kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Digital-Funk in NRW: Retter sorgen sich um Sicherheit

VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 29.12.2008 - 07:30

Digital-Funk in NRW (RPO). Feuerwehrleute und Polizisten in NRW beneiden Ulrich Bogdahn: Der 49-jährige Chef der Essener Feuerwehr und seine Männer sind die ersten Brandbekämpfer in Deutschland, die bereits digital funken können.

Wolfgang Schäuble mit einem der neuen Digital-Funkgeräte.  Foto: ddp, ddp
Wolfgang Schäuble mit einem der neuen Digital-Funkgeräte. Foto: ddp, ddp

Andernorts sind Polizei und Rettungsdienste noch auf das störanfällige und überdies nicht abhörsichere analoge Netz angewiesen. Funk-technisch herrscht in Deutschland immer noch die Steinzeit. Außer den Deutschen nutzen in Europa nur noch die Albaner analoge Technik.

Bis 2010 soll sich das ändern. Bis dahin werden Polizei, Sicherheits- und Rettungsdienste flächendeckend mit dem Tetra-Digitalfunk ausgestattet. (Tetra steht für terrestrial trunked radio, eine digitale Bündel-Funktechnik.) 4,5 Milliarden Euro soll der bundesweite Ausbau kosten, 500 Millionen davon entfallen auf NRW.

Dafür soll das neue System gegen Lauscher geschützt sein, bessere Sprachqualität und digitale Datenübertragung bieten. Das versprechen das NRW-Innenministerium, das bei einem Pilotprojekt in Aachen Erfahrungen sammelte, und die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS).

Von der besseren Sprachqualität des neuen Systems kann Bogdahn sich jeden Tag überzeugen. Seine größte Sorge gilt aber der so genannten Inhouse-Versorgung: „Unsere Leute müssen auch innerhalb von Gebäuden überall über Funk erreichbar sein. Das wird nicht flächendeckend möglich sein.“

Dem widerspricht Wolfgang Beus vom NRW-Innenministerium. In Ballungszentren sollen Einsatzkräfte auch in geschlossenen Räumen digital angefunkt werden können. Darüber hinaus werde in NRW als Mindeststandard zwar erst einmal nur die Erreichbarkeit außerhalb von Gebäuden sichergestellt. „Danach ergänzen wir das Netz dort, wo es nötig ist. Dort, wo nicht genügend Sendestationen existieren, können Streifenwagen als Verstärker genutzt werden.“ Die würden entsprechend umgerüstet.

Aber viele Experten teilen die Skepsis von Bogdahn. „Zu schlecht, zu teuer, zu spät“, lautet ihr vernichtendes Urteil. Professor Torsten Gerpott von der Universität Essen-Duisburg bemängelt vor allem die geringe Datenübertragungsrate von drei Kilobit pro Sekunde. „Damit lassen sich kaum Bilder in vernünftiger Geschwindigkeit übertragen. Moderne UMTS-Handys sind im Vergleich dazu um den Faktor 1000 schneller.“ Er prophezeit auch Mehrkosten in Höhe von zwei Milliarden und glaubt nicht an die Inbetriebnahme vor 2012 – an flächendeckend schon gar nicht.

Für Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, liegt der Fehler im Hickhack zwischen Bund und Ländern. So sei nach einer mehr als zehn Jahre dauernden Diskussion der grundsätzliche Beschluss zur Einführung des Funknetzes auf Bundesebene gefasst, die Anpassung der einzelnen Komponenten dagegen den einzelnen Ländern überlassen worden.

Wendt: „Das Land Berlin hat schon gesagt, dass es kein Geld habe. Mit diesem Rumpfnetz kann die Polizei im Wald Räuber und Gendarm spielen, aber keine professionelle Arbeit leisten.“ Auch sein Kollege Konrad Freiberg, Chef der Gewerkschaft der Polizei, kritisiert den digitalen „föderalen Flickenteppich“.

Polizei und Feuerwehr reagieren auch deshalb so verbittert, weil sie sich von der Digitaltechnik eine wesentliche Unterstützung ihrer Arbeit erhofft hatten. So war zum Beispiel ursprünglich einmal geplant, Ermittlungsakten, Fahndungsbilder und biometrische Daten wie Fingerabdrücke über das Tetra-Netz in Sekundenschnelle den Polizisten im Einsatz zur Verfügung zu stellen. Aber dafür fehlt das Geld.

Feuerwehrchef Bogdahn ist sich sicher: „Wir werden künftig im Einsatz wohl immer zwei Geräte dabei haben: das amtliche Tetra-Funkgerät und ein privates Handy.“

Quelle: RP

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

WETTER
Wetter Düsseldorf  Wetter weltweit 
Es ist überwiegend heiter, d.h. mehr Sonne als Wolken, und im Wesentlichen trocken. Heute
13° 22°
Es ist wechselhaft mit kräftigen Regenschauern. Die Sonne scheint nur kurzzeitig. Oft handelt es sich um rasch heranziehende oder später abziehende Regengebiete. Morgen
12° 21°
Familienanzeigen