Das sollten Sie beachten: Schweinegrippe: Risiko zu Karneval
VON LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 07.11.2009 - 12:28Das sollten Sie beachten (RPO). Der Beginn der fünften Jahrezeit naht. Was ist bei karnevalistischen Großveranstaltungen mit Schunkeln und Bützen in Zeiten der Schweinegrippe zu beachten? Der Düsseldorfer Virologe Professor Ortwin Adams über neue Infektionsrisiken.
Am 11. 11. werden in diesem Jahr zwei Dinge im Rheinland zusammenkommen, die wirklich nie aufeinandertreffen sollten: Großveranstaltungen zum Auftakt der diesjährigen Karnevals-Session und die Schweinegrippe. Wird damit die Infektionswelle zusätzlich angetrieben werden? Was zu erwarten ist und wie man sich am besten vor der Grippe schützen kann, darüber hat uns der Düsseldorfer Virologe Professor Ortwin Adams Auskunft gegeben.
Ist zu befürchten, dass zum Karneval die Zahl der Infizierten bedrohlich zunehmen wird?
Solche Ansammlungen sind sicherlich gut dafür geeignet, dass das Virus sich leicht übertragen kann. Aber das gilt auch für vergleichbare Situationen wie ein Besuch eines Rock-Konzerts oder in der Düsseldorfer Altstadt, wo auch dichtes Gedränge herrscht.
Wird das Virus leichter in geschlossenen Räumen oder im Freien übertragen?
Entscheidend ist immer der Abstand zu einem infizierten Menschen. Man sagt, dass innerhalb von einem Meter das Virus effektiv übertragen werden kann, denn es sind überwiegend Tröpfcheninfektionen, die beim Sprechen oder beim Niesen übertragen werden. Von daher stellen enge und überfüllte Räume sicherlich eine besondere Gefahr dar.
Wie lange muss man denn geimpft sein, um Sicherheit vor der Schweinegrippe zu haben?
Genau können das selbst die Experten noch nicht wissen, weil gerade erst mit den Impfungen begonnen wurde und noch nicht klar ist, ob eine zweite Impfung nötig sein wird. Aber aufgrund der Erfahrung mit früheren Impfungen müsste man ungefähr 14 Tage veranschlagen.
Ist der, der sich jetzt impfen lässt, zum Karnevalsauftakt am 11. November auf der sicheren Seite?
Nein. Wenn man genau auf diesen Termin hinarbeiten will, ist es für die Impfung jetzt zu spät.
Hilft denn ein Mundschutz?
Ein Mundschutz könnte helfen, aber will man den wirklich zu Karneval tragen? Man kann sich einfach am besten schützen, indem man große Menschenansammlungen meidet.
Und wer dabei sein will, sollte aufs Küssen verzichten?
Natürlich. Wer küsst und direkten Speichelkontakt hat, ist prädestiniert für eine Infektion.
Wird eine Infektion denn zusätzlich befördert durch übermäßigen Alkoholkonsum oder zu leichte Kleidung?
Es macht einen Unterschied, ob man nur ein einzelnes Mal zu viel Alkohol trinkt oder ob man alkoholabhängig ist. Schwieriger ist eine Antwort zur leichten Bekleidung – etwa bei einem Kostüm. Denn der Begriff "Erkältung" ist an sich irreführend. Dahinter steht nämlich die landläufige Meinung, dass derjenige, der keinen dicken Schal um den Hals trägt, sich leichter infizieren kann.
Also ist das zu vernachlässigen?
Sicherlich sollte man nicht über längere Zeit unterkühlt sein, weil dann die Schleimhäute schlechter durchblutet sind. Dies könnte einen Effekt auf die Übertragung von Erregern haben. Aber um das noch einmal anschaulich zu machen: Man bekommt keine Erkältung, wenn man alleine kurz am offenen Fenster steht. Dabei ist kein Virus im Spiel und von draußen kann nicht irgendein Grippeerreger auf uns zufliegen. Kälte spielt bei einer Infektion vor allem dann eine Rolle, wenn wir stundenlang draußen in einer Menschenmasse stehen.
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