NRW: Noch 2200 freie Lehrstellen im Land
zuletzt aktualisiert: 13.10.2009 - 14:41Der Ausbildungsmarkt in NRW hat bislang nicht unter der Wirtschafts- und Finanzkrise gelitten. Die Zahl der Bewerber, die bis Ende September noch keine Lehrstelle hatten, sank im Vergleich zum Vorjahr deutlich um rund ein Drittel auf 2940 Jugendliche. Noch sind 2200 Lehrstellen in NRW frei.
Dies sei der bislang tiefste Stand, teilte die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Düsseldorf mit. Von den derzeit noch über 2200 freien Lehrstellen sind den Angaben zufolge die meisten im Rheinland zu finden. Gesucht würden unter anderem Bäckerei-Fachverkäufer, Einzelhandels- und Bankkaufleute sowie Köche, zahnmedizinische Fachangestellte und Restaurantfachleute.
Zu Beginn der Krise hätten die meisten Unternehmen ihre Ausbildungspläne bereits festgezurrt, sagte Direktionschefin Christiane Schönefeld. Hinzu gekommen sei auch eine gesunkene Zahl von Schulabgängern im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt meldeten sich bei den Arbeitsagenturen mit 131 690 Bewerbern sieben Prozent weniger als vor einem Jahr.
Weniger junge Menschen
Grund für diese Entwicklung ist zum einen der demografische Wandel mit einer sinkenden Zahl jüngerer Menschen. Künftig wird es jährlich rund 5000 Schulabgänger weniger in NRW geben - abgesehen von den Auswirkungen des 2007 eingeführten Zentralabiturs nach zwölf Jahren. Als Folge dieser Umstellung werden 2013 zwei Jahrgänge Abitur machen und damit auf den Arbeitsmarkt drängen.
Für eine künftig weiter sinkende Zahl von Lehrstellenbewerbern spricht laut Regionaldirektion auch der Trend, dass sich mehr junge Leute statt für eine Ausbildung zunächst für einen weiteren Schulbesuch, ein Praktikum oder ein Studium sowie für gemeinnützige oder soziale Dienste entscheiden. Schon in diesem Jahr machte diese Gruppe ein Fünftel der gemeldeten Bewerber aus.
Krise wird sich noch auswirken
Doch im kommenden Jahr wird die Krise nach Erwartung der Regionaldirektion mit Verzögerung auf den Ausbildungsmarkt durchschlagen. "Momentan ist nicht abzusehen, wann sich die Unternehmen von der Wirtschaftskrise erholen", sagte Schönefeld. Sie geht davon aus, dass Mittelständler und Konzerne deshalb gleichermaßen weniger Lehrstellen anbieten dürften.
Schon in diesem Jahr konnte nur jeder zweite Bewerber in die "klassische" duale Berufsausbildung mit Lehrstelle und Berufsschule vermittelt werden. Schönefeld hofft deshalb auf die Einsicht der Betriebe, dass wegen der Bevölkerungsentwicklung junge Fachkräfte in den nächsten Jahren immer wertvoller würden. Für deren berufliche Ausbildung müssten aber jetzt die Weichen gestellt werden.
Auch DGB-Landeschef Guntram Schneider bemängelte einen "drückenden Ausbildungsplatzmangel" und appellierte an die Unternehmen, mehr Lehrstellen anzubieten. "Jeder Jugendliche, der heute nicht ausgebildet wird, fehlt uns morgen als Fachkraft."
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