Personalentscheidungen stehen an: NRW-Grüne stehen vor vielen Machtkämpfen
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 19.05.2008Personalentscheidungen stehen an (RPO). Sylvia Löhrmann ist die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Düsseldorfer Landtag. Nach dem Wechsel von Bärbel Höhn, der früheren Verbraucherschutzministerin, nach Berlin ist die 51-Jährige einflussreichste Politikerin der Grünen in NRW. Bleibt das so? Das ist nicht sicher. Parteichefin Daniela Schneckenburger schließt nicht aus, für den Landtag kandidieren zu wollen. „Ich entscheide das nach der Sommerpause“, sagte die Gesamtschullehrerin auf Anfrage.
Schneckenburger führt die Partei seit 2006. Zuvor war die Sozial-Expertin viele Jahren in der Dortmunder Kommunalpolitik aktiv, kandidierte 2004 für das Amt der Oberbürgermeisterin. Ihr werden auch Ambitionen auf ein Bundestagsmandat nachgesagt. Doch da die 47-Jährige zwei Kinder hat, scheint ein Wechsel nach Düsseldorf wahrscheinlicher. Beim Parteitag erhielt sie trotz einer wenig mitreißenden Rede mit 74,1 Prozent ein für grüne Verhältnisse gutes Ergebnis.
Dann müssten sich Löhrmann und Schneckenburger einigen, wer bei der Landtagswahl in zwei Jahren als Nummer eins ins Rennen geht. Reiner Priggen, Fraktionsvize aus Aachen, legt sich schon mal fest. „Ich persönlich finde, wir haben mit Löhrmann ein hervorragendes personelles Angebot“, sagt der Realo. Im Fall einer Regierungsbeteiligung der Grünen sei die Solingerin, die früher Deutsch und Englisch unterrichtete, die ideale Schulministerin.
Sollte sich Schneckenburger für eine Landtagskandidatur entscheiden, würde sie auf der Liste auch in Konkurrenz zu Barbara Steffens treten. Die ehemalige Parteivorsitzende, die mit dem Arnsberger Regierungspräsidenten Helmut Diegel (CDU) verheiratet ist, gehört wie die Dortmunderin zum Bezirk Ruhrgebiet und ist auch eine Linke. Dahinter drängeln sich Monika Düker (Düsseldorf), Sigrid Beer (Paderborn) und Andrea Asch (Köln) um die nächsten Plätze. „Das gibt noch Heulen und Zähneklappern“, sagt eine Abgeordnete.
Auch bei den Männern wird es eng. Arndt Klocke, Schneckenburgers männliches Pendant in der Partei-Doppelspitze, kündigte im Gespräch mit unserer Zeitung an: „Ich werde mich mit großer Wahrscheinlichkeit für einen vorderen Listenplatz bewerben.“ Bislang war Johannes Remmel, der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, die Nummer zwei im Landtag.
Nach dem Wechsel von Rüdiger Sagel zur Linkspartei sind die Grünen nur noch mit elf Abgeordneten vertreten. Sollte die Linke in den Landtag einziehen, dürfte die Fraktion auch bei einem besseren Ergebnis als 2005 (6,2 Prozent) nicht deutlich größer werden. Ein Strippenzieher ist sich sicher: „Listenplatz zwölf ist die Demarkationslinie.“
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