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Düsseldorf: Minister will Blitzaktion wiederholen

VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012 - 02:30

Düsseldorf (RP). In einem "24-Stunden-Blitz-Marathon" sind gestern an 1400 Standorten in NRW die Verkehrsteilnehmer kontrolliert worden. Bis auf wenige Ausnahmen haben sich die Autofahrer an die Tempolimits gehalten. Innenminister Ralf Jäger (SPD) beabsichtigt schon im April eine Neuauflage.

Bei der größten Blitzaktion in der Geschichte Nordrhein- Westfalens sind gestern deutlich weniger Autofahrer in die Radarfallen getappt als erwartet. "Die Verkehrsteilnehmer fuhren wesentlich langsamer als sonst", sagte ein Polizeisprecher. An einer Messstation in Duisburg wurde etwa innerhalb von acht Stunden lediglich eine Autofahrerin geblitzt. Sie fuhr zwölf Stundenkilometer zu schnell. In Mönchengladbach überprüften die Polizisten sogar aus Langeweile zwischenzeitlich den technischen Zustand von Mofas und Motorrollern, weil sich stundenlang alle Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielten.

An 1400 Messstellen führten Kommunen, Polizeibehörden und die Autobahnpolizei in einem "24-Stunden-Blitz-Marathon" landesweit Tempokontrollen durch. Mehr als 3000 Beamte waren über den Tag verteilt ab sechs Uhr morgens im Einsatz. Mit dieser ungewöhnlichen Aktion wollte Innenminister Ralf Jäger (SPD) gegen zu schnelles Fahren und die gestiegene Zahl von Verkehrstoten vorgehen. Die Orte der Radarkontrollen wurden zuvor öffentlich bekanntgegeben.

Trotz Vorwarnungen fuhren einige mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit. An der Toulouser Allee in Düsseldorf erwischte die Polizei einen Autofahrer mit 94 Stundenkilometern. Erlaubt sind dort 50. Ihn erwarten ein Bußgeld von 200 Euro und drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei. An der Mülheimer Straße in Duisburg wurde ein Arzt erwischt, der mit Tempo 102 statt der erlaubten 50 unterwegs war. Damit erreichte der Mediziner den traurigen Tagesrekord in Duisburg. Er habe es eilig gehabt, redete er sich bei der Polizei heraus. Die Eile war aber nicht beruflich bedingt. Er muss mit einem mehrmonatigen Führerscheinentzug und einer hohen Geldstrafe rechnen. Die Kölner Polizei erwischte auf der Autobahn 57 einen Fahrer mit 160 Stundenkilometern statt der vorgeschrieben 100. Seine Strafe: vier Punkte in Flensburg, ein Monat Fahrverbot und 240 Euro Bußgeld, teilte die Polizei mit. Auf den Autobahnen im Regierungsbezirk Düsseldorf registrierte die Polizei bis gestern Abend 398 Verstöße. Elf Fahrverbote wurden dort ausgesprochen. In Bonn zählte die Polizei bis zum Abend 66 Temposünder.

Das Rasen sei mörderisch und unverantwortlich, sagte Innenminister Ralf Jäger an einer Kontrollstation in Duisburg an der Düsseldorfer Landstraße. Der oberste Dienstherr der Polizei ließ sich im Beisein von Duisburgs Polizeipräsidentin Elke Bartels die Technik der Radargeräte erklären. Auch versuchte er vergeblich, selbst einen Temposünder zu blitzen. "Es ist gut, dass nur sehr wenige zu schnell fahren. Das zeigt, dass die Autofahrer diszipliniert sind", sagte Jäger. Ziel der Aktion seien schließlich nicht mehr Knöllchen, sondern weniger Verkehrstote, betonte er. Wichtig sei auch, dass jeder über seine Fahrweise kritisch nachdenkt. Die gefahrene Geschwindigkeit entscheide über die Unfallfolge. "Bei einem Tempo von 65 Stundenkilometern sterben acht von zehn Fußgängern, die im Stadtverkehr angefahren werden, bei 50 Stundenkilometern überleben hingegen acht von zehn Fußgängern", erklärte der Minister. Die Einführung von Tempo-30-Zonen in den Städten und Begrenzungen von 120 km/h auf Autobahnen lehnte der Minister jedoch ab. Er selbst sei das letze Mal vor zwei Jahren mit 15 Stundenkilometern zu viel geblitzt worden. Seitdem halte er sich an die vorgeschriebenen Tempolimits.

Die eisigen Temperaturen stellten hingegen kein großes Hindernis für die Messgeräte dar. Wegen des Dauerfrosts fielen landesweit nur drei von mehr als 800 Messgeräten aus – wie etwa in Ahaus bei minus acht Grad. Das Landesamt für polizeiliche Dienste hatte die Beamten zuvor darauf hingewiesen, dass Tiefsttemperaturen die Einsatzfähigkeit der Blitzer beeinträchtigen könnten.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft übte wegen der Kälte dennoch scharfe Kritik an der Blitzaktion. Die Beamten seien weder mit Thermo-Unterwäsche noch mit Mützen ausgestattet worden, sagte Udo Kutsche von der Polizeigewerkschaft. In Mettmann hätten 65 Polizisten nicht einmal einen wärmenden Kaffee erhalten. "Wir haben für sie dann bei einem Schnellrestaurant heiße Getränke und Hamburger geholt, damit sie wenigstens etwas gewärmt werden", sagte der Gewerkschafter, der die Aktion zudem als "Event der Landesregierung" kritisierte.

In Krefeld wurde gestern wegen Personalmangels sogar erst ab 18 Uhr geblitzt. "Für eine 24-Stundenaktion haben wir nicht genug Kapazitäten. Wir haben bewusst die Abendstunden gewählt, damit wir nebenbei auch noch Alkoholkontrollen machen können", sagte ein Polizeisprecher.

Ralf Jäger wertete die gestrige Aktion als Erfolg und kündigte bereits an, den "Blitz-Marathon" im April und September dieses Jahres zu wiederholen und auch sonst verstärkt Messungen durchzuführen. Zudem fordern Polizeigewerkschaft und der ADAC nicht nur mehr Kontrollen, sondern auch, dass die Autofahrer in Zukunft präventiv von Polizisten angesprochen und belehrt werden.

Quelle: RP/top


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