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Pannen beim Zentralabitur: Ministerin Sommer im Härtetest

VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 20.06.2008

Pannen beim Zentralabitur (RPO). Nachspiel im Landtag zu den Pannen im Zentralabitur: Barbara Sommer stellte sich der Opposition. Es war zu spüren – der Charme der Quereinsteigerin hilft nicht mehr.

Es war klar: Jede Geste, jede Miene, jede Nuance in der Stimme würde registriert werden. Als Schulministerin Barbara Sommer gestern im Landtag bei einer Aktuellen Stunde unter Dauerbeschuss der Opposition geriet, da stand die Frage im Raum: Wie hält sie sich, diese Quereinsteigerin, der mancher das Ministeramt von Anfang an nicht zutraute?

Die Tonlage war klar, SPD und Grüne sehen in Barbara Sommer die Achillesferse von Ministerpräsident Rüttgers. „Liebe Frau Sommer, Sie sind als Mensch unersetzlich, aber als Ministerin eine Katastrophe“, sagte etwa Sylvia Löhrmann von den Grünen und richtete das Wort direkt an den Ministerpräsidenten: „Ihr Experiment Sommer ist gescheitert.“

Das Experiment Sommer

Das Experiment Sommer: Die Ministerin, die als politisch unbeschriebenes Blatt ins Amt gehievt wurde, war so etwas wie eine Charmeoffensive in der Bildungspolitik. Der blonde Pony, die zierlich-elegante Erscheinung sollten Entwarnung signalisieren: Schulpolitik mit Herz. Wer Sommer auf der Bühne mit Lehrern erlebt, der kann zuschauen, wie sie – bewusst oder unbewusst – diesem Konzept folgt: Sie gibt nicht die oberste Dienstherrin; sie strahlt; sie umarmt; sie streichelt – und strahlt noch einmal.

Alle Versuche, sich über diese Art mal eben locker lustig zu machen, verfangen letztlich nicht, im Gegenteil: Die Opposition arbeitet sich daran ab. „Ihr Charme in allen Ehren, Ihre Probezeit ist längst rum“, sagte wiederum Sylvia Löhrmann. Dieser Satz ist der Versuch, jenen Charme-Faktor zu neutralisieren. Löhrmann hat eben begriffen, dass Charme politisch nützlich sein kann. Und Charme anzugreifen ist ein undankbares Geschäft, weil man selbst so schnell so verbissen wirkt.

Es sei denn, Charme kommt ohne Fortune daher. Dann nämlich wird er gefährlich, denn Charme ohne Fortune lässt den Glücklosen noch glückloser erscheinen. Und exakt an diesem Punkt sehen Grüne und SPD die Ministerin ganz offensichtlich angelangt.

Die ganze Dramaturgie der Pannenserie im Zentralabitur war schon brutal: Als die ersten Berichte über das „Oktaeder des Grauens“ erschienen, da wiegelte das Schulministerium noch ab; am Ende standen unter dem Druck der beharrlichen Berichterstattung in der Zeitung 1900 Nachprüfungen.

Für Sommer heißt das: Was für sie am Start ein Pluspunkt war – jener Charme des Neulings –, wird nun im Kampf zum Handicap. Sie muss beweisen, dass sie einstecken kann, Härte besitzt, Nackenschläge übersteht. Und das heißt in der Politik: wieder in die Offensive kommen.

Schwächen als Rednerin

Jetzt fällt auch ins Gewicht, dass sie keine gute Rednerin ist. Wenn sie vom Blatt abliest, neigt sie dazu überpointiert zu betonen oder in eine Art Leierton zu verfallen. Beides lässt ihre Sprache bemüht erscheinen – nicht gut für den Nahkampf mit Worten. Den Griff zum Florett der freien Rede wagt sie selten – und seien es drei Sätze, um einen Angriff spontan zu parieren.

Gestern immerhin gab es einen Moment, in dem sie das Ritual der abgelesenen Rede durchbrach und präsent und kämpferisch wirkte: Sie blickte kurz in die Runde und sagte in Richtung der Opposition, es sei zwischen den Zeilen zu spüren: „Sie wollen meinen Kopf.“ Das hörte sich so kalt und authentisch an, wie es im Kampf um Ämter nun mal zugeht.

Dann verwies sie auf Helmut Kohl und zitierte einen Satz, mit dem er Rücktrittsforderungen parierte: „Dass Sie meinen Kopf fordern, ist normal – oder soll ich das auch noch für Sie machen?“ Kohl nutzte die freie Rede im politischen Kampf wie einen Säbel. Das muss Sommer noch lernen.

Quelle: RP

 
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