd Löchter noch mit Behinderungen rechnen. Auf besonders stark befahrenen Autobahnen wird hingegen der dringend notwendige Ausbau auf sechs Fahrstreifen weiter vorangetrieben – und ebenfalls noch Jahre andauern. So auf der A 1 bei Remscheid, auf der A 2 östlich des Kamener Kreuzes, auf der A 40 zwischen Bochum und Gelsenkirchen und auf der A 57 am Kreuz Neuss West. Irgendwann zwischen 2015 und 2018 – so der Plan des Landesbetriebes Straßen.NRW – wird die A 57 von Köln bis Kamp-Lintfort sechsspurig sein.

"Eigentlich" sollten Autofahrer froh über die Großbaustellen sein, meint "Stau-Professor" Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg. "Ärgerlich" sei ihr konzentriertes Auftreten. "Aber viele Bauvorhaben sind überfällig", sagt der Verkehrsexperte. Zudem sei nun mal das nötige Geld da und müsse ausgegeben werden. Ein weiteres Aufschieben der Sanierungen wäre fatal. Wenn die Qualität der Straßen noch schlechter werde, seien zusätzliche Geschwindigkeitsbegrenzungen unausweichlich.

Die Baustellen sind nicht der einzige Grund, warum Autofahrer in den kommenden Wochen auf den Autobahnen öfter als sonst nur im Schritttempo vorankommen dürften. Der November gilt als der "Stau-Monat". Zum einen ist die Zahl der Berufspendler dann besonders groß, da im November vergleichsweise wenige Arbeitnehmer Urlaub nehmen. Zum anderen haben die Fahrer mit der immer winterlicher werdenden Witterung zu kämpfen: Nebel, Nieselregen, Glatteis, beschlagene Scheiben. "Das alles macht Autofahrer unsicher", sagt Michael Schreckenberg. Sie fahren langsamer, bremsen früher – das führt zu Staus. Die Statistik belegt: Im November werden die meisten Stau-Meldungen gezählt.

Ein "Chaos" auf den Autobahnen in der Region befürchten in den kommenden Wochen weder Bernd Löchter vom Landesbetrieb Straßen.NRW noch der Duisburger Verkehrswissenschaftler Michael Schreckenberg. "Die Fahrer gewöhnen sich meist recht schnell an die winterlichen Witterungsbedingungen", sagt der "Stau-Professor". Auch für Baustellen-Geschädigte hat der Wissenschaftler gute Ratschläge: Vorher im Internet informieren und eventuell Umwege aussuchen (www.rp-online.de/staumelder) und sich in den Baustellen "kooperativ" verhalten. Konkret heißt das: Auf Lücke fahren und das Reissverschluss-System beachten.

Quelle: RP

 
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