Nach Pannen beim Zentralabitur: Schulministerin unter Aufsicht
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 07.07.2008Nach Pannen beim Zentralabitur (RPO). Der Medienberater Michael Spreng soll das angeschlagene Image von Barbara Sommer (CDU) aufpolieren. Mit seiner Hilfe sollen künftig Pannen, wie sie beim Zentralabitur passiert sind, vermieden werden. Im Umfeld der Ministerin soll es weitere personelle Veränderungen geben.
Michael Spreng ist ein Medienprofi. Der ehemalige Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ war der Image-Berater von Edmund Stoiber (CSU), als der Bundeskanzler werden wollte. Im Landtagswahlkampf 2005 stand Spreng erfolgreich dem heutigen NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zur Seite. Jetzt soll Spreng einen neuen Auftrag haben. Nach Informationen, die unserer Zeitung vorliegen, soll der Kommunikationsexperte NRW-Schulministerin Barbara Sommer beraten.
Nach den Pannen beim Zentralabitur in Nordrhein-Westfalen hatte es erhebliche Kritik am Krisenmanagement des Schulministeriums gegeben. Es ging um schwer lösbare Mathematik-Aufgaben. Sollten die betroffenen Schüler eine zweite Chance bekommen? Mal hieß es „Ja“, dann wieder „Nein“. Schließlich sprach Regierungschef Rüttgers ein Machtwort und bot den Abiturienten einen Wiederholungstermin mit neuen Aufgaben an.
Das Hin und Her um die Matheaufgaben, so heißt es, habe die Lenker der Regierungszentrale aus der Fassung gebracht. Wiederholt war das Schulministerium durch mangelnde Absprachen aus der Reihe getanzt. Jetzt, so wurde beschlossen, müsse man die Zügel enger anziehen. Alle öffentlichen Erklärungen gehen nun über den Tisch der Staatskanzlei.
Doch mit kosmetischen Korrekturen ist es offenbar nicht getan. Eine Arbeitsgruppe wurde eingerichtet, die die Abläufe im Schulministerium auf Vordermann bringen soll. Die streng geheimen Treffen der „Task Force“ finden in der Düsseldorfer CDU-Zentrale statt. „Dort hat das Team, zu dem Michael Spreng gehört, mit Ministerin Sommer die Situation analysiert“, so ein Insider. Dabei sollen auch personelle Veränderungen in der Leitungsebene besprochen worden sein. Angeblich kehrt der Sprecher von Ministerin Sommer nach den Ferien nicht mehr auf seinen Posten zurück.
Hans-Dieter Wichter, der Sprecher der Landesregierung, wies diese Darstellung gestern zurück. Auch von einem „Coaching von Frau Sommer“ durch Michael Spreng habe er noch nichts gehört, allerdings könne er auch nicht alles wissen. Die Ministerin hatte sich am Freitag krank gemeldet.
Schon sprießen Spekulationen über ihre politische Zukunft ins Kraut. Ein Online-Dienst berichtet, nach einem Sieg bei der nächsten Wahl solle Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) das Schulressort mit übernehmen. Eine abwegige Spekulation – ist es doch ausgerechnet Pinkwart, der die Union regelmäßig in Rage bringt, weil er am dreigliedrigen Schulsystem rüttelt. Doch jedes noch so absurde Gerücht beschädigt Sommer. Ein Intrigenspiel?
Die Schulministerin war weitgehend unbekannt, als sie 2005 als Seiteneinsteigerin ins Amt kam. Als ehemalige Grundschulrektorin und Schulrätin im Kreis Gütersloh verfügt sie über ein breites Fachwissen. Doch das Ränkespiel der Politik war der Mutter von fünf Kindern unbekannt. „Ach Püppi, tu dir das nicht an“, warnte Sommers hochbetagter Vater seine Tochter vor dem Wechsel nach Düsseldorf.
Seitdem muss Sommer, die sich stets freundlich und herzlich gibt, immer wieder kräftig einstecken. Die SPD macht die Ministerin auf Aufklebern („Wir wollen endlich Sommer-Ferien“) zur Witzfigur. Sylvia Löhrmann, Fraktionschefin der Grünen im Düsseldorfer Landtag, fasste das Dilemma jüngst in einer Plenardebatte zusammen. „Als Mensch sind sie unersetzlich, als Ministerin eine Katastrophe“, sagte die Grüne. Ministerpräsident Rüttgers wirft sie vor: „Man kann nicht jemanden, der so unbedarft ist, auf diese Stelle setzen und dann glauben: Die kriegt das schon hin.“ Die angeblich geplante Auswechslung des Pressesprechers nennt Löhrmann „ein halbherziges Bauernopfer“.
Die Opposition hat vielmehr Staatssekretär Günter Winands ins Visier genommen. Der Jurist, der in der Amtszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) das Kabinettsreferat leitete, sei der zentrale Strippenzieher im Schulministerium. Angeblich soll auch Winands’ Zukunft in Frage stehen. Eine entsprechende Meldung bezeichnete Regierungssprecher Wichter allerdings als „Ansammlung von Unwahrheiten und Fehlinformationen“.
Dauert die Krise im Schulministerium an, oder kann Medienberater Spreng die Ministerin wieder fit machen? „Niemand kann ihm absprechen, dass er große Kompetenz besitzt“, sagt Ralf Witzel, der parlamentarische Geschäftsführer der FDP im Landtag. Eine SPD-Abgeordnete macht sich über den Einsatz lustig. Die prominente Besetzung der „Task Force“ zeige, wie schwer die „Mission Sommer“ sei.
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