Entscheidung in diesem Monat: NRW erwägt Poker-Verbot
VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 23.05.2008 - 09:46Entscheidung in diesem Monat (RPO). Das Düsseldorfer Innenministerium überprüft derzeit, ob Poker-Turniere in NRW verboten werden sollen. Eine Entscheidung darüber soll noch in diesem Monat fallen. Zuvor hatte Rheinland-Pfalz als erstes Bundesland in dieser Woche alle öffentlichen Pokerveranstaltungen untersagt, bei denen ein Startgeld gezahlt werden muss.
Pokern boomt in Deutschland. Boris Becker und Stefan Raab zocken vor laufenden Kameras. Sportsender übertragen Turniere, bei denen es um Millionen geht. Aber um Geld darf in Deutschland nur in staatlich lizensierten Casinos gespielt werden. Daneben gibt es jedoch zahlreiche Turniere, bei denen die volljährigen Teilnehmer ein Startgeld zahlen, von denen die Kosten für die Veranstaltung gezahlt werden. Für die besten Spieler im Wettbewerb werden meistens kleinere Sachpreise ausgelobt. So konnte der Sieger bei einem Turnier in Kleve jüngst einen iPod mit nach Hause nehmen.
Solche Veranstaltungen sind in NRW bislang gestattet, solange die Teilnehmer nicht mehr als 15 Euro zahlen müssen. Rheinland-Pfalz hatte eine ähnliche Regelung, die nun gekippt wurde. Dort sind zudem jetzt auch Pokerspiele im Internet verboten, falls der Internetprovider des Veranstalters seinen Sitz in Rheinland-Pfalz hat. Innenminister Karl-Peter Bruch (SPD) begründet das Verbot so: „Zu dem Kreis der Pokerbegeisterten gehören immer mehr auch Jugendliche und Heranwachsende.“ Er sieht die Gefahr, dass Minderjährige über das Pokern in die Spielsucht abglitten. Er verweist auf den zum Jahresbeginn in Kraft getretenen Glücksspiel-Staatsvertrag, der der Prävention von Spielsucht einen hohen Stellenwert einräumt. Ähnlich hatte jüngst auch das Verwaltungsgericht Münster argumentiert und Veranstaltungen der Poker-Bundesliga untersagt. Bei diesen Turnieren handele es sich um verbotenes Glücksspiel, urteilten die Richter. „Damit drängt man die Spieler doch nur in die Illegalität“, fürchtet Marco de Mol (39) vom Veranstalter Shark-Poker aus Bochum. Für ihn ist Poker kein Glücksspiel: „Sonst würden bei den Profi-Turnieren doch nicht immer die gleichen Leute in die Endrunde kommen.“
Verena Verhoeven, Leiterin der Fachstelle Glücksspielsucht der Caritas in Neuss, würde hingegen ein Verbot von Poker-Turnieren begrüßen: „Es ist in vielen Untersuchungen deutlich geworden, dass Glücksspiele, die eine hohe und schnelle Abfolge zwischen Geldeinsatz und dem Spielergebnis haben, ein sehr hohes Suchtpotential aufweisen. Dazu gehören das Pokerspiel, ähnlich wie die Sportwette und die Kasinospiele wie Roulette und Black Jack.“ In ihrer Beratungsstelle hat sie junge Männer kennengelernt, die vor allem beim Online-Pokern viel Geld verspielt haben.
Für besonders gefährlich hält die Sozialarbeiterin die Berichterstattung im Fernsehen: „Sendungen, bei denen Pokern in die Nähe von Sport gerückt werden, müssten aus dem Programm verschwinden. Das ist wie mit Alkopops. Da hat man auch lange so getan, als wäre kein Schnaps drin.“
Pokerveranstalter Manuel Rasch aus dem münsterländischen Senden sieht in Poker dagegen eher ein Gesellschaftsspiel wie Skat. Den Gedanken hatte man im NRW-Innenministerium offensichtlich auch. Dort soll nach Informationen unserer Zeitung jetzt überprüft werden, wie es mit der rechtlichen Zulässigkeit von Skat- und Doppelkopfturnieren aussieht.
Info www.spielsucht.net . Hotline 01801- 77 66 11
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