kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Panorama randalierer Spielplatz 2009
  Foto: Privat
Kommentare ()

NRW: Randalierer besetzen Spielplätze

VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 06.05.2009 - 07:26

NRW (RPO). In vielen Kommunen in Nordrhein-Westfalen nehmen die Beschwerden von Anwohnern von Bolz- und Spielplätzen zu. Jugendliche randalieren oft bis spät in die Nacht. In Hilden gab es schon Schlägereien mit der Polizei. Dort wurden die Kontrollen verstärkt.

Polizisten kontrollieren einen Spielplatz in der Region.  Foto: Christoph Göttert
Polizisten kontrollieren einen Spielplatz in der Region. Foto: Christoph Göttert

Es ist kühl geworden auf dem Spielplatz St.-Konrad-Allee in Hilden. Kurz nach 18 Uhr treffen die beiden Polizeibeamten Marko Westhäuser und Michael Bethke nur noch einen kleinen Jungen auf einem Klettergerüst an. Bethke wirft einen kurzen Blick in den hölzernen Pavillon, der in der Mitte des Platzes steht. "Alles in Ordnung", sagt er zu seinem Kollegen. Seit dem vergangenen Monat sind die Beamten zum Teil mehrmals am Tag auf dem inmitten von Häuserblocks gelegenen Gelände, um nach dem Rechten zu sehen.

Vor drei Wochen war ein seit über einem Jahr andauernder Konflikt eskaliert. Anwohner hatten wieder einmal abends die Polizei zu Hilfe gerufen, weil Jugendliche auf dem Spielplatzgelände randalierten. Als die Beamten eintrafen, fanden sie eine Gruppe 15- bis 18-Jähriger vor, die zum Teil völlig betrunken waren. Eine 17-Jährige aus Solingen musste mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Zwei Jugendliche legten sich handgreiflich mit den Beamten an und wurden vorübergehend festgenommen.

"Einer von denen hat nach seiner Freilassung damit geprahlt, wie er einem Polizisten eine reingehauen habe", berichtet Anwohner Gerd Spitzer*. Seinen wirklichen Namen will er in der Zeitung nicht lesen: "Ich möchte schließlich, dass meine Hauswand weiß bleibt", sagt er. Die Randalierer hätten sich regelmäßig in dem Pavillon getroffen, dort getrunken, gekifft und herumgegrölt. So seien aus Spaß Flaschen mit Baseballschlägern zerschlagen worden. Wenn Anwohner sich beschwert hätten, seien Scheiben eingeworfen, Zäune zerstört und Autos zerkratzt worden. Ein anderer Anwohner, der mit dem Fahrrad vorbeikommt, berichtet, dass er sich nach zehn Uhr abends nicht mehr in den Park getraut habe: "Ich hatte einfach Angst vor diesen Chaoten."

Bei den "Chaoten" handelt es sich nach Auskunft der Hildener Jugendamtsleiterin Noosha Aubel überwiegend um Jugendliche russischer und polnischer Herkunft. "Bei denen scheitern wir mit unseren Angeboten", berichtet Aubel, "weil die in Jugendheimen keinen Alkohol trinken dürfen." Nun sollen Russisch sprechende Sozialarbeiter versuchen, einen Draht zu den Jugendlichen zu bekommen.

Hilden ist ein Extrem-, aber kein Einzelfall. In Oberhausen unterlagen jetzt Anwohner eines Spiel- und Bolzplatzes vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf mit einer Klage gegen die Stadt. Die Beschwerdeführer wollten erreichen, dass die Stadt den Bolzplatz schließt und den Spielplatz so umgestaltet, dass er für ältere Jugendliche nicht mehr attraktiv ist. Der Klage vorausgegangen war eine fast zehn Jahre dauernde Auseinandersetzung, die so hohe Wellen schlug, dass die Stadt inzwischen zu dem Thema überhaupt nichts mehr sagen will.

Einer der Kläger, Alfred Bomanns, hat den Fall in Wort und Bild dokumentiert. In seinem Rechner hat er Fotos von Bier trinkenden Jugendlichen, zerstörten Hauseingängen und zugemüllten Vorgärten gespeichert. "Den Ärger", sagt Bomanns, "haben nicht die Kinder, sondern junge Erwachsene gemacht, die zum Teil mit dem Auto anfahren." Nachdem einer alten Frau ein Zahn mit einem Fußball ausgeschossen wurde, ist der Bolzplatz nun mit bis zu sechs Meter hohen Zaungittern umgeben.

In Dinslaken hinterließen 200 feiernde Jugendliche bei einer improvisierten Maifeier auf einer Spielwiese eine Schneise der Verwüstung. Anwohner riefen die Polizei. "Das sah aus, als wäre ein Panzer durch einen Porzellanladen gefahren", berichtet ein Sprecher der Stadt. Die Kommune will die Feierlust von Jugendlichen unter freiem Himmel jetzt durch drei "Open-Air-Treffs" kanalisieren. In Krefeld setzt die Stadt verstärkt ihren Ordnungsdienst abends ein, nachdem Nachbarn sich über Lärmbelästigung durch einen Bolzplatz beschwert hatten.

"Ruhestörungen durch ältere Jugendliche an Bolz- und Spielplätzen haben in letzter Zeit in fast allen Städten des Kreises zugenommen", berichtet auch Frank Sobotta von der Kreispolizei Mettmann. Seine Behörde sei inzwischen durch die ständigen Einsätze stark belastet.

In Hilden scheint sich die Polizeipräsenz immerhin gelohnt zu haben. Laut Anlieger Spitzer hätten sich die Randalierer zurückgezogen, und die normalen Besucher kehrten wieder zurück: "Am vergangenen Samstag habe ich zum ersten Mal seit langem wieder Kindergeschrei vom Spielplatz gehört. Das war ein richtig tolles Gefühl."

(*Name geändert)

Quelle: RP

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

WETTER
Wetter Düsseldorf  Wetter weltweit 
Es ist überwiegend heiter, d.h. mehr Sonne als Wolken, und im Wesentlichen trocken. Heute
13° 22°
Es ist wechselhaft mit kräftigen Regenschauern. Die Sonne scheint nur kurzzeitig. Oft handelt es sich um rasch heranziehende oder später abziehende Regengebiete. Morgen
12° 21°
Familienanzeigen