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Erforschung der Mentalität: Rheinländer sind wirklich so

VON ISABELLE DE BORTOLI - zuletzt aktualisiert: 18.07.2007 - 08:00

Erforschung der Mentalität (RPO). Seit über 30 Jahren beschäftigt sich Fritz Langensiepen mit dem Rheinland und seinen Bewohnern. Nun geht der Leiter des Amtes für rheinische Landeskunde in den Ruhestand.

Der Lieblingsort von Fritz Langensiepen: das Rheinufer in Köln.  Foto: AP, AP
Der Lieblingsort von Fritz Langensiepen: das Rheinufer in Köln. Foto: AP, AP

Egal ob in Emmerich, Düsseldorf, Köln oder Bonn: Wenn Fritz Langensiepen am Rheinufer steht, ist er immer wieder beeindruckt. „Das ist schon ein imposanter Strom“, sagt der 64-Jährige, der seit 1985 das Amt für rheinische Landeskunde in Bonn leitet und sich im August in den Ruhestand verabschieden wird. „Natürlich kann da jemand aus Bayern sagen: Unsere Berge sind schöner. Und natürlich hat das Rheinland keine grandiose Landschaft oder eine Weltstadt wie New York zu bieten. Das Rheinland zeichnet sich aber durch etwas ganz anderes aus, nämlich durch die Menschen, die hier leben.“

Fritz Langensiepen ist einer von ihnen. Geboren im Hunsrück – „das ist ja auch noch Rheinland“ – und aufgewachsen in Bonn, lebt er heute in Köln. „Ich war viel unterwegs, habe die Menschen und ihre Mentalität kennengelernt.“

Info

Werdegang

Fritz Langensiepen ist seit 1979 beim Amt für Rheinische Landeskunde beschäftigt. Dort baute er zunächst die Abteilung Sprachforschung auf.

Schon während seines Studiums in Bonn (Rheinische Landesgeschichte im Nebenfach) arbeitete Langensiepen für das Amt für Rheinische Landeskunde in der Redaktion eines Wörterbuchs.

Und eben dieses Geheimnis der rheinischen Mentalität wollte Langensiepen erforschen. „Dabei zeigte sich, dass die Klischees, die man so vom Rheinland hat, in den allermeisten Fällen tatsächlich stimmen. Die meisten Rheinländer sind offen, tolerant, mögen die Gemeinschaft, gehen auf andere zu und reden sehr gerne und sehr viel.“ Das habe er in seiner Laufbahn mit seinen Mitarbeitern empirisch beweisen können.

Der Herrgott wird zum Herrjöttsche

Die Rheinländer nehmen sich laut Langensiepen gern „selbst auf die Schippe“, gehen locker mit den Obrigkeiten um und integrieren andere Kulturen. Im rheinischen Harmoniemodell gehen der Alltag und das Besondere außerdem ganz einfach zusammen. „Durch den rheinischen Diminutiv bekommen Größen einen menschlichen und rheinländischen Touch. So wird aus dem Herrgott eben das Herrjöttsche.“

Fritz Langensiepen ist seit 1979 beim Amt für Rheinische Landeskunde. Foto: LVR/ARL, Foto: Gerhards

Auch ein anderer Gedanke hat Fritz Langensiepen immer fasziniert: das Zusammensein der Menschen in der Region. „Die Rheinländer sind nicht eigenbrötlerisch, die wollen unterwegs sein, draußen sein, und so ergibt sich eine Familiarität. Wer von außen dazu kommt, wird integriert. So entsteht eine reizvolle Mischung. Jeder – auch derjenige, der nicht Karneval feiert – ist Teil der rheinischen Mentalität und macht sie aus. Auch ich bin natürlich einer von denen.“

Zum Alltag der Rheinländer gehört auch ihre Sprache – auch wenn sich ein Mensch aus Kranenburg und ein anderer aus Trier nicht verstehen würden. Mit der Sprache hat sich Fritz Langensiepen während seiner Arbeit beim Amt für rheinische Landeskunde auch immer wieder beschäftigt. „Ich habe während meiner Berufstätigkeit eine gewaltige Veränderung der Sprache und der Sprachlandschaft im Rheinland erlebt“, sagt der 64-Jährige. „In den 70ern war die Alltagssprache – gerade auf den Dörfern – vom Platt geprägt. Heute gehört der Dialekt nicht mehr zur Alltagssprache. Kinder lernen ihn nicht mehr von ihren Eltern.“

Regiolekt häufig zu hören

Sorgen macht sich Langensiepen aber nicht um das Platt: „Sicher, es ist vieles verloren gegangen, und es wird auch noch mehr verschwinden. Aber es ist doch auch erstaunlich, wie viel noch da ist.“ Gerade in Köln höre man immer noch viel Dialekt – beziehungsweise Regiolekt.

„Die lokalen Dialekte verschwinden, aber den Regiolekt – also die Sprache einer ganzen Region – den hört man schon noch raus. Das Rheinland zeichnet sich so hörbar nach außen aus.“ So sei das rheinische „Knöllchen“ ebenso in die Alltagssprache übergegangen wie das „i-Dötzchen“.

Fritz Langensiepen selbst spricht mehrere Dialekte. „Ich habe den moselfränkischen Dialekt meiner Geburtsregion beibehalten. Und ich habe Kölsch gelernt. Denn in Köln ist es durchaus sinnvoll, Kölsch zu können.“

Quelle: RP

 
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