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Wohnungen an Goldman Sachs verkauft: LEG-Mieter in Sorge

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 12.06.2008

Wohnungen an Goldman Sachs verkauft (RPO). Wie passen die extrem erfolgreichen Banker von Goldman Sachs und Mieter deutscher Sozialwohnungen in ein Boot? Gar nicht, sagen die Kritiker des Verkaufs der LEG an Goldman Sachs. Sehr gut, meint die Landesregierung.

Für Hannelore Kraft (SPD), Oppositionsführerin im NRW-Landtag, ist Goldman Sachs eine „ausschließlich profitorientierte Heuschrecke“. Für NRW-Finanzminister Helmut Linssen und NRW-Wohnungsminister Oliver Wittke (beide CDU) ist die US-Investmentbank hingegen eine „Freuschrecke“: So breit wie gestern bei der Bekanntgabe des Verkaufs der LEG an den Goldman-Sachs-Ableger Whitehall haben die beiden seit der Wahlnacht im Mai 2005 nicht mehr gegrinst.

Sie haben in der Tat gut Lachen. Mit einem Netto-Verkaufserlös von 787,1 Millionen Euro konnte das Land beim Verkauf der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) mit ihren 93 000 Wohnungen einen Verkaufspreis erzielen, der weit über allen Erwartungen lag.

Finanzminister Linssen selbst war früheren Angaben zufolge wegen der 2,7 Milliarden Euro Schulden, die auf dem Unternehmen lasten, nur von „einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ ausgegangen. Zahlreiche Immobilien-Experten hielten die LEG sogar für unverkäuflich, weil die weltweite Bankenkrise potenziellen Käufern einen Strich durch die Kreditverhandlungen machen würde.

Der neue Vermieter gilt als Turbo-Kapitalist

Ob aber im Gegensatz zur Landesregierung nun den LEG-Mietern das Lachen vergehen wird, wird derzeit heftig diskutiert. Einerseits ist Goldman Sachs unter den internationalen Banken so etwas wie der Turbo-Kapitalist: Über einen der weltgrößten Hedgefonds bewegen die Strippenzieher von der Wall Street Stunde um Stunde Milliarden. Sie kommen oft unvorhersehbar, kaufen, verkaufen und fusionieren nach Lust und Laune Unternehmen und üben nicht selten erbarmungslosen Druck auf das Management aus. Sie standen Pate bei der Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler und der von Viag mit Veba. Auch bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone führte Goldman Sachs Regie.

„Der Verkauf an Goldman Sachs war aus Sicht der Mieter die schlimmste aller Varianten“, wetterte deshalb gestern auch der Deutsche Mieterbund, „die schlimmste aller Heuschrecken wird die Mieter ausquetschen wie eine Zitrone.“ Dem halten Linssen und Wittke ein „geht gar nicht“ entgegen: Sie verweisen auf die für den Käufer verbindliche Sozialcharta, mit der das Land die derzeitigen Besitzstände von LEG-Mietern und -Mitarbeitern – wie mehrfach berichtet – geschützt zu haben glaubt.

Whitehall muss zum Beispiel auf Luxus-Sanierungen verzichten, Mietern über 60 Jahren lebenslanges Mietrecht einräumen, darf pro Jahr nur 2,5 Prozent der Wohnungen an Dritte weiterverkaufen und muss pro Jahr im Schnitt 12,50 Euro pro Quadratmeter in die Wohnungen investieren. „Viel zu wenig“, schimpft der Mieterbund, „die LEG hat im letzten Jahr 25 Euro pro Quadratmeter investiert.“ Auch der Rest der Sozialcharta beeinhalte kaum etwas, „das nicht ohnehin im Mietrecht steht“.

Insider gehen davon aus, dass Whitehall jetzt zeitnah größere Bestände an kommunale Wohnungsunternehmen etwa in Dortmund und Köln weiterverkaufen wird. Goldman Sachs selbst äußert sich zum Thema LEG „grundsätzlich“ nicht, wie eine Sprecherin gestern sagte.

Quelle: RP

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